Kompakt und aktuell: Neuerungen aus dem Umweltrecht

VCI - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

(Dass der Erfahrungsaustausch unter den Umweltschutzbeauftragten wichtig ist, zeigte die intensive Diskussion, die sich nicht auf die Pausen beschränkte, sondern auch Platz in den Vorträgen fand.; Foto: Marcel Hasübert)

Volle Sitzreihen und volle Konzentration für ein eng getaktetes Programm – beides war der Fall auf der Fortbildung für Umweltschutzbeauftragte. Seit vielen Jahren bietet der VCI Rheinland-Pfalz diese vom Ministerium zertifizierte Fortbildung an. Und lädt dazu jedes Mal ausgewiesene Experten aus Industrie, Behörden und Verbänden ein, die von den Neuerungen und Tendenzen im Umweltrecht berichten und Erfahrungen aus der Praxis weitergeben. Das führt zu einem langen, aber sehr abwechslungsreichen Programm. In Frankenthal ging es dieses Mal unter anderem um Entwicklungen und Herausforderungen im Genehmigungsmanagement; Grundlagen, Neuerungen und Tendenzen aus mehreren Rechtsbereichen wie dem Wasserrecht, der TA-Lärm und TA-Luft; sowie Updates aus dem Emissionshandelssystem und dem Recht der Kreislaufwirtschaft.

Eine Plattform für die Umweltschutzbeauftragten

Herr Bäumer, als erstes fällt auf, dass hier streng auf die Zeit geachtet wird.

„Bei neun Fachvorträgen inklusive Diskussionsrunden müssen wir die Zeit im Blick behalten. Die Beiträge auf unserer Fortbildung sind immer hochaktuell – da muss jeder seine Zeit erhalten, auch die Referenten, die später am Tag ihre Vorträge halten.“

Stichwort Aktualität – der VCI bietet diese Fortbildung regelmäßig an.

„Richtig, einmal im Jahr können sich die Umweltbeauftragten über den VCI schulen lassen. Vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist eine Schulung alle zwei Jahre. Insofern können wir das Angebot für alle Umweltschutzbeauftragten in der Mitgliedschaft machen. Die Rolle des Weiterbildungsträgers hat der Verband übrigens schon Anfang der 90er Jahre übernommen.“

Und immer ist die Schulung gut besucht. Sie bietet einen echten Mehrwert für die Mitglieder?

„Diese Fortbildung ist sicher eine der Nützlichsten des VCI. Für die chemische Industrie gelten zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Regularien; sowohl auf europäischer, als auch auf deutscher Ebene. Das Umweltrecht ändert sich ständig. Die Umweltschutzbeauftragten in den Betrieben müssen genauso oft ihren Kenntnisstand aktualisieren. Daher berichten Fachleute aus vier Bereichen des Umweltrechts über Neuerungen des vergangenen Jahres und geben Ausblicke auf das, was zu erwarten ist. Diese konzentrierte Fortbildung ist für die Mitgliedsunternehmen wesentlich günstiger, als die Seminare einzeln am Markt einkaufen zu müssen. Für Verbandsmitglieder ist die Fortbildung kostenfrei. Gleichzeitig garantieren wir die Zertifizierung durch das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF).“

Warum werden alle Bereiche mit einer Fortbildung abgedeckt?

„Wir haben mit der Zusammenlegung gute Erfahrungen gemacht. Zum einen, weil hier alle Beauftragten an einem Ort sind und sich hier austauschen können. Zum anderen wachsen die verschiedenen Bereiche des Umweltrechts immer enger zusammen. Daher ist es sinnvoll, die Neuerungen im Immissionsschutz, im Wasserrecht und in der Abfallwirtschaft zusammenzufassen.“

Der Austausch mit anderen Umweltbeauftragten spielt also auch eine Rolle?

„Die Umweltschutzbeauftragten haben hier eine Plattform, auf der sie sich austauschen und ihr Netzwerk ausbauen können. Es ist also mehr als eine theoretische Fortbildung. Wir haben eine gute Mischung aus Theorie und Praxis. Ich bin überzeugt, dass die Umweltschutzbeauftragten viele praktische Impulse in ihre Betriebe tragen. Gleichzeitig haben die Teilnehmer hier die Chance, persönlich mit Experten aus dem Rechtswesen und den Behörden zu sprechen. Und nicht zuletzt haben sie hier einen direkten Kontakt zum Verband, an den sie ihre Anliegen aus der Praxis richten können.“

Dr. Dominique Baeumer

Dr. Dominique Bäumer

Geschäftsführer des VCI Landesverbandes Rheinland-Pfalz, leitete zum ersten Mal die Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten. Wir haben ihn zu Sinn und Zweck der Schulung befragt.

VCI Fortbildung in Rheinland-Pfalz

Informative Links

VCI: Die Einstufung in Wassergefährdungsklassen
cvrp.de/vci-wgk-info

VCI: Umsetzungshilfen, Auslegungshinweise und mehr zum Thema Umwelt & Sicherheit
cvrp.de/vci-umwelt-sicherheit

EEG-Reform: Diskutieren Sie mit auf
www.vci.de/eeg-reform

MUEFF: Vollzugshinweis zur Auslegung und Anwendung des wasserrechtlichen Verschlechterungsverbots
cvrp.de/mueef-wasserrecht

Der Bundesanzeiger
www.bundesanzeiger.de/

Informationen zum neuen Verpackungsgesetz
https://verpackungsgesetz-info.de/

Neue Entwicklungen im Genehmigungsmanagement

Bevor eine Anlage in Betrieb geht, muss ein umfangreicher Katalog anspruchsvoller Vorschriften beachtet werden. Die Ziele der Umweltpolitik sind hoch: zero emission, zero risk & no footprints. Daher steigen die Anforderungen an die Betriebe, wie Verena A. Wolf vom VCI-Landesverband Nord berichtete.

Herausforderung für Betrieb und Genehmigung:

VCI - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

Zu ihren Empfehlungen für die Praxis gehörte eine frühzeitige Vorbereitung der Genehmigungsverfahren und Inspektionen. Auch die rechtzeitige Abstimmung mit dem Vollzugsbeamten sollte Teil der Planung sein. „Nehmen Sie die Komplexität ernst“, appellierte Wolf an die Teilnehmer. Denn diese nimmt aufseiten der Betriebe und der Behörde zu.

Tendenzen: Mehr Gutachten, mehr Dokumentation, mehr Öffentlichkeit

Ein Grund ist die Komplexität der Regelungen sowie die Verunsicherung auf Behördenseite; auch durch die Zunahme der Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Dies führt zu einem vermehrten Einsatz von Gutachten - eine Tendenz, die alle Referenten auf der Fortbildung bestätigten. Umso wichtiger ist die frühzeitige Kommunikation mit Behördenvertretern und der Kommune, um deutlich zu machen, welche Bedeutung die Genehmigung und das Unternehmen für den Standort hat.

Die Beobachtung zeige auch, so Wolf, dass die Dokumentationspflichten zunehmen. Als Beispiel nannte sie die Gewerbeabfallverordnung. Auch wird die Anwendung des Verhältnismäßigkeitsprinzips als nicht befriedigend bewertet. Stattdessen liege der Fokus der Vollzugsbeamten auf dem Vorsorgegebot („auf Nummer sicher gehen“) und der Herstellerverantwortung. Damit einher gehen erhöhte Transparenzanforderungen, womit sich Fragen zur Know-How- und Datenschutz, Urheberrechten und öffentlicher Sicherheit stellen.

Aktuelle Themen: FuE und TRAS 320

Aktuelles Thema im VCI ist die Frage der Genehmigungsbedürftigkeit von FuE-Anlagen. Hierzu hat der VCI ein Positionspapier erstellt, das auf der Privilegierung der Anlagen besteht („Forschungsförderung und Innovationskraft“). Ein weiteres Thema des Verbands ist der Vollzug sicherheitstechnischer Regeln, wie der TRAS 320 (Wind- und Schneelasten). Diese steht 2019 zur Überprüfung an. Der VCI AK PSS begleitet dieses Thema intensiv; es geht um die Erarbeitung einer Stellungnahme und eines Leitfadens auf Basis des VCI Nord Rechtsgutachtens vom Oktober 2018. Auch wies Wolf darauf hin, dass der Stand der Sicherheitstechnik auch durch ein alternatives Schutzkonzept hergestellt werden kann; die Betriebe also nicht an das strikte Vorgehen der TRAS 320 gebunden sind.

