Experimente machen den Schulunterricht anschaulich: Abstraktes lässt sich leichter begreifen, Komplexes leichter nachvollziehen. Dabei stehen die Sicherheit und der Schutz von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern im Zentrum. Beim Experimentieren geht es auch ganz grundlegend darum, das Bewusstsein für mögliche Gefahren und deren Ursachen zu schärfen und Risiken zu erkennen und zu beherrschen.

Genau darum ging es in der Lehrerfortbildung „Auf Nummer sicher! Experimente im MINT-Unterricht“ im Fortbildungszentrum der BG RCI in Maikammer. Teilnehmen konnten Lehrer aller Schularten und Stufen in Rheinland-Pfalz, die die Fächer Chemie und Physik unterrichten. Sie informierten sich über die rechtlichen Rahmenbedingungen und sammelten viele praktische Tipps zum sicheren Experimentieren.

Die Tagung war eine Premiere und wurde gemeinsam angeboten von der  Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), dem Bildungsministerium Rheinland-Pfalz, den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz, der Stiftung PfalzMetall sowie der Unfallkasse Rheinland-Pfalz.

Erfolgreiche Premiere: Sicher experimentieren an Schulen

Die Schulung stieß bei den Lehrern auf großes Interesse – schnell war der Vortragssaal bis auf letzten Platz besetzt. Dr. Harald Wellhäußer begrüßte die Teilnehmer herzlich. Der stellvertretende Leiter der Prävention der BG RCI verdeutlichte gleich zu Beginn, worum es den Organisatoren der Schulung ging: dass in Schulen Experimente den Unterricht beleben. Dafür ist guter Unterricht in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern notwendig. Und oft sind es die Versuche, die die Schüler begeistern. Damit diese sicher durchgeführt werden, luden die Kooperationspartner zur Schulung ein. Im Zentrum stand die Sicherheit von Schülern und Lehrern.

„Experimente sollen interessant und sicher sein. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten.“ Dr. Harald Wellhäußer, BG RCI

Dass an Naturwissenschaften und Technik interessierte Schulabgänger gute Berufschancen haben, betonte Felix Mayer. Der Geschäftsführer der Stiftung PfalzMetall machte deutlich, wie sehr die Industrie auf Nachwuchs angewiesen ist. Es gibt zahlreiche berufliche Möglichkeiten in der Metall- und Elektroindustrie; wie auch in der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoff verarbeitenden Branche. Über die beruflichen Möglichkeiten konnten sich die Lehrer auch an einem Stand informieren.

 

Experimentalvortrag mit Diskussion

Sensibilisierung für Gefahrenquellen und realistische Einschätzung von Risiken

Prof. Dr. Bernd Scheel von der BG RCI hat eine Leidenschaft für naturwissenschaftliche Experimente. Darüber hinaus analysiert der Chemiker Unfälle im Zusammenhang mit Chemikalien. Beides kombiniert er in seinen Experimentalvorträgen. So auch auf dieser Fortbildung, in der er den Lehrern mit einfachen Experimenten demonstrierte, wie Brände und Explosionen entstehen können. Daraus leitete Prof. Scheel direkt die notwendigen Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Bränden und Explosionen ab. Dabei bezog sich der Chemiker auf das Gefahrendreieck, also der Kombination aus brennbarem Stoff, Sauerstoff und einer Zündquelle.

Die anschaulichen Versuche verknüpfte er mit aktuellen Schadensereignissen und stellte so einen unmittelbaren Praxisbezug her. Das Ziel war, die Lehrer für mögliche Gefahrenquellen – wie Handys als Zündquelle – zu sensibilisieren und ihnen eine realistische Einschätzung von Risiken zu ermöglichen. Für die Versuche waren oft nur Gegenstände wie Stahlwolle oder Batterien notwendig.

