Wie Unternehmen in der Krise schlecht kommunizieren, zeigte nicht nur das Unglück von Seveso. Auch in der heutigen Zeit schweigen viele Unternehmen, statt aktiv zu kommunizieren. Dadurch verlieren die Unternehmen die Deutungshoheit und Reputation, die sich nachhaltig auf das Geschäft auswirken können. Die Erfahrung zeigt, dass die Firmen oft eine sehr gute technische Einsatzleitung haben, die im Unglücksfall souverän die Situation meistert. Jedoch wird die Kommunikation nach außen vernachlässigt.

Öffentlichkeitsarbeit sollte nicht als störend empfunden werden, sondern als Hilfe für die eigene Arbeit. Besonders die Schnittstelle im Krisenstab zwischen der technischen Einsatzleitung und der Kommunikation muss funktionieren.

Denn auch wenn das Unternehmen nicht kommuniziert – andere tun es.

Befragt werden Polizei, Feuerwehr, Anwohner und auch Mitarbeiter, die sich ggf. auf Sammelplätzen außerhalb des Werkgeländes bewegen. Zudem zeigen die Analysen jüngster Vorfälle, dass solche Situationen genutzt werden, um Freunde zu informieren oder sich endlich mal öffentlich wirksam „Luft zu verschaffen“. Während öffentlich zugänglichen Plattformen wie facebook für die eigene Arbeit ausgewertet werden können, klappt dies bei privaten Messengerdiensten wie WhatsApp oder Snapchat nicht. Die Mitarbeiter sollten daher präventiv sensibilisiert werden, welche Auswirkungen ihr Mitteilungsbedürfnis haben kann.

Kommunikation ist mehr als Medienarbeit

Sich im Falle eines Vorfalles auf die Arbeiten vor Ort zu konzentrieren ist wichtig. Ebenso wichtig ist die Information relevanter Zielgruppen. Dazu zählt die interne Kommunikation an Mitarbeiter und Angehörige ebenso wie die Information an Kunden, Behörden, Lieferanten sowie an die Presse und Öffentlichkeit. Hilfreich ist es, wenn vor dem Vorfall bereits Checklisten erarbeitet wurden, die fester Teil des Krisenhandbuches sind. Hier können Pressemitteilungen ebenso vorbereitet werden, wie die Aufgabenverteilung bei Pressekonferenzen.

Unternehmen, deren Sitz im Ausland ist, können so bereits ohne Zeitdruck Freigaben für Kernbotschaften erhalten. Denn in der Krise ist am Unfallort wie in der Kommunikation der Zeitfaktor essentiell.