Verena A. Wolf

 

„Die Beauftragten und die Beamten haben das gleiche Ziel: schnelle, effiziente und sichere Genehmigungsverfahren, die unter höchsten Auflagen laufen.“

Verena A. Wolf, Verband der chemischen Industrie (VCI), Hannover

Wasserrecht

WHG, AwSV und das Verschlechterungsverbot

Die neue AwSV-Verordnung – was kommt auf Sie zu? Das erklärte Martin Kröll vom MUEEF im Detail. Seit dem 01. August 2017 ersetzt die AwSV die vormals 16 Länderverordnungen (VAwS), die Übergangsverordnungen des Bundes, die Verwaltungsvorschrift VwVws und die JGSF-VO. Für alle neuen Anlagen gelten nun die bundesweit einheitlichen und abweichungsfesten Anforderungen des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG). Die aktualisierte Verordnung, so Martin Kröll, ist nun wesentlich umfangreicher, schließt aber Lücken und sorgt für mehr Rechtssicherheit bei Betreiber und Behörde.

Das WHG legt also bundesweit den Maßstab fest, dem Industrieanlagen genügen müssen

Paragraph 62 der WHG definiert die wesentlichen Begriffe und enthält die Ermächtigungsgrundlage für die AwSV. Zentral ist der Besorgnisgrundsatz (§62 Abs. 1), nach dem eine nachteilige Veränderung der Gewässereigenschaften nicht eintreten darf. Die konkreten Vorgaben zur technischen Ausgestaltung sind der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) festgelegt; ebenso wie die Betreiberpflichten.

Bestandschutz und Pflichten bei bestehenden Anlagen

Bestehende Anlagen müssen zwar die neuen Prüfpflichten einhalten; eine Umrüstung ist jedoch nur auf Anordnung der Behörde erforderlich. Der Bestandsschutz wird allerdings eingeschränkt: zum Beispiel gelten die organisatorischen Anforderungen wie Dokumentationen oder Pflichten bei Betriebsstörungen sofort. Bei einer wesentlichen Änderung der bestehenden Anlagen gilt die neue AwSV. Eine neue Entwicklung, die auch für bestehende Anlagen gilt, ist eine vermehrte Prüfung durch einen externen Sachverständigen, der mehr Anlageteile als bisher vor Inbetriebnahme und danach in regelmäßigen Abständen einer Prüfung unterziehen muss.

Umfangreicher, aber ohne grundsätzliche Neuerungen – doch neue Systematik bei Stoff-Kennzeichnungen

Unter anderem gibt es neue Bagatellgrenzen, geänderte Begriffsbestimmungen und eine aktualisierte Einstufung von Stoffen. Die Betreiber stufen die Stoffe selbst in die Wassergefährdungsklasse (WGK) ein; es gilt die neue GHS(EU)-Kennzeichnung in H-Sätzen. Die Kontrolle der Dokumentation übernimmt das Umweltbundesamt (UBA) und veröffentlicht das Ergebnis im Bundesanzeiger.

Hinzu kommen Neuerungen bei der Eignungsfeststellung (EF). Zum Beispiel ist keine EF notwendig, wenn die CE-Kennzeichnung und die erklärten Leistungen die wasserrechtlichen Anforderungen erfüllen. Unter bestimmten Umständen erfolgt auch eine Befreiung von der EF in den Gefährdungsstufen B, C und D. Eine  Anlagendokumentation ist nun aber Vorschrift. Generell, so Kröll, gewinnt die Dokumentation an Bedeutung.

Das Verschlechterungsverbot: Das EuGH-Urteil und seine Folgen für die wasserrechtliche Praxis

Ebenfalls vom MUEEF kam Hans-Hartmann Munk. Er diskutierte die Folgen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 01. Juli 2015 zum Verschlechterungsverbot, das Teil der EG-Wasserrahmenrichtlinie ist. In Kürze: Ein Vorhaben, das geeignet ist, den Zustand eines Wasserkörpers zu verschlechtern, wird nicht zugelassen. Das rückt das Verschlechterungsverbot ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Verwaltung und Vorhabenträgern. Ein verschlechterter ökologischer Zustand eines Gewässers wird an biologischen Qualitätskomponenten festgemacht. Sinkt einer dieser Komponenten - beispielsweise das Vorkommen einer Pflanzenart - in eine niedrigere Zustandsklasse, bedeutet das eine niedrigere Zustandsklasse des Gewässers. Wie beurteilt wird, ob ein Vorhaben zu einer Verschlechterung
des Gewässers führt, ist zurzeit in Diskussion. Denn noch gibt es keine Standardmethoden und Bewertungsverfahren.

Klar ist: wird eine nicht nur unwesentliche und vorübergehende Verschlechterung erwartet, muss der Antragsteller einen Fachgutachter für eine Einzelfallbewertung beauftragen. Dieser gibt in einem wasserwirtschaftlichen Fachbeitrag eine transparente, schlüssige und funktionsgerechte Prognose über die Auswirkungen des Vorhabens auf die Qualität des betroffenen Gewässers ab. Dies bedeutet Mehraufwand für Behörde und Betreiber. Dennoch: „Um das Gutachten kommen wir nicht herum“, so Munk.

Hilfestellungen durch das MUEEF

Das MUEEF hat einen Vollzugshinweis entwickelt, der Orientierung bietet und auf dem aktuellen Stand der Rechtsprechung gehalten wird. Außerdem kündigte Munk einen Leitfaden an, der zurzeit im Ministerium erarbeitet wird.

Hans-Hartmann Munk - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

„Wir versuchen immer, Hilfestellung zu leisten und die Publikationen auf dem aktuellen Stand zu halten.“
Hans-Hartmann Munk, MUEEF, Mainz

Der angemessene Abstand

Die Seveso III-Richtlinie gewinnt an Bedeutung: Wohnraum und Gewerbegebiete rücken näher

Dr. Helmut Spangenberger von der Gesellschaft für Anlagen- und Betriebssicherheit in Bad Dürkheim ist Experte auf dem Gebiet der Berechnung des angemessenen Abstands. Die Einhaltung des angemessenen
Abstands wird in vielen Städten akut: immer öfter rücken Wohngebiete an Industriegebiete heran. Wohngebiete gehören gemäß der Richtlinie zu den schutzbedürftigen Gebieten. Nun entsteht ein Zielkonflikt zwischen Stadt und Industrie: auf der einen Seite kommt es zu einer Einschränkung der Gemeindeentwicklung, auf der anderen zu einer Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten der Betriebe.

Nun stellt die Wahrung des angemessenen Sicherheitsabstands keine Betreiberpflicht war. Doch kommen immer öfter Betriebe in eine Situation, in der sie die zuständigen Behörden auf die Einhaltung des Abstands hinweisen oder gar eine Klage erwägen müssen, um den Abstand zwischen Industrie- und Schutzobjekten zu wahren. Mit dem Heranrücken steigt die Wahrscheinlichkeit auf höhere Auflagen und ergänzende Sicherungsmaßnahmen und damit Mehraufwand, Mehrkosten und betriebliche Einschränkungen.

In der Regel ist das ein Fall für die Einzelfallbetrachtung nach KAS-18 und KAS-32. Welche Methoden und Kriterien in die Berechnung einfließen, erläuterte Spangenberger anhand von Beispielen. Eine besondere Herausforderung bildet dabei die große Menge an Stoffdaten, die eine systematische Herangehensweise erforderlich macht. Darüber hinaus verändern sich Beurteilungswerte und Ausbreitungsmodelle; beispielsweise löst AUSTAL Hazard das bisherige Ausbreitungsmodell (VDI 3783) ab. Beide Veränderungen wirken hin zu größeren Abständen.

Dr. Helmut Spangenberger - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

„Ein Abstandskonflikt auf Basis des Achtungsabstands führt in der Regel immer zu einer Einzelfallbetrachtung nach KAS-18 und KAS-32.“
Dr. Helmut Spangenberger

Schallschutz und TA-Lärm in der industriellen Praxis

Es wurde laut während des Vortrags von Dr. Markus Hammermann, BASF. Live demonstrierte er, welchen dämpfenden Effekt Schallschutzmaßnahmen haben können. Damit zeigte er, welche Maßnahmen Betriebe einsetzen können, um eine Genehmigung nach der TA-Lärm für eine neue oder umgebaute Anlage zu erhalten. Wie eine Immissionsprognose erstellt werden kann, erklärte Hammermann ebenfalls. Darüber hinaus beschrieb er, wie die BASF messtechnisch ihren Immissionsanteil aus dem Umgebungslärm zuverlässig ermittelt. Zuletzt informierte er über die neue TA-Lärm-Gebietskategorie „Urbane Gebiete“ und die Implikationen für die Industrie. Durch die strengen Regelungen der TA-Lärm spielt Industrielärm in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Dennoch sind Betriebe angehalten, eine Lärmkarte des Betriebsgeländes an die Behörde zu geben. Grund ist die Umgebungslärmrichtlinie, deren Ziel es ist, den Lärm in urbanen Gebieten zu verringern. Wie die BASF aussagekräftige Lärmkarten trotz Verkehrsgeräuschen erstellt, erklärte Hammermann ebenfalls.

