Veränderungen meistern: Fünf Impulse für mehr Flexibilität

Flexibilität als Schlüsselkompetenz, um Veränderungen zu begegnen. Wie werde ich flexibel? Wie bleibe ich es? Welche Schritte sind dafür erforderlich? Dieses übungs- und aufgabenreiche Seminar ist Teil des Weiterbildungsprogramms des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz. In diesem Beitrag lesen Sie die Essentials aus zwei Tagen Training; zusammengefasst in fünf Impulsen für mehr Flexibilität, sowie ein Interview mit der Seminarleiterin.

Welche Veränderungen nehmen Sie in Ihrem Arbeitsumfeld wahr? Wahrscheinlich finden sich diese Punkte auf Ihrer Liste: mehr Komplexität, Mobilität und Erreichbarkeit. Das notierten zumindest die Teilnehmer des Seminars „Veränderungen meistern mit mehr Flexibilität“. Dass Veränderungen auch Verbesserungen mit sich bringen, zeigten die Punkte mehr Arbeitssicherheit, Gesundheitsangebote und Freiheit auf dem Flipchart.

Im Titel steckt schon der zentrale Ansatz der Trainerin Maria Szekelyi-Peters vom entwicklungslabor: Flexibilität als Schlüsselkompetenz, um Veränderungen zu begegnen. Das mag etwas nach einer Binsenweisheit auf Glückskeks-Niveau klingen. Tatsächlich aber steckt der Teufel im Detail, denn:

  • Wie werde ich denn flexibel?
  • Wie bleibe ich es?
  • Welche Schritte sind dafür erforderlich?

Veränderungen meistern: Fünf Impulse für mehr Flexibilität

Fünf Impulse für mehr Flexibilität

1. Impuls

Anzeichen von Veränderungen wahrnehmen und darin die Chancen erkennen. Wie das? Positive Aspekte entdecken. Das ist auch bei einer unerwünschten Entwicklung möglich.

Dass sich das Arbeitsumfeld stetig verändert, erfährt jeder in seinem beruflichen und privaten Alltag. Verschiedenste Einflüsse spielen eine Rolle: neue Technologien, wirtschaftliche Entwicklungen am Markt, interne Umstrukturierungen. Um Veränderungen zu bemerken, braucht es vor allem eins: Aufmerksamkeit. Diese schärften die Seminarteilnehmer mit Trainerin Maria Szekelyi-Peters. „Nicht nur im Außen, auch im Innern gibt es Anzeichen
für notwendige Veränderungen, z.B. wenn der Körper oder die Psyche Beschwerden macht,“ erklärt sie. Doch die eigentliche Frage lautet: Ich habe die Veränderung erkannt – und nun? Wie reagiere ich auf den Wandel, der sich allmählich ankündigt? Oder vielleicht bin ich schon mittendrin – was kann ich tun, um mich schnell auf die neue Situation einzustellen?Für die Trainerin gibt es einen klugen Weg, der darin besteht, die Chancen im Wandel zu entdecken: „Stellen Sie sich die Frage: Was ist das Gute andieser Veränderung? Oder anders ausgedrückt: Wozu könnte sie nutzen?“ Der Kniff: mit dem Wechsel der Perspektive auf die Möglichkeiten in derveränderten Situation ändern sich auch die Rahmenbedingungen, in denen ich handele. Anstatt eine Veränderung zu „erleiden“, beginnt man sie für sich zu gestalten.
Diesen gedanklichen Wechsel zu vollziehen ist weniger simpel, als es klingt und sorgte unter den Teilnehmern für einige Diskussionen. Das zeigte: es ist sinnvoll sich Sparringspartner zu suchen, um die neue Situation
auszuloten und die Optionen zu diskutieren. Doch das ist erst der Anfang. Es schließt sich unmittelbar Impuls Nummer 2 an: Anpassungsfähig ist nur derjenige, der bereit ist, etwas Neues zu lernen.

