Die Kunst zu moderieren

Die Kunst zu moderieren

Moderatoren. Viele denken sofort an Menschen, die im Fernsehen durch die Show führen oder Sportevents kommentieren. Sie sind der rote Faden im Programm einer Veranstaltung und fügen verschiedene Elemente kunstvoll zusammen.

Eine Fähigkeit, die auch für Unternehmen wichtiger wird. Menschen aktivieren, sie durch ein Thema leiten und ein gemeinsames Ergebnis schaffen. Wer in Projekten, Abteilungen und virtuellen Teams eine Leitungsfunktion übernimmt, muss diese moderieren können: In hitzigen Diskussionen die Ruhe bewahren, die Zielvorgaben nicht aus dem Auge verlieren und dabei die Zeit einhalten. Dies und mehr lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zweitägigen Seminares, das durch den Arbeitgeberverband Rheinland-Pfalz angeboten wird.

Die Agenda ist überfüllt, keiner kommt auf den Punkt. Schnell wird klar, dass die Zeit mal wieder überzogen wird. Wer nicht bereits mental abgeschaltet hat, beginnt nach einer Weile E-Mails auf dem Smartphone zu bearbeiten oder mit dem Nachbarn zu tuscheln. Wie man besser moderieren und diesen Meeting-Alltag durchbrechen kann, zeigt der Trainer Marc Hinderlich. Das Wesen dieses Seminares ist ein gelungenes Wechselspiel zwischen Information, praktischen Tipps und persönlichen Erfahrungsaustausch. Zudem wurden besondere Wünsche erfüllt. Zum Beispiel ein gemeinsames Aufwärmen und Trainieren der Stimme und Gesichtsmuskeln – ein bildlich und stimmlich einzigartiges Erlebnis, welches jeder als Teilnehmer selber erleben muss. Anmeldungen zum Seminar sind möglich unter anmeldung@chemie-rp.de.

Führen ohne zu dominieren

Moderation ist das dialogorientierte Führen eines Gespräches in der Gruppe, mit dem Ziel, ein gemeinsames Ergebnis zu schaffen. Besondere Bedeutung haben die Begriffe „Führen“ und „Dialog“. Wer nicht in einer klassischen Führungsfunktion tätig ist, hat oftmals Respekt – vielleicht auch ein wenig Angst – vor großen Gruppen zu moderieren. Besonders dann, wenn der eigene Chef oder andere übergeordnete Personen in der Gruppe sitzen.

Durch diesen Respekt kann es dazu kommen, dass sich die Moderatoren selbstkritisch auf Dinge fokussieren, die sie nicht  können. Sie drohen an sich selbst zu scheitern. Dieses defizitorientierte Denken kann einfach durchbrochen werden. Denn jeder kann etwas gut, was in der Moderation hilft. Dies sollte sich jeder persönlich verdeutlichen. Damit einher geht auch das eigene Rollenverständnis. Wer moderiert, ist nicht aus dem klassischen Hierarchiegefüge ausgenommen. Chefs bleiben Chefs – auch im Meeting. Aber Moderatoren haben die Verantwortung für ein gelungenes Meeting. Und damit entscheiden sie auch, wie das Meeting geführt wird. Im Idealfall leiten sie das Gespräch, ohne zu dominieren. Hier gab der Marc Hinderlich Tipps, wie sich Moderatoren bei Konflikten im Meeting souverän verhalten können.

Dialog ermöglichen

Wer einen Dialog lenken will, muss diesen auch starten. Hier ist die Selbstreflexion wichtig: Dient das Meeting dazu, bestehende Entscheidungen zu verkünden? Dann ist es eher eine Präsentation und sollte auch als solche durchgeführt werden. Mitarbeiter und Kollegen merken schnell, ob ihre Meinung gefragt ist oder nicht. Das kann zur Demotivation führen.

Für einen guten Dialog ist eine gute Gesprächsatmosphäre wichtig. Diese kann geschaffen werden durch das Ansprechen gemeinsamer Interessen oder bereits erreichter Erfolge. Der Einstieg ist wichtig und sollte gekonnt gestaltet werden. Daneben sind auch Mimik und Gestik wichtig. Dialog braucht die persönliche Ansprache. Moderatoren sollten auf die eigene Körperhaltung und den Blickkontakt achten: Sich jedem Teilnehmer zuwenden und diesen mindestens drei Sekunden in die Augen schauen, ist in den meisten Situationen möglich. Und es hilft bei der Aktivierung hin zum Dialog.

Für die richtige Körperhaltung kann zum Beispiel die 2-N-Formel angewendet werden. Diese einfache Formel steht für Nase – Nabel – Füße: Sind alle drei einer Person zugewendet, fühlt sich diese auch angesprochen.

Auch die richtige Fragestellung hilft, den Dialog zu führen. Geschlossene und offene Fragen sind dabei ebenso denkbar, wie zirkuläre Fragen. Marc Hinderlich rät jedoch davon ab, Warum-Fragen zu stellen. Diese zielen meist auf ein Problem ab und können zur Zuweisung von Schuld und Verantwortung führen. Geeigneter sind zukunftsorientierte Was-Fragen.