Markus Hammermann - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten
Dr. Markus Wintterle - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

Dr. Markus Wintterle, KLEINER Rechtsanwälte, Mannheim

Bejamnin Wiechmann - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

Benjamin Wiechmann, VCI, Frankfurt Main

VCI - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

Die Teilnehmer kamen aus den Mitgliedsunternehmen des VCI in Rheinland-Pfalz.

Weitere Themen der Fortbildung

Umwelthaftung – was ist relevant für den Umweltschutzbeauftragten?

Rechtsanwalt Dr. Markus Wintterle führte gewohnt anschaulich durch die drei Rechtsgebiete, die zur Anwendung kommen, wenn eine umweltrechtliche Norm verletzt wird: Öffentliches Recht, Strafrecht und Zivilrecht. Anhand der Frage nach Verantwortung und Haftung erläuterte er Logik, Denkweisen und Konsequenzen in der verschiedenen Rechtsgebieten. Für Umweltschutzbeauftragte ist wichtig zu wissen, dass aus ihrer Funktion nicht automatisch eine besondere Strafbarkeit entsteht, sie jedoch durch ihre Verantwortung im Umweltbereich die Pflicht haben, umweltrechtliches Fehlverhalten stets und regelmäßig im Unternehmen zu melden.

„Bei der Verletzung einer umweltrechtlichen Norm stellt sich immer die Frage nach der Verantwortung und Haftung.“

Plastikstrategie, Verpackungsgesetz und die Kreislaufwirtschaft

Dr. Gottfried Jung erläuterte rechtliche Neuerungen aus verschiedensten Bereichen der Kreislaufwirtschaft. Am 01.01.2019 treten das neue Verpackungsgesetz und einzelne Bestimmungen der Gewerbeabfallordnung sowie des Elektrogerätegesetzes in Kraft. Für eine Reihe von Materialien gibt es höhere Recycling- und Erfassungsquoten (Elektro: 65 % ab 2019); außerdem gewinnt das Ökodesign an Bedeutung. Auf europäischer Ebene hat das EU-Kreislaufwirtschaftspaket für erhebliche Neuerungen gesorgt. Bis 2020 müssen diese Regelungen in nationales Recht übersetzt werden. Unter anderem wird es Anpassungen im Kreislaufwirtschaftsgesetz, Verpackungsgesetz und Umweltstatistikgesetz geben. Bleiben wir auf EUEbene: im Oktober 2018 hat das Parlament den Richtlinienentwurf der
Plastikstrategie gebilligt, den die Kommission im Januar vorgelegt hatte. Das Gesetzgebungsverfahren soll vor Ende Mai 2019 abgeschlossen sein. Darin enthalten sind Verbote von bestimmten Einweg-Kunststoff-Artikeln, erweiterte Herstellerverantwortung und Zielquoten für die Sammlung.

Emissionen: Novelle des Emissionshandelssystems

2018 wurde die Emissionshandels-Richtlinie für die 4. Handelsperiode (2021-2030) fit gemacht. Mit den Neuerungen soll das gesamteuropäische Minderungsziel (-40% gegenüber 1990) erreicht werden, erklärte VCI-Expertin Dr. Tina Buchholz. Dieses umfasst auch Sektoren, die nicht über den Emissionshandel reguliert sind; wie den Verkehr. Diese Sektoren tragen über nationale Maßnahmen zum Gesamtziel bei. In der 4. Handelsperiode werden nun erstmals nationale Treibhausgas-Minderungsmaßnahmen mit dem europäischen Emissionshandel verknüpft. Die Revision der ETS-Richtlinie ändert die Regeln der Marktstabilitätsreserve ab 2021 dahingehend, dass nun Zertifikate gelöscht werden können. Damit wird der „Wasserbetteffekt“ vermieden, nach dem sich die Emissionen schlicht räumlich in andere
Mitgliedsstaaten verschieben. In die gleiche Richtung zielt eine zweite Anpassung, die ab 2023 greifen soll: die Menge an Zertifikaten in der Markstabilitätsreserve wird gelöscht, die über das Vorjahresauktionsvolumen (als Vergleichsgröße) hinausgeht.

Immissionen: TA-Luft und die 42. BImSchV

Um Immissionen ging es im Fachvortrag von VCI-Experte Benjamin Wiechmann. Im Juli 2018 legte das Bundesumweltministerium einen Entwurf zur Novelle der TA-Luft vor. Das umfassende Regelwerk ist für Genehmigungen und Betrieb von Anlagen zentral. Hohe Umweltstandards einzuhalten und größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, ist ein wichtiges Anliegen für die Chemie. Vor diesem Hintergrund setzt sich der VCI für eine Prüfung der Novelle ein; vor allem im Hinblick auf das ohnehin schon komplexe Genehmigungsverfahren sowie auf die Verhältnismäßigkeit von Anforderungen, Kosten und Nutzen. Zweiter Teil des Vortrags war die 42. BImSchV, in deren Fokus luftgekühlte nasse Verfahren stehen, bei denen Wasser in direkten Kontakt mit einem Luftstrom kommt. Aus der neuen Verordnung ergeben sich zahlreiche Fragen. Daher wird der VCI einen Leitfaden erstellen, in den die Fragen und Diskussionen auf der Fortbildung aufgenommen werden. Inhalte sollten u.a. Gefährdungsbeurteilungen und Maßnahmen bei Überschreitung sein.

Von der Schulbank ins Berufsleben

Von der Schulbank ins Berufsleben

Editorial

Und dann ist es soweit: Die Werkstore öffnen sich und die Ausbildung beginnt. Für viele junge Menschen beginnt eine Zeit voller Erwartungen und auch Un sicherheiten. Denn der Wechsel von der Schule in das Berufsleben ist auch ein Wechsel in eine andere Welt, mit anderen Gepflogenheiten und Regeln. Speziell für junge Azubis bot der Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz das Seminar von der „Schule in die Berufswelt“ an. Aufgrund der großen Anmeldezahlen wurden daraus zwei parallele Veranstaltungen - eine bei Thor in Speyer und eine beim Frosch in Mainz. Es ging um Erwartungen, Rollen und Orientierung im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten. Lesen Sie die Essenz daraus im vorliegenden festgehalten.

Was macht das Berufsleben aus?

Stille herrscht zunächst im Raum und es bilden sich kleine Gruppen. Wer sich bereits kennt, steht zusammen. Alle anderen nutzen nochmal Gelegenheit, um die Handys auf neue Nachrichten zu prüfen. Die völlig normale Gruppenbildung sanft aufzulösen, ist für die Trainerinnen nach der Begrüßung die erste Maßnahme.

„Ich möchte die jungen Menschen ins Gespräch miteinander bringen, denn Kommunikation ist eine der wichtigen Grundlagen für den Lernerfolg“, erklärt Karolina Lüft.

 

Die Trainerin betreut die Gruppe in Mainz. Hier stellen sich die Azubis gegenseitig vor. In Speyer funktioniert das Kennenlernen sehr gut über erste Interaktionen. In nur 90 Sekunden setzen die Azubis intuitiv um, worauf es auch im Berufsleben ankommt: Zusammenkommen, freundlich grüßen sowie eine Aufgabe gemeinsam unter Beachtung von Regeln lösen.

Danach geht es in den Austausch über Erwartungen, Ziele und Ängste: Welches Ziel verfolge ich in der Ausbildung? Was mache ich, wenn ich einen Fehler gemacht habe? Hinzu kommen Fragen nach dem richtigen Umgang mit den Vorgesetzten und Kollegen: Wer gibt wem die Hand? Was mache ich, wenn ich erkältet bin? Was bedeutet „angemessenes Verhalten“? In den Seminaren gab es keine Checklisten für ein optimales Verhalten. Vielmehr wurden die Azubis angeregt, sich selber zu reflektieren. Anschließend wurden die Antworten und Hilfestellungen zur Orientierung gemeinsam erarbeitet. Und das markiert bereits den wesentlichen Unterschied zur Schule. „Berufsleben bedeutet mehr eigene Verantwortung für den Lernertrag“, so Karin Döring. Sie leitete das Seminar in Speyer.