Anzeichen von Veränderungen

  • Änderungen im Dresscode, z.B. informeller Stil
  • Unternehmensberater werden eingeladen
  • Sparprogramm im Betrieb
  • Wechsel in der Chefetage
  • Neue/weniger Aufträge
  • Neue Kollegen

2. Impuls

Die Fähigkeit etwas Neues zu lernen ist die Kompetenz, die man für Veränderungen braucht. Mit der für uns richtigen Methode können wir unsere Lernfähigkeit lebenslang erhalten.

Lernen zu lernen ist eine grundlegende Fähigkeit für nachhaltigen Erfolg. Dabei ist es hilfreich zu wissen, wie das Gehirn funktioniert, wenn es Neues lernt und abspeichert. Ein gutes Gedächtnis, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit sind zentral – und alle drei kann man trainieren. Daher ließ Szekelyi-Peters die Teilnehmer in unterschiedlichen Übungen herausfinden, welche Lernmethoden für sie den größten Erfolg versprechen. Für einige hielten diese Übungen eine Überraschung parat. Etwa, wenn man sich wider Erwarten eine detailreiche To-Do-Liste mit 12 Eintragungen in der korrekten Reihenfolge merken konnte – unter Zeitdruck.

„Lernfähigkeit ist letztlich eine wesentliche Kompetenz, die man für Veränderungen braucht.“

Maria Szekelyi-Peters

Eine Faustregel „zum Mitnehmen“: Routine und Ruhe sind der „Energiesparmodus“ des Gehirns. Diese sind wichtig, um das Energiekonto auf einem guten Niveau zu halten – neue synaptische Verbindungen entstehen so allerdings nicht. Neues dagegen fordert uns. Auch Druck und Wettkampf treibt uns an und trainiert so das Gedächtnis. Also: öfter mal etwas Neues machen, denken und lernen. Folgt man seinem Lerntyp, fällt das sogar leicht. Generell hat sich multimodales Lernen bewährt. Dabei kombiniert man Techniken des Visualisierens, Assoziierens, Diskutierens usw.

So gelingt es, sich schnell auf Veränderungen einzustellen, egal ob diese Arbeiten in einem größeren Team bedeutet, Chancen auf eine berufliche Förderung eröffnet oder einen neuen Aufgabenbereich in Aussicht stellt. Hier klingt schon an, dass Veränderungen oft eine Entscheidung einfordern.

Nicht allen fällt es leicht, Entscheidungen zu treffen. Es fehlt die Klarheit darüber, was man kann, was man will, was zu einem passt. Maria Szekelyi- Peters begab sich also auf die Suche nach dem inneren Kompass der Seminarteilnehmer. Und wieder fanden diese sich in einer Übung wieder.

3. Impuls

Eigene Werte definieren, die dem Leben Orientierung geben. Sie sind gleichzeitig Entscheidungskriterien. So verringert man Komplexität und lernt, Pro und Contra abzuwägen.

Unter Anleitung der Seminarleiterin definierten die Teilnehmer ihre acht zentralen Werte. Hier war Ehrlichkeit mit sich selbst gefragt, um trennscharf zwischen eigenen Werten und gesellschaftlichen Erwartungen zu unterscheiden. Die Auseinandersetzung mit den inneren Werten lässt einen erkennen, was persönlich wichtig ist. In einem sich verändernden Umfeld werden diese Werte zu Entscheidungskriterien:

  • Fortbildung ja oder nein?
  • Teamleitung annehmen ja oder nein? Abteilung wechseln ja oder nein?
  • Projekt weiter verfolgen ja oder nein?

Letztlich geht es um die Entscheidung, wie ich meine Ressourcen – Energie, Zeit, Geld – nachhaltig und wirksam einsetzen sollte. Mit einem Ziel vor Augen trifft man diese Entscheidung leichter – mehr noch: man ist in der Lage, Chancen zu erkennen, wenn sie sich bieten. Dabei sollten Ziele im Einklang mit den inneren Werten sein. So wird der Weg zum Ziel einfacher, weil sich nicht die berühmte Warum-Frage stellt, sollten sich Probleme am Horizont abzeichnen.

Werden einem doch Steine in den Weg gelegt, liefert Impuls Nummer 4 Anregungen, wie man flexibel und kreativ damit umgeht.

Valentin Antonucci via pexels, CC0
Valentin Antonucci via pexels, CCO

4. Impuls

Verschiedene Problemlösungsmethoden erlernen. Damit können wir den Handlungsspielraum vergrößern und schneller zu guten Lösungen kommen.