 

Sicherheit im Unterricht

Die RiSu für Chemie und Physik

„Was glauben Sie“, fragte Dr. Rainer Radtke von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, „wieviele der Unfälle an einer Schule Unfälle im Chemieunterricht sind?“ Die Antwort des Chemikers und Gefahrstoffexperten überraschte: 0,05 bis 0,5 Prozent. Zum Vergleich: 45 Prozent der Unfälle geschehen im Sportunterricht. Ungleich höher jedoch ist die mediale Aufmerksamkeit und der administrative Aufwand, wenn es zu einem Vorfall im naturwissenschaftlichen Unterricht kommt. Das Ergebnis könne jedoch nicht sein, dass überhaupt keine naturwissenschaftlichen Versuche im Unterricht gemacht werden. Daher betonte Dr. Radtke: „Wir wollen, dass an Schulen experimentiert wird.“

Der Präventionsbeauftragte der Unfallkasse ist schon lange an Schulen für Besichtigungen und Beratungen unterwegs. Detailliert und mit vielen Beispiele aus der Schulpraxis erklärte er die Richtlinie zur Sicherheit im Unterricht (RiSu) und die jeweils notwendigen Gefährdungsbeurteilungen. Wie man an eine Gefährdungsbeurteilung herangehen sollte? „Ich muss mir vorher überlegen, welche Experimente ich plane und was dabei passieren könnte.“ Das Ergebnis sind auf den jeweiligen Versuch zugeschnittene Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig machte Radtke Vorschläge für Experimente, die nach den geltenden Regeln
gut für den Unterricht geeignet sind.

 

Unterstützung durch das Bildungsministerium

Den MINT-Unterricht stärken

Ebenfalls zur Premiere kam Volker Tschiedel aus dem Ministerium für Bildung. Er ist unter anderem zuständig für die Unterrichtsentwicklung naturwissenschaftlicher und technischer Fächer, sowie für Emissionsschutz, Unfallverhütung und Arbeitsschutz im Unterricht. Die Teilnehmer hatten so die Möglichkeit, direkt und persönlich ihre Fragen an das Bildungsministerium zu stellen und über ihre Erfahrung mit der Umsetzung der Richtlinien zu sprechen.

„Mir ist es sehr wichtig, den MINT-Unterricht zu stärken und die Sicherheit im Unterricht zu verbessern. Mein Ziel ist es, Sie beim Unterrichten zu unterstützen und Schutz-Vorschriften und schulische Realität zu vereinbaren.“ Volker Tschiedel, Ministerium für Bildung

So entstand ein Dialog mit Volker Tschiedel, der sich allen Fragen stellte und die Hinweise und Anmerkungen aus der Unterrichtspraxis mitnahm. Gleichzeitig informierte Tschiedel über die Unterstützungsmaterialien auf dem Bildungsserver des Ministeriums und erläuterte seine Pläne zur Weiterentwicklung der Unterstützung der MINT-Lehrer in Rheinland-Pfalz.

Er verwies dabei auch auf die Ende 2016 gestartete MINT-Initiative des Bildungsministeriums, mit der die MINT-Fächer in unterschiedlichen Bereichen und entlang der gesamten Bildungskette gestärkt werden sollen.

 

DeGiNTU und RiSu online

DeGiNTU steht für„Gefahrstoffinformationssystem für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht der Gesetzlichen Unfallversicherung”. Das Angebot wurde für den Geltungsbereich der risU konzipiert. DeGiNTU wird kostenfrei allen schulen, schülerlabors und Institutionen der Lehramtsausbildung
zur Verfügung gestellt. (https://degintu.dguv.de/)

Das Portal der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) besteht aus drei Modulen: die Gefahrstoffdatenbank, die Chemikalienverwaltung und die Versuchsdatenbank mit interaktiver Gefährdungsbeurteilung. Das Portal soll Lehrkräften dabei helfen, Gefährdungsbeurteilungen schneller zu erstellen und auch die Verwaltung von Gefahrstoffen effizienter zu gestalten. Lehrer finden dort die Stoffliste zur DGUV-regel 113-018 „Unterricht in Schulen mit gefährlichen Stoffen“.

Sie basiert auf der GESTIS – Stoffdatenbank; außerdem werden die Tätigkeitsbeschränkungen und -verbote nach der KMK-RISU abgebildet. Auch die Bestände an Chemikalien lassen sich mit DeGiNTU verwalten; zum Beispiel können dort die aktuellen Etiketten heruntergeladen sowie ein rechtskonformes Gefahrstoffverzeichnis ohne zusätzlichen Aufwand geführt werden. Und zuletzt beinhaltet DeGiNTU in Kürze Versuchsbeschreibungen für den Unterricht –
inklusive Gefährdungsbeurteilungen.

Das Portal ist mit dem DGUV-Angebot „Sichere Schule“ verknüpft. Dort sind Checklisten und richtlinien hinterlegt – für den Chemie-Unterricht ist dort beispielsweise die risu online verfügbar: www.sichere-schule.de.