 

Ausbildung prägt die Persönlichkeit

Die Sinus-Studie von 2016 zeigt auf, dass die Lebenswelten der Jugendlichen weiterhin vielfältig sind. Doch egal aus welcher Lebenswelt die Jugendlichen kommen - Wertschätzung und der respektvolle Umgang ist allen wichtig. Azubis möchten nicht das Gefühl haben, für ungeliebte Tätigkeiten im Betrieb herhalten zu müssen. Sie wollen bereits früh mehr Verantwortung übernehmen und mehr Freiheiten genießen. Die positive Nachricht ist, dass dies die Chemie-Betriebe bieten. Dazu gehört auch, dass dies ein Zusammenspiel auf Gegenseitigkeit ist. Konnte man sich in der Schule noch in seine Komfortzone zurückziehen, gehört es zum Berufsleben dazu, mit jedem reden zu können. Damit dies auch respektvoll geschieht, ist es wichtig, ein Verständnis für die Rolle der Ausbilder und der Azubis zu haben. Das lernten die Teilnehmer zum Beispiel durch Tangram. Dazu später mehr. Im Seminar lernen die jungen Menschen, dass Verantwortung zu übernehmen auch bedeutet, souverän zu sein. „Es geht darum, sich selbst nicht „klein zu machen“, sondern Fragen zu stellen und auch nach der Berufsschule nochmal das Buch aufzuschlagen und zu lernen“, betont Karolina Lüft. Und es geht um den richtigen Umgang miteinander. Zum Beispiel die Anrede: „Ich bin der Karl, Dein Ausbilder. Und wenn Du was brauchst, sprich mich an.“ – Während in der Produktion das Duzen üblich ist, gilt in der Verwaltung häufiger das Sie. Grundsätzlich kein Problem. „Wenn der Vorgesetzte duzt, dann gilt dies für beide Seiten. Ein Du/Sie-Verhältnis passt nicht“, sagt Karolina Lüft. Die Psychologin warnt die Azubis gleichzeitig: „Ein Vorgesetzter der geduzt wird, ist nicht gleich der beste Freund. Er ist immer noch Vorgesetzter.“

Umgangsformen

Wer mehr Informationen zu Umgangsformen sucht, kann sich an den deutschen Knigge-Rat wenden. Die Mitglieder arbeiten unabhängig und ehrenamtlich. Der Expertenkreis setzt sich mit neuen Trends, Ideen und Fragestellungen zu zeitgemäßen Umgangsformen auseinander. Auf der Webseite gibt es auch einen Blog: www.knigge-rat.de

 

Was passiert mit dem Olivenkern?

Während man sich auf der Klassenfahrt noch rausreden kann, wenn man gegen die Regeln der Lehrer verstößt, geht dies bei Veranstaltungen im Betrieb nicht mehr so einfach. So beim gemeinsamen Essen. Beispielsweise gilt beim Büfett die reguläre Speisefolge (Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise). Wer keinen Appetit auf die Vorspeise hat, macht einfach eine kleine Pause und wartet auf die anderen Tischgäste. Hinzu kommen Regeln zur Besteckreihenfolge, korrektes Ausleeren der Suppentasse und wo der Olivenkern oder das zähe Stück Knorpelfleisch „entsorgt“ wird. Nicht nur beim Essen, auch bei einem Treffen mit der Geschäftsführung oder der Betreuung eines Gastes ergibt sich die Gelegenheit des SmallTalks. Zwanghaft geführte Gespräche können dabei ebenso peinlich werden, wie lange Stille. Da der gut geführte Small-Talk ein wichtiger Beitrag für den gemeinsamen höflichen und wertschätzenden Umgang ist, wurde auch dieser im Seminar angesprochen und erlernt. Wer nach Faustformeln sucht, ist mit dem Einstiegsthema „Wetter“ hervorragend bedient. Zugegeben klingt es nicht spannend, aber es kann Ausgangspunkt für viele andere Themen sein, wie Wandern, Sport und Theater. Wichtig ist jedoch nicht nur der gelungene Einstieg – es ist auch eine Kunst, das Gespräch im Fluss zu halten und professionell zu beenden. Den richtigen Abgang zu finden kann auch helfen, um sich zum Beispiel von gesprächsfreudigen Kollegen abzusetzen.

Begrüßung

Vor dem Small-Talk kommt die Begrüßung. Und der richtige Handschlag will auch gelernt sein. Im Seminar ging es von „Knochenbrechern“ und „toten Fischen“ hin zum richtigen Händedruck und vernünftigen Stand. Grundsätzlich gilt: Souverän tritt auf, wer mit beiden Füßen einen festen Stand hat und einen kräftigen Händedruck aufweist. Der Blickkontakt rundet das Bild ab.

Trainings-Hilfe aus China

Manchmal ist es hilfreich, die Rollen zu tauschen, um ein besseres Verständnis für den Gegenüber zu bekommen. Wenn dies spielerisch erfolgt, vereinfacht dies den Lernprozess. Zum Beispiel mit Tangram. Tangram ist ein altes chinesisches Legespiel und besteht aus sieben geometrischen Formen. Aus diesen Formen können zahlreiche verschiedene Figuren gelegt werden, die mit ein wenig Phantasie Menschen, Häuser oder Enten ergeben. In diesem Rollenspiel saßen zwei Personen mit dem Rücken zueinander: Eine hatte die geometrischen Figuren vor sich auf einem Tisch liegen. Die andere Person hatte das Bild der zu legenden Figur in der Hand. Durch passende Anweisungen und Rückfragen galt es, die Figur auf dem Blatt mit den geometrischen Formen auf dem Tisch nachzubauen. Daraus ergaben sich nicht nur unterhaltsame Minuten und spannende Ergebnisse auf dem Tisch. Die Teilnehmer lernten zudem, dass richtige Kommunikation hilft, Inhalte verständlicher zu machen. Ausbilder brauchen die Fragen als wichtige Rückkoppelung von den Azubis. Die Fragen geben den Ausbildern eine Orientierung, wo die Azubis stehen und was getan werden muss, um die gesteckten Ziele zu erreichen. In Speyer erfolgte das Erarbeiten von Teamfähigkeit und Kooperationsfaktoren über eine Interaktion, bei dem die Hälfte der Azubis mit verbundenen Augen eine Aufgabe erfüllen musste und dabei von den „Sehenden“ angeleitet wurde. Durch dieses emotionale Lernen erfuhren die Azubis, was es bedeutet zu führen, Vertrauen zu entwickeln und sich durchzusetzen – auch ohne laute Stimme. Der Erfolg dieser Übung zeigte sich durch eine intensiv geführte Auswertung und spürbaren Verbesserungen bei den anschließenden Wiederholungen.

Welche Erwartungen haben Azubis an die Unternehmen?
Der richtige Umgang im Betrieb als Azubi
Tangram ist eine gute Kommunikationsübung
Trainierin Karin Döring

Lernen lernen

Eine Konstante beim Wechsel von der Schulbank in den Beruf ist die Notwendigkeit des Lernens. Und hier gibt es bekannte Herausforderungen: Das neue Wissen will manchmal einfach nicht in den Kopf hinein. Das kann mit der Art des Lernens zusammenhängen. „Wer sein Lernverhalten und seine Lernhemmnisse analysiert, findet sehr schnell heraus, wie er es optimieren kann“, unterstreicht Karin Döring. Im Seminar wurde den Azubis erklärt, wie sich durch „Tricks“ mehr Informationen im Gehirn speichern lassen. Bekannte Gedächtniskünstler arbeiten erfolgreich mit Techniken, um Informationen zu bündeln oder geschickt zu verknüpfen. „Je mehr Kanäle wir nutzen, desto höher ist der Lernertrag“, fasst Karolina Lüft zusammen. Kanäle können zum Beispiel Orte oder auch Farben sein. Was am besten hilft, hängt auch vom Lerntyp ab. Neben den „Tricks“ helfen auch Klassiker, wie die Wiederholung. Hier sollte man auf die richtige Dosis achten. Denn wer zu viel in zu kurzer Zeit will, provoziert den bekannten „Blackout“: Der betroffene Mensch kann sich plötzlich an nichts mehr erinnern. Der Grund ist, dass unser Gehirn eine Art „Überhitzungsschutz“ hat. Hilfreich ist es, kleine Lerneinheiten zu bilden und diese zu wiederholen. Zum Ende des Seminars in Speyer hieß es dann, Ziele zu formulieren. „Nur wer weiß, wohin er will und sich mit seinen Chancen und Risiken vertraut macht, kommt erfolgreich an sein Ziel – auch wenn es zwischendurch mal eng wird oder Unvorhergesehenes passiert“, schließt Karin Döring.

Vielschichtig

Nicht alle Inhalte des Seminars kann das vorliegende festgehalten wiedergeben. Weitere Themen waren unter anderem auch Feedback-Regeln und Kritik üben sowie gute Kommunikation im Berufsalltag.

Karin Döring

„Gerade Berufsanfänger bringen viel Schwung an Motivation, Leidenschaft und Begeisterung für Neues mit. Der Übergang und der Start ins Berufsleben sind prägend: Was sie hier erleben und wie hier mit ihnen umgegangen wird, hat Einfluss auf ihr späteres Verhalten.“

Abfallrecht und Titandioxid – UPTA Frühjahr 2018

Chemie Umwelt Produkte Technik 2018

Die chemische Industrie unterliegt vielen Regularien, wie Gesetzen und Verordnungen auf deutscher und europäischer Ebene. Dieser werden neu erstellt, aktualisiert und harmonisiert. Für die Mitglieder des „Umwelt Produkte Technik Ausschuss“ des VCI bedeutete dies, sich im Frühjahr einem Update zu unterziehen. Es ging um die Abfallrahmen-, Deponie- und Verpackungsrichtlinie, die Gewerbeabfallverordnung und auch über die Auswirkungen der möglichen Neueinstufung von Titandioxid sowie der großen Herausforderung REACH.

Neues aus dem Abfallrecht

Neues aus der Welt des Abfallrechts

(Prof. Dr. Winfried Golla)

Prof. Golla gab einen Überblick über die Abfallrahmen-, Deponie- und Verpackungsrichtlinie sowie der KOM-Mitteilung zur Schnittstelle von Chemikalien-, Produkt- und Abfallrecht. Die abfallrechtlichen Legislativvorschläge sind auf der Verfahrenslinie bereits so fortgeschritten, dass bis Mitte 2020 die nationalen Gesetzesänderungen erfolgt sein sollten. Veränderungen
gibt es bei den Definitionen für Siedlungs- sowie Bauabfall und dem Backfilling. Zudem wird die bestehende erweiterte Herstellerverantwortung weiter verschärft. Bei Artikel 8a der Abfallrahmenrichtlinie ist noch offen, ob die Hersteller in der Verantwortung stehen oder die Verarbeiter der Kunststoffe. Zudem gibt es noch Fragen zum Umgang mit Stoffen, die
als gefährlich klassifiziert sind (Art. 9 ARRL Abs. 1).

Im Vortrag betonte Golla, dass der Verbraucherschutz und der Recyclinggedanke von der Chemie-Industrie unterstützt wird. Das Recycling sollte jedoch nicht zum Selbstzweck werden und bei den Regelungen zum Abfallrecht sind auch weitere Themen zu beachten, die davon beeinflusst werden, wie die Produkt- und Stoffpolitik. Die vorgegebenen Quoten zu Verpackung und Recycling sind schwerer umsetzbar, da die Berechnungsquote verändert wurde. Zudem werden in den verschiedenen Regularien keine einheitlichen Begriffe verwendet: An der Schnittstelle zwischen Chemikalien-, Produkt- und Abfallrecht sorgen mehrdeutige Bezeichnungen für große Herausforderungen in den Betrieben. Oder es fehlen Definitionen für Kunststoffe, wie diese für Metall-Legierungen existieren. Dies hat großen Einfluss auf die Ableitung von Handlungsoptionen in den Betrieben. Die Stoffrechtler in den Unternehmen sollten sich darauf einstellen, zukünftig mehr in das Abfallrecht eingebunden zu werden.

Hilfreich für Unternehmen ist die „BMUB-Vollzugshilfe gefährliche Abfälle“ speziell zur Heizwertklausel. Ein ersatzloser Wegfall dieser Klausel wäre insbesondere für die Chemie sehr problematisch gewesen. Die Vollzugshilfe bedeutet eine einfache und praktikable Prüfungskaskade statt komplexer Lebenszyklusanalysen. Nachzulesen ist die Vollzugshilfe auf der Webseite
des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit.

http://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Abfallwirtschaft/vollzugshilfe_gefaehrliche_abfaelle_bf.pdf

Auswirkungen der neuen Gewerbeabfallverordnung

Eine neue Gewerbeabfallverordnung ist zum 01. August 2017 in Kraft getreten und die Bundesländer überwachen verstärkt den Vollzug. Maßgeblich wurde die stoffliche Verwertung verschärft. So wird bei Bau- und Abbruchabfällen auf die Trennung der 11 benannten Stoffe geachtet. Abweichungen von der Pflichterfüllung sind möglich, wenn die Trennung technisch nicht möglich oder wirtschaftlich unzumutbar ist. Dies muss dokumentiert und der Behörde auf Verlangen vorgelegt werden. Ab dem 01.01.2019 müssen die Unternehmen sich vom Vorbehandler zeigen lassen,
dass die Anlage rechtlich O.K. ist und dies dokumentieren. Vorbehandler müssen Recyclingquoten von 30 Prozent einhalten (auch nach dem 01.01.2019), nachdem die Zulieferer bereits recycelt und vorsortiert haben. Dies wird nach Aussage von Golla eine Herausforderung werden.

Überwachung der POP

HBCD (Hexabromcyclododecan) ist zwar ein POP, wird in der Abfall-Überwachungsverordnung jedoch nicht explizit genannt. Dennoch gibt es Bemühungen, dies in Deutschland nachträglich zu verschärfen und als zwingend gefährlichen Stoff einzustufen. Zwar könnte eine thermische Verwertung erfolgen, aber nicht alle Verwerter haben die erforderliche Erlaubnis zur Verbrennung von POP-Mitteln. Die Folge des ersten Umsetzungsversuches in Deutschland waren Entsorgungsnotstand bei HBCD-Abfällen, lange Transportwege sowie hohe Entsorgungspreise. Aufgrund dessen wurde eine Karenzzeit eingeführt und Mitte 2017 eine neue POP-Überwachungsverordnung mit Trennungspflichten eingeführt. Bei Bau- und Abbrucharbeiten geht die Verordnung der Gewerbeabfallverordnung vor. Die Nachweispflichten sind in §4 geregelt.

Wenn Titandioxid neu eingestuft wird

Die potentielle Neueinstufung von Titandioxid hat auch abfallrechtliche Konsequenzen, auf die Prof. Golla einging. Aufgrund der Abfallrahmenrichtlinie müssen gefährliche Abfälle auch in Privathaushalten getrennt aufbewahrt werden. Bei einer potentiellen Neueinstufung von Titandioxid als gefährlicher Stoff bedeutet dies zum Beispiel, dass weißes Druckerpapier als Sonderabfall entsorgt werden muss. Insgesamt hätte die drohende Einstufung einen Domino-Effekt für alternative Pigmente und andere staubförmige Stoffe. Mit Blick auf das Abfallrecht sind zusätzliche immissionsschutzrechtliche Anlagengenehmigungen für gefährliche Stoffe erforderlich und die Abfallbürokratie sowie der Arbeitsschutz bei der Abfallentsorgung werden deutlich anspruchsvoller.

TA Luft wird durch BREF bestimmt

Der WGC-BREF – die neue europäische TA Luft?

(Dr. Christoph Moritz, BASF)

Für viele Unternehmen sind die TA Luft und das deutsche Umweltrecht bisher bindend, dies wird sich zukünftig ändern. Der aktuelle WGC-BREF ist der Vorläufer einer kommenden europäischen TA-Luft, die nicht mehr ignoriert werden kann. Zwar wird die notwendige Harmonisierung mit der TA Luft und dem deutschen Umweltrecht herausfordernd werden und die
Unternehmen können auch zukünftig mit der BImSchV und TA Luft arbeiten. Allerdings werden in den deutschen Regularien zukünftig die Zahlen stehen, die durch Brüssel vorgegeben werden. Daher ist es sinnvoll, sich mit den BREFs auseinanderzusetzen. Zudem gehen die BREFs auf Spezialitäten ein, wie zum Beispiel LVOC (Large Volume Organic Chemicals).

Die zukünftigen BREFs für die Chemie sollen bis 2020 abgearbeitet sein. Hierbei gibt es allgemeine und spezielle BREFs, wobei letztere in der Bedeutung vorgehen. Was zunächst einfach klingt, kann in der Praxis zur Herausforderung werden, weil bis zu neun BREFs gelten können. Die Behörden stehen in der Verantwortung dies so kompatibel wie möglich zu machen, dass sich ein Betriebsleiter möglichst nur an der TA Luft orientieren muss. Das Problem für Deutschland ist, dass diffuse Emissionen in die BREF aufgenommen werden. Dr. Moritz ist der Ansicht, dass hierzu keine konkreten Jahreswerte existieren und diese Aufnahme auch nicht zielführend ist. Dennoch muss auch hier ein Weg gefunden werden, diese Werte zu ermitteln. Dabei sind unterschiedliche Denkweisen zu beachten. Im deutschen Sinne tut eine Dichtung das, wofür sie geschaffen wurde – da entweicht nichts. Das ist nicht überall in Europa so.