Jemand, der in seine Problemlösungskompetenz vertraut, reagiert auf Veränderungenoptimistisch. In anderen Worten: wer Probleme schnell lösen kann, geht mutiger an Neues heran. Dabei führen ganz verschiedene Methoden zum Erfolg. Ein Patentrezept gibt es nicht, auch da nicht jede Technik zu jeder Person passt: die einen entwickeln im offenen Brainstorming die überzeugendsten Ideen, während die anderen systematisch mit der 6-Hüte-Methode Lösungsansätze entwickeln.

Allen Methoden gemeinsam ist die Kreativität. Hier ist nicht das Genie eines Künstlers gemeint, sondern eine schöpferische Ideenfindung, erklärte Maria Szekelyi-Peters. Diese Form der Kreativität zeigt sich beispielsweise in originellen Problemlösungen am Arbeitsplatz. Dabei ist es unwichtig, ob Bestehendes neu kombiniert oder eine geniale neue Idee umgesetzt wird.

Die Kreativitätsbremse ist angezogen? Die Trainerin zeigte den Teilnehmern, wie sie ihre Kreativitätsblockaden identifizieren (zum Beispiel Perfektionismus) und Strategien entwickeln können, um die Bremse zu lösen.

„Der Handlungsspielraum ist größer, als die meisten annehmen. Wir neigen dazu, den Fokus auf einen kleinen Ausschnitt zu verengen, in dem wir absolut sicher sind. Dabei ist der tatsächliche Spielraum weiter.“

Maria Szekelyi-Peters

Bei einer neuen „Vermessung“ des eigenen Handlungsspielraums können Impulse von außen helfen, beispielweise durch einen Mentor oder Coach. Für den Anfang ist es sinnvoll sich zufragen: was kann ich selbst machen? Was kann ich beeinflussen?

5. Impuls

Lernen, die eigenen Interessen geschickt zu kommunizieren. Also andere um etwas zu bitten, freundlich etwas abzulehnen und besser zu verhandeln.

Angenommen Sie haben Ihren Handlungsspielraum vermessen und arbeiten auf eine für Sie wünschenswerte Veränderung hin. Das können der Lautstärkepegel im Büro oder nicht eingehaltene Absprachen sein. Egal was es ist: Sie erreichen Ihr Ziel eher, wenn Sie die richtigen Worte finden.

Auch hier hatte Maria Szekelyi-Peters eine praktische Übung parat: jeder formulierte anhand zentraler Fragen sein Anliegen aus und diskutierte es in der Runde. Es kam vor allem darauf an, die eigenen Wünsche ohne Aggression rüberzubringen und Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren. Je konkreter die Lösungs- bzw. Handlungsvorschläge, umso besser.

Auch das bestimmte, aber freundliche „Nein“ zu inakzeptablen Veränderungen gehört zum geschickten Kommunizieren dazu. Letztlich geht es darum, einen Konsens zu finden, der die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.

Sieben Fähigkeiten für den klugen Umgang mit Veränderungen

Interview mit Trainerin Maria Szekelyi-Peters

Maria Szekelyi-Peters arbeitete lange in verschiedenen Forschungsinstituten und Chemiebetrieben. Vor 25 Jahren zog es sie in den psychologischpädagogischen Bereich. Über 1.500 Seminare und Kurse hat die Trainerin bereits gegeben. (Marcel Hasübert – mh-foto.de)

Frau Szekelyi-Peters, ich kam für das Seminar in den Schulungsraum und stand inmitten von inspirierenden Zitaten und interessanten Erkenntnissen, die jeden freien Raum an Wand und Tür einnahmen. Was bezwecken Sie damit?
„Ich möchte jedem einen angenehmen und anregenden ‚Empfang‘ bereiten. So lässt sich die Wartezeit bis zum Seminaranfang sinnvoll nutzen. Aber auch in den Pausen fotografieren die Teilnehmer oft die Motive, die sie persönlich ansprechen. Somit sind meine Plakate nicht nur eine Einstimmung, sondern auch ein ‚Mitnahmegeschenk‘. Zitate verdichten komplexe Zusammenhänge auf prägnante Aussagen, welche gut erinnerbare Begleiter im Alltag sein können. Und einprägsame Grafiken sprechen das Unterbewusste an, das unser Handeln steuert.“