„Mir hat der hohe Anteil an interaktiven Elementen mit persönlichem Feedback gefallen. In praktischen Übungen konnte ich die Tipps gleich anwenden.“ (Feedback der Teilnehmer)

Sichtbares und unsichtbares

Wer moderiert, bereitet sich intensiv vor. Moderationskarten werden geschrieben, Inhalte aufbereitet und der Ablauf genau aufgeschrieben. Und dann kommt es anders als geplant. Clausewitz spricht hier von der Friktion: Die Summe der Verzögerungen und Abweichungen, welche den tatsächlichen Verlauf von der akribischen Vorbereitung abweichen lässt. Zum Beispiel werden Inhalte nicht angesprochen oder Abfolgen nicht eingehalten. In der Folge bewertet der Moderator seine eigene Leistung schlecht und zeigt dies auch den Teilnehmern.

Hier lohnt sich eine kurze Gegenfrage: Wer weiß, was auf dem Zettel steht und angesprochen werden sollte? Nur der Moderator. Das Auditorium bewertet die Leistungen nicht nach dem, was geplant war. Sondern nach dem, was passiert ist. Moderatoren sollten spontan reagieren können und professionell enden. Zeit für eine selbstkritische Reflexion gibt es später, hinter den Kulissen.

Wer vor Gruppen spricht, sollte auch auf die nonverbale Kommunikation achten. So wird die Bedeutung der Körpersprache und Stimmqualität für eine erfolgreiche Moderation unterschätzt. Die Gewichtung von Körpersprache, Stimme und Inhalt unterscheiden sich von Forschung zu Forschung. Die Grundaussage ist allen gleich: Körpersprache ist so wichtig, dass diese gezielt eingesetzt werden sollte, um Botschaften zu vermitteln und Inhalte zu verstärken.

Was gegenüber den Teilnehmern sichtbar gemacht werden sollte, ist die eigene Perspektive auf das besprochene Thema. Grundsätzlich sind Moderatoren wertfrei und ausgleichend in der Diskussion. Aber im Unternehmen können Sie verschiedene Funktionen innehaben und daher auch in der Diskussion verschiedene Interessen verfolgen. Marc Hinderlich empfiehlt in solchen Situationen deutlich zu machen, mit welchem Interesse oder Perspektive der Moderator den Sachverhalt betrachtet.

Die Zeit im Blick

Eine professionelle Moderation beinhaltet auch ein gutes Zeitmanagement. Die Teilnehmer des Meetings sollten zum Punkt kommen, damit auch das Meeting im Zeitrahmen erfolgreich beendet werden kann. Oftmals ist das eigene Zeitgefühl deutlich verschieden zum tatsächlichen Zeitverbrauch. Gerne werden durch Teilnehmer in einem Meeting weitere Themen
angesprochen, die auch spannend sein können, aber nicht zwingend relevant für das Meeting sind.

Je nach Situation sollten Tools und Hilfen genutzt werden, um sich zeitlich besser zu orientieren. Neben der klassischen Uhr an der Wand kann dies eine Sanduhr auf dem Tisch sein. Vermieden werden sollte der Blick auf die Armbanduhr – dies gilt während eines Gespräches nach wie vor als unhöflich. Eine weitere Hilfe ist das gezieltes Einsetzen eines oder mehrerer Zwischenergebnisse. Besprochene Inhalte werden zusammengefasst und ein Ergebnis formuliert. Es sind Meilensteine auf dem Weg zum Ziel.

Der Abgang

Es wurde gesprochen, diskutiert und argumentiert. Aber haben alle am Ende auch das Gleiche verstanden? Nicht selten passiert es, dass Menschen mit einem unterschiedlichen Verständnis aus dem Gespräch gehen. Hier hilft es zu paraphrasieren, also Gesagtes mit eigenen Worten zusammenfassen und mit der Gruppe abgleichen. So geht man sicher, dass auch alle das „gleiche Bild“ im Kopf haben. Eine gute Moderation braucht nicht nur einen guten Einstieg, um die Teilnehmer zu aktivieren. Sie braucht auch einen guten Abschluss, um in Erinnerung zu bleiben. Wie kann also ein Moderator am besten enden? Reicht eine bloße Zusammenfassung des Ergebnisses oder sollte ein Call to Action die Runde abschließen? Es kommt auf die Veranstaltung an und die Persönlichkeit des Moderators. Absolut undenkbar sind Floskeln wie „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“ oder „Haben Sie noch Fragen?“

Trainer Marc Hinderlich

Nachgefragt – Interview mit Marc Hinderlich

Wann ist für Sie eine Moderation gelungen?
Wenn die Ziele des Auftraggebers erreicht werden und die Teilnehmer sich bewegen und motiviert sind, dann habe ich viel erreicht. Wenn wir zudem nicht nur Ergebnisse und Lösungen gefunden haben, sondern auch viel gelacht wurde, dann bin ich zufrieden.

Welche Glücksformel hilft Ihnen gegen Lampenfieber?
Musik und Bewegung, Vorfreude und Dankbarkeit mit unterschiedlichen Menschen „arbeiten“ zu dürfen. Und selbstverständlich Spaß haben und viel lachen.

Wie gehen Sie mit Konflikten und Störungen um?
Ich freue mich darauf, dass Beste daraus zu machen. Ich spreche sie aktiv an und empfinde sie als gutes Training zur eigenen Weiterentwicklung und Steigerung der Schlagfertigkeit.

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