Das europäische Vorgehen birgt die Gefahr, dass neben dem High-Integrity-Ansatz in Deutschland noch Prüftrupps zusätzlich an den Verbindungen „rütteln müssen“. Für den WGC BREF wurde ein Fragebogen erstellt und Dr. Moritz rief nochmals auf, daran teilzunehmen. Es handelt sich um 20 – 30 Excel-Seiten, die durch die Unternehmen ausgefüllt werden. Die Behörden verifizieren die Angaben und anschließend werden die Daten ans UBA gesendet. Die Ausgabe erfolgt Anfang August 2018 an die Unternehmen. Der Rücklauf an die Behörden soll bis zum Dezember 2018 erfolgt sein. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit.

REACH geht weiter

4.0, REACH und AwSV

4.0 – Herausforderung oder Chance?

(Udo Erdmann, Business Design People)

Die Wirtschaft ist schon längst im Wandel. Große Unternehmen wie namhafte Automobilhersteller beschäftigten zwar tausende Menschen, haben jedoch einen geringen Börsenwert. Die neue Ökonomie, wie sie von Apple, facebook und Co. repräsentiert wird, dreht dieses Verhältnis um. Hinzu kommen Veränderungen in der Technologie, Gesellschaft, Kultur und Umwelt. Das Besondere ist, dass es immer schon Veränderungen gab, meist aber nur in einem oder zwei Feldern. Neu ist die Geschwindigkeit der Veränderungen und deren Verzahnung sowie Überlagerung. Was genau bedeutet 4.0? Es sind die kulturellen Veränderungen, die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Betriebe haben. Die Umsetzung hat nicht nur eine technische sondern auch eine gesellschaftliche Dimension. Es verändern sich Denkweisen. Für viele ist 4.0 eine Glaskugel, da wir uns heute nicht vorstellen können, was morgen möglich ist.

Was sollten Unternehmen tun?

#Wertschöpfung: Mehrwert für den Kunden schaffen – von Leistungen zu Lösungen und dabei die Kunden einbinden (Co-Kreation).

#Organisation: agile Organisationsstrukturen und Prozesse mit hoher Resilienz aufbauen.

#Menschen: Innovative Formen der Kollaboration umsetzen und Digital-Leadership-Strukturen aufbauen.

#Kultur: Aufbau eines offenen und kreativen Mindsets über das gesamte Unternehmen hinweg.

 

REACH vor dem Abschluss?

(Dr. Jürgen Nolde, GRACE)

Am 31. Mai endete die Registrierungsfrist für REACH. Die ECHA verfügt nun über ein umfassendes Bild aller Hersteller und Importeure ab einer Stoffmenge von 1t/a. Damit endet es aber nicht. Denn die eingereichten Dossiers werden nun verwendet, um die Risikoeinstufung für die EU-Kommission abzuarbeiten. Daraus können Verwendungseinschränkungen, Verbote sowie Zulassungspflichten für die Anwendung der Stoffe resultieren.

Diese Evaluierung wird kontinuierlich fortgesetzt, wobei es nur bei mangelhaften Dossiers eine Rückmeldung von der ECHA geben wird. Hinzu kommen regelmäßige Substanzüberprüfungen durch die Mitgliedsstaaten gemäß der CORAP-Liste sowie die Überprüfung des REACH-Gesetzes an sich. Neue Themen, wie zum Beispiel die Nanotechnologie werden über Annex geregelt, da dies einfacher umzusetzen ist. Dies wiederum kann so gravierende Auswirkungen auf die REACH-Umsetzung durch die Unternehmen haben, dass die Behandlung von Polymeren und auch Mikroplastik großer Aufmerksamkeit bedarf.

„REACH wird sich in seiner Intensität, dem Arbeitsaufwand und den Anforderungen dynamisch verändern – aber es endet nicht, es bleibt.“

Die Kommunikation mit der ECHA erfolgt über die bestehende REACH-IT. Dies kann für Unternehmen spannend werden, deren Registrierung über einen Berater lief und nun keinen Zugang zur Plattform haben. Damit haben sie auch kein Wissen über zugewiesene Aufgaben durch die ECHA, was dazu führen kann, dass Dossiers nicht mehr legal sind. Daher sollten die Unternehmen folgende vier Punkte beachten:

  • Die notwendige Organisationsstruktur für REACH sollte weiterhin erhalten bleiben
  • Die Dossiers müssen aktuell gehalten und ggf. an neue Technik und neue Literatur angepasst werden
  • Der Datenschutz für die Summarys erlischt nach 12 Jahren. Erste Summarys sind ab 2020 frei.
  • Änderungen in der Unternehmensstruktur müssen in REACH abgebildet werden, wie zum Beispiel Umfirmierung.

 

Die AwSV und ihre Umsetzung

(Matthias Hugo, GRACE)

Die neue Verordnung (Anlage zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) ist 2017 in Kraft getreten und regelt einheitlich für Deutschland den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen. Das Schutzkonzept sieht eine redundante Sicherheit durch ein Mehrbarrieren-System vor. In den Anwendungsbereich fallen ortsfest genutzte Anlagen, in denen wassergefährdende Stoffe gehandhabt werden. Eingeschränkt wird der Anwendungsbereich durch Bagatellfälle, wie zum Beispiel kleine Labore. Weitere Änderungen zu den vorhergehenden Vorschriften gibt es bei den
technischen und organisatorischen Anforderungen sowie die Aufnahme stofflicher Regelungen, die bislang über die Länderverordnungen geregelt war.

Zudem erfordert die Erweiterung der Anzeige- und Dokumentationspflichten mehr organisatorischen Aufwand. Die Einstufung von Stoffen und Gemischen kann zur Folge haben, dass Sicherheitsdatenblätter neu geschrieben werden müssen. Fazit: die AwSV enthält im Wesentlichen Vorgaben, die bereits bekannt sind und bringt besonders bei Kleinmengen Erleichterungen für die Betriebe. Handlungsbedarf besteht vorerst bei organisatorischen Maßnahmen. Zudem sollten die Fachbetriebszulassungen geprüft werden.

Resilienz – Widerstandsfähigkeit stärken

Resilienztraining Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz

Die zunehmende Verdichtung der Aufgaben in Beruf und Familie sorgt für einen hohen Druck – die Menschen stehen unter Stress. Unangekündigte Veränderungen, Rückschläge oder gar Krisen können in diesen Situationen die Betroffenen schnell aus der Bahn werfen. Auffällig ist, dass Menschen unterschiedlich darauf reagieren und mit den Herausforderungen im Leben umgehen. Was sich hinter dem Geheimnis Resilienz verbirgt und was man konkret tun kann, um Belastungen besser zu bewältigen, stand im Fokus des Seminares von Ingrid Erkel, welches vom Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz angeboten wurde.

Die Inhalte des festgehalten sind:

  • Die sieben Säulen
  • Klare Ziele
  • Innere Haltung
  • Ruhe und Konzentration
  • Rollenverhalten
  • Gedanken­-Stopp­-Technik
  • Lösungsorientiertes Denken und Handeln
  • Ernährung und Schlaf
  • Selbstorganisation und Zeitmanagement

 

Download ePaper:

Die Widrigkeiten besser meistern – das ist oft das Ziel derer, die sich für ein Resilienztraining interessieren. Und grundsätzlich sind sie hier auch richtig. Der Begriff „Resilienz“ kommt aus dem englischen und bedeutet „Spannkraft“ und „Strapazierfähigkeit“. Übersetzen lässt sich der Begriff mit mentaler Widerstandsfähigkeit und bezieht sich auf den Umstand, dass Menschen trotz hoher Belastung gesund bleiben und vergleichsweise ausgeglichener sind.

 

Die sieben Säulen des Resilienzkonzeptes

Resilienz ist erlernbar. Dafür ist es wichtig, eigene Denkmuster und organisatorische Abläufe zu hinterfragen und auf seine Gesundheit zu achten. Das Konzept für mehr Resilienz ruht auf sieben Säulen. In dieser Dokumentation werden einige näher erläutert.

Sieben Säulen der Resilienz

Klare Ziele

In Studien wurde festgestellt, dass Personen mit einer klaren Zukunftsplanung weniger an mentalen Krankheiten leiden und ein höheres Wohlbefinden haben. In einem Selbsttest können Sie sich selber hinterfragen, wie Ihre Zukunft in zwei, fünf und zehn Jahren aussehen soll. Oftmals reichen ein leeres Blatt und ein Stift, um die eigenen Vorstellungen zu Papier zu bekommen.

Innere Haltung

Ziele zu haben und diese zu erreichen ist eng verbunden mit der eigenen Einstellung. Die innere Haltung beeinflusst wesentlich die eigene mentale Widerstandsfähigkeit. Dazu zählen zum Beispiel eine optimistische Grundhaltung, zu der eine positive Fehlerkultur und die Fähigkeit des Perspektivwechsels gehören, sowie Akzeptanz: Eine unveränderliche Situation als solche zu akzeptieren, bedeutet nicht Resignation. Durch die Akzeptanz bietet sich die Möglichkeit, gelassener zu werden und zu lernen. Dazu gehört auch, seine Glaubenssätze neu auszurichten.

Ruhe und Konzentration

Besonders an arbeitsintensiven Tagen reagieren viele nervös auf ungeplante Aufgaben. Sich dann zu fokussieren, fällt oft schwer. Konzentration kann trainiert werden, zum Beispiel durch gezieltes Hinterfragen („Wie habe ich auf Ablenkungen durch andere reagiert“) und gezieltes „Nein- Sagen“. Besonders Letzteres ist schwierig, da eine Ablehnung von zusätzlichen Aufgaben von der Situation abhängig ist: Fragt ein Kollege oder ist es der Chef? „Nein-Sagen“ kann man lernen, auch gegenüber Führungskräften. Schließlich kommt es auch darauf an, wie man es sagt.

Resilienz - Das Konzept
Resilienztraining - Stopp-Technik

Gedanken-Stopp-Technik

Rollenverhalten. Erwartungen an den anderen. Arbeitsverdichtung. Wenn über Sachverhalte diskutiert wird, können in stressigen Situationen aus banalen Dingen schnell rhetorische und emotionale Flächenbrände entstehen. Je nach Situation scheint es dann unmöglich, dieser Spirale zu entkommen. Hilfe bietet die Gedanken-Stopp-Technik: Ein imaginäres oder auch deutlich ausgesprochenes „STOPP“ in Verbindung mit einem körperlichen Signal, wie zum Beispiel einer vorgehaltenen Hand. In der sich anschließenden momenthaften Pause kann die Zeit genutzt werden, um sich zu entspannen – durch spezielle Atemtechnik oder auch Perspektivwechsel.

Lösungsorientiertes Denken und Handeln

Kennen Sie die Situation, wenn in einer Gruppe viel Zeit und Energie verwendet wird, um die Schuldfrage zu klären? Dies kann zu Friktionen und Stress führen. Lösungsorientierte Menschen konzentrieren ihre Aufmerksamkeit auf Handlungsoptionen und Ziele. Dieses Ziel sollte möglichst s.m.a.r.t. sein: spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert.

Ernährung und Schlaf

Wichtige Voraussetzung für ein ausgeglichenes Ich ist ein gesunder Körper. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf geben dem Körper die notwendige Kraft und Ausdauer. Dazu gehören feste Pausenzeiten, auch wenn die Arbeitstage unterschiedlich verlaufen.

Vier Punkte gilt es mindestens zu berücksichtigen:
  • gesund und regelmäßig essen
  • ausreichend trinken
  • regelmäßige Bewegung und Entspannung
  • ausreichend und regelmäßig schlafen

 

„Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung sind heute mehr gefragt und erhöhen die eigene Widerstandskraft = Resilienz!“ Ingrid Erkel

 

Selbstorganisation und Zeitmanagement

Stress wird von den Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Dies hängt auch davon ab, wie die betroffene Person die herausfordernde Situation und deren Bewältigung für sich einschätzt. Der Faktor Zeit spielt für viele in dieser Einschätzung eine essentielle Rolle. Eine Möglichkeit, den eigenen Tagesplan zu strukturieren ist die ALPEN-Methode:

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[table_cell]AUFGABEN[/table_cell]

[table_cell]notieren und genau schauen, was erledigt werden muss. Geeignet sind Checklisten, die alle notwendigen Aufgaben zum Beispiel für Dienstreisen beinhalten[/table_cell]

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[table_cell]LÄNGE[/table_cell]

[table_cell]Wieviel Zeit nehmen die unterschiedlichen Aufgaben in Anspruch? Realistische Einschätzungen und Deadlines sind hier gefragt.[/table_cell]

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[table_cell]PUFFERZEIT[/table_cell]

[table_cell]Unerwartete Ereignisse bringen die beste Planung durcheinander. Pufferzeiten sind daher einzuplanen. Diese sollten 40 Prozent der Arbeitszeit umfassen.[/table_cell]

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[table_cell]ENTSCHEIDUNGEN[/table_cell]

[table_cell]Welche Aufgabe wird wann erledigt? Darüber kann zum Beispiel nach der Eisenhower-Methode entscheiden werden.[/table_cell]

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[table_cell]NACH­KONTROLLE[/table_cell]

[table_cell]Reichen die Pufferzeiten? Sind die Checklisten aktuell? – Tagesplanung regelmäßig überprüfen und anpassen. Zeitfresser identifizieren[/table_cell]

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„Investieren Sie ein paar Minuten pro Tag in die eigene Entspannung. Diese kleinen Pausen helfen, sich zu ‚erfrischen‘.“ Ingrid Erkel

 

Gesundheit geht alle an

Mit dem Label Chemie.Gesundheit RP markieren wir Veranstaltungen, die sich besonders zur Unterstützung der betrieblichen Gesundheitsaktivitäten eignen. Vor dem Hintergrund der digitalen Transformation – Industrie 4.0 – und der sich wandelnden Arbeitswelt – Arbeit 4.0 – sind Unternehmen wie Beschäftigte gefragt, gesunde Arbeit erfolgreich umzusetzen.
Diese Seminare sind Teil davon:

  • Dem Stress keine Chance
  • Leistungsfähigkeit durch Lebensbalance
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement
  • Gesund führen
  • Gesund auf Schicht

weitere passende Seminare zum Thema:

  • Effektives Zeit- und Selbstmanagement
  • Wirken mit Persönlichkeit
  • Miteinander reden
  • Veränderungen meistern mit mehr Flexibilit

Experimente in Chemie und Physik

Lehrer Fortbildung Chemie - Sicher Experimentieren

Experimente machen den Schulunterricht anschaulich: Abstraktes lässt sich leichter begreifen, Komplexes leichter nachvollziehen. Dabei stehen die Sicherheit und der Schutz von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern im Zentrum. Beim Experimentieren geht es auch ganz grundlegend darum, das Bewusstsein für mögliche Gefahren und deren Ursachen zu schärfen und Risiken zu erkennen und zu beherrschen.

Genau darum ging es in der Lehrerfortbildung „Auf Nummer sicher! Experimente im MINT-Unterricht“ im Fortbildungszentrum der BG RCI in Maikammer. Teilnehmen konnten Lehrer aller Schularten und Stufen in Rheinland-Pfalz, die die Fächer Chemie und Physik unterrichten. Sie informierten sich über die rechtlichen Rahmenbedingungen und sammelten viele praktische Tipps zum sicheren Experimentieren.

Die Tagung war eine Premiere und wurde gemeinsam angeboten von der  Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), dem Bildungsministerium Rheinland-Pfalz, den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz, der Stiftung PfalzMetall sowie der Unfallkasse Rheinland-Pfalz.

Erfolgreiche Premiere: Sicher experimentieren an Schulen

Die Schulung stieß bei den Lehrern auf großes Interesse – schnell war der Vortragssaal bis auf letzten Platz besetzt. Dr. Harald Wellhäußer begrüßte die Teilnehmer herzlich. Der stellvertretende Leiter der Prävention der BG RCI verdeutlichte gleich zu Beginn, worum es den Organisatoren der Schulung ging: dass in Schulen Experimente den Unterricht beleben. Dafür ist guter Unterricht in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern notwendig. Und oft sind es die Versuche, die die Schüler begeistern. Damit diese sicher durchgeführt werden, luden die Kooperationspartner zur Schulung ein. Im Zentrum stand die Sicherheit von Schülern und Lehrern.

„Experimente sollen interessant und sicher sein. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten.“ Dr. Harald Wellhäußer, BG RCI

Dass an Naturwissenschaften und Technik interessierte Schulabgänger gute Berufschancen haben, betonte Felix Mayer. Der Geschäftsführer der Stiftung PfalzMetall machte deutlich, wie sehr die Industrie auf Nachwuchs angewiesen ist. Es gibt zahlreiche berufliche Möglichkeiten in der Metall- und Elektroindustrie; wie auch in der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoff verarbeitenden Branche. Über die beruflichen Möglichkeiten konnten sich die Lehrer auch an einem Stand informieren.

 

Experimentalvortrag mit Diskussion

Sensibilisierung für Gefahrenquellen und realistische Einschätzung von Risiken

Prof. Dr. Bernd Scheel von der BG RCI hat eine Leidenschaft für naturwissenschaftliche Experimente. Darüber hinaus analysiert der Chemiker Unfälle im Zusammenhang mit Chemikalien. Beides kombiniert er in seinen Experimentalvorträgen. So auch auf dieser Fortbildung, in der er den Lehrern mit einfachen Experimenten demonstrierte, wie Brände und Explosionen entstehen können. Daraus leitete Prof. Scheel direkt die notwendigen Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Bränden und Explosionen ab. Dabei bezog sich der Chemiker auf das Gefahrendreieck, also der Kombination aus brennbarem Stoff, Sauerstoff und einer Zündquelle.

Die anschaulichen Versuche verknüpfte er mit aktuellen Schadensereignissen und stellte so einen unmittelbaren Praxisbezug her. Das Ziel war, die Lehrer für mögliche Gefahrenquellen – wie Handys als Zündquelle – zu sensibilisieren und ihnen eine realistische Einschätzung von Risiken zu ermöglichen. Für die Versuche waren oft nur Gegenstände wie Stahlwolle oder Batterien notwendig.

 

Sicherheit im Unterricht

Die RiSu für Chemie und Physik

„Was glauben Sie“, fragte Dr. Rainer Radtke von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, „wieviele der Unfälle an einer Schule Unfälle im Chemieunterricht sind?“ Die Antwort des Chemikers und Gefahrstoffexperten überraschte: 0,05 bis 0,5 Prozent. Zum Vergleich: 45 Prozent der Unfälle geschehen im Sportunterricht. Ungleich höher jedoch ist die mediale Aufmerksamkeit und der administrative Aufwand, wenn es zu einem Vorfall im naturwissenschaftlichen Unterricht kommt. Das Ergebnis könne jedoch nicht sein, dass überhaupt keine naturwissenschaftlichen Versuche im Unterricht gemacht werden. Daher betonte Dr. Radtke: „Wir wollen, dass an Schulen experimentiert wird.“

Der Präventionsbeauftragte der Unfallkasse ist schon lange an Schulen für Besichtigungen und Beratungen unterwegs. Detailliert und mit vielen Beispiele aus der Schulpraxis erklärte er die Richtlinie zur Sicherheit im Unterricht (RiSu) und die jeweils notwendigen Gefährdungsbeurteilungen. Wie man an eine Gefährdungsbeurteilung herangehen sollte? „Ich muss mir vorher überlegen, welche Experimente ich plane und was dabei passieren könnte.“ Das Ergebnis sind auf den jeweiligen Versuch zugeschnittene Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig machte Radtke Vorschläge für Experimente, die nach den geltenden Regeln
gut für den Unterricht geeignet sind.

 

Unterstützung durch das Bildungsministerium

Den MINT-Unterricht stärken

Ebenfalls zur Premiere kam Volker Tschiedel aus dem Ministerium für Bildung. Er ist unter anderem zuständig für die Unterrichtsentwicklung naturwissenschaftlicher und technischer Fächer, sowie für Emissionsschutz, Unfallverhütung und Arbeitsschutz im Unterricht. Die Teilnehmer hatten so die Möglichkeit, direkt und persönlich ihre Fragen an das Bildungsministerium zu stellen und über ihre Erfahrung mit der Umsetzung der Richtlinien zu sprechen.

„Mir ist es sehr wichtig, den MINT-Unterricht zu stärken und die Sicherheit im Unterricht zu verbessern. Mein Ziel ist es, Sie beim Unterrichten zu unterstützen und Schutz-Vorschriften und schulische Realität zu vereinbaren.“ Volker Tschiedel, Ministerium für Bildung

So entstand ein Dialog mit Volker Tschiedel, der sich allen Fragen stellte und die Hinweise und Anmerkungen aus der Unterrichtspraxis mitnahm. Gleichzeitig informierte Tschiedel über die Unterstützungsmaterialien auf dem Bildungsserver des Ministeriums und erläuterte seine Pläne zur Weiterentwicklung der Unterstützung der MINT-Lehrer in Rheinland-Pfalz.

Er verwies dabei auch auf die Ende 2016 gestartete MINT-Initiative des Bildungsministeriums, mit der die MINT-Fächer in unterschiedlichen Bereichen und entlang der gesamten Bildungskette gestärkt werden sollen.

 

DeGiNTU und RiSu online

DeGiNTU steht für„Gefahrstoffinformationssystem für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht der Gesetzlichen Unfallversicherung”. Das Angebot wurde für den Geltungsbereich der risU konzipiert. DeGiNTU wird kostenfrei allen schulen, schülerlabors und Institutionen der Lehramtsausbildung
zur Verfügung gestellt. (https://degintu.dguv.de/)

Das Portal der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) besteht aus drei Modulen: die Gefahrstoffdatenbank, die Chemikalienverwaltung und die Versuchsdatenbank mit interaktiver Gefährdungsbeurteilung. Das Portal soll Lehrkräften dabei helfen, Gefährdungsbeurteilungen schneller zu erstellen und auch die Verwaltung von Gefahrstoffen effizienter zu gestalten. Lehrer finden dort die Stoffliste zur DGUV-regel 113-018 „Unterricht in Schulen mit gefährlichen Stoffen“.

Sie basiert auf der GESTIS – Stoffdatenbank; außerdem werden die Tätigkeitsbeschränkungen und -verbote nach der KMK-RISU abgebildet. Auch die Bestände an Chemikalien lassen sich mit DeGiNTU verwalten; zum Beispiel können dort die aktuellen Etiketten heruntergeladen sowie ein rechtskonformes Gefahrstoffverzeichnis ohne zusätzlichen Aufwand geführt werden. Und zuletzt beinhaltet DeGiNTU in Kürze Versuchsbeschreibungen für den Unterricht –
inklusive Gefährdungsbeurteilungen.

Das Portal ist mit dem DGUV-Angebot „Sichere Schule“ verknüpft. Dort sind Checklisten und richtlinien hinterlegt – für den Chemie-Unterricht ist dort beispielsweise die risu online verfügbar: www.sichere-schule.de.

Für Assistenzen: Kommunikation und Arbeitstechniken

Für Assistenzen: Kommunikation und Arbeitechniken

Die Zeiten, in denen sich Assistenzen mit der Terminverwaltung und der Papierorganisation beschäftigt haben, sind lange vorbei. Dieser Job fordert eine große Bandbreite an Begabungen. Es müssen Veranstaltungen, Meetings und Telefonkonferenzen organisiert werden – eng getaktet. Hinzu kommen Protokolle, Rechercheaufgaben, E-Mails und Präsentationen. Auch kommunikativ wird viel verlangt, denn Assistenzen sind Sprachrohr des Chefs und in schwierigen Zeiten auch Seelentröster.

Der Erledigungsdruck steigt und die Arbeitsabläufe werden komplizierter. Daher stellt sich vielen Assistenten die Frage nach einer optimalen Struktur und Organisation, aber auch nach der richtigen Kommunikation. Als Hilfestellung und Orientierung bot der Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz erstmals zwei Seminare an, die direkt auf diese Berufsgruppe zugeschnitten waren.

Download des ePapers

In welcher Schublade stecken Sie?

Der erste Eindruck zählt. Im persönlichen Gespräch oder am Telefon macht sich jeder in den ersten Sekunden ein Bild des Gegenübers. Stimme und Erscheinungsbild prägen maßgeblich dieses Kennenlernen. Schnell entscheiden wir, ob die Person sympathisch ist, kompetent und dynamisch – oder auch nicht. Die gedankliche Schublade geht auf und der Gegenüber ist eingeordnet. Eine zweite Chance auf eine Korrektur gibt es nur schwer. Doch was macht uns und damit diesen ersten Eindruck aus? Wer bin ich und was bewirke ich in diesem Unternehmen? Diesen Fragen ging die Gruppe unter Anleitung der Trainerin Nicolle Dreischarf (trainInstinct.) als Einstieg in das Thema Kommunikation nach.

Wo sitzen Sie auf der Statuswippe ?

Führen Sie das Gespräch oder werden Sie geführt? Unser Selbstbild prägt nicht nur den ersten Eindruck, sondern auch unsere Gespräche. Die Statuswippe von trainInstinct beschreibt die Dynamik des Verhältnisses zwischen Personen, die miteinander kommunizieren. Man unterscheidet in Hochstatus und Tiefstatus. Ist einer oben, ist der andere unten. Diese Situation ist jedoch beeinflussbar. Wichtig ist zu wissen, dass das Entschlüsseln der Statussignale des Gesprächspartners und der bewusste Einsatz der eigenen Sprache konkret dazu dienen können, die gemeinsamen Ziele in der Interaktion erfolgreich zu verwirklichen. Trotz der geregelten beruflichen Hierarchie kann es sinnvoll sein, wenn Assistenzen im Gespräch den Hochstatus einnehmen, zum Beispiel um unter Druck selbstbewusst zu bleiben und Blockaden abzubauen. Allein das Wissen um diese Mechanismen führt oft zu einem gezielten Aha-Erlebnis.

Wo sitzen Sie auf der Statuswippe?

 

Zuhören ist die Basis guter Kommunikation
Wo sitzen Sie auf der Statuswippe?
Trainerin