Sie sprechen das Unbewusste an. Dazu gehören auch Denkmuster und Grundannahmen. Sie forderten die Seminarteilnehmer auf, ihre Werte zu reflektieren. Warum das?
„Veränderungen bringen oft Entscheidungen mit sich. Um die für sich richtigen Entscheidungen zu treffen, braucht man einen inneren Kompass. Wer weiß, was ihm wichtig ist, kann sein Leben leichter im Gleichgewicht halten. Auch die Ziele, die man sich setzt, sollten im Einklang mit den inneren Werten sein. Es ist sehr zentral, hier Klarheit für sich zu gewinnen. Die Werte der Eltern, Partnern, Vorgesetzten und der Gesellschaft verdecken häufig die eigenen Werte – es ist gar nicht einfach da zu unterscheiden… Deswegen begebe ich mich auf die detektivische Suche nach den persönlichen Werten der Teilnehmer.“

Dafür haben Sie verschiedene Methoden eingesetzt. Beide Tage bei Ihnen waren geprägt von verschiedenen Aufgaben. Selbst die Inhalte, die Sie referierten, bereiteten uns auf die nächste Frage vor…
„Ja, denn Teilnehmer können bei mir verschiedene Methoden und Technikenkennenlernen und einsetzen, damit sie herausfinden, was bei ihnen persönlich gut klappt. Wer viele gute Werkzeuge hat, ist für alle Eventualitäten besser gerüstet und ist bei Schwierigkeiten nicht ohnmächtig. Sie kennen nun verschiedene Auswege – das wirkt sehr motivierend! Erst wenn man eine Idee ausprobiert, erkennt man, ob sie für einen selbst taugt oder ob ein anderer Weg besser funktioniert. Diese Erkenntnis ist übrigens eine Gemeinsamkeit zwischen der Arbeit in einem chemischen Forschungslabor und auf dem Gebiet der psychologischen Beratung.“

Dann beeinflusst Ihr naturwissenschaftlicher Werdegang Ihren
pädagogischen Ansatz?

„Ja, als frühere Technikerin ist mir immer wichtig, dass man Zusammenhänge versteht. Ich möchte selbst auch nur das umsetzen, wessen Sinn mir klar ist. Ein Beispiel: Jemand, der seine Energiereserven auffüllt, ist langfristig gesünder und leistungsfähiger. Das Lernen fällt leichter und damit das Einstellen auf eine neue, veränderte Situation. Er findet schneller und kreativer Lösungen, kooperiert besser mit anderen und fühlt sich zufriedener. Auf den ersten Blick so unterschiedliche Sachen wie Erholung, Entspannung und Leistung, Motivation, Lernen, Kooperation, Flexibilität, Problemlösung, Zufriedenheit hängen beim genaueren Hinsehen eng zusammen!“

Können Sie kurz und prägnant zusammenfassen, was man braucht, um flexibler auf Veränderungen zu reagieren?

Erstens die Fähigkeit, sich zu entspannen. Sie ist die Voraussetzung für vieles weitere.

Zweitens die Fähigkeit, auf seine emotionale Intelligenz zuzugreifen.

Drittens die Fähigkeit zur Kommunikation, auch weil sie dabei hilft stressige Konflikte zu lösen.

Viertens die Fähigkeit, Probleme kreativ zu lösen. Dann belasten Probleme einen nicht so lange, außerdem hat man weniger Angst vor Veränderungen, die meist ja neue Probleme mit sich bringen.

Fünftens die Fähigkeit zur Reflexion und Distanzierung, denn sie ermöglichst rationales Denken.

Sechstens die Fähigkeit, zu sich selbst ehrlich zu sein: Was für ein Mensch bin ich? Welche Werte sind für mein Leben am wichtigsten? Was motiviert mich?

Siebtens die Fähigkeit zu akzeptieren, dass man nicht alles sein kann, nicht alles haben kann und alles seinen Preis hat.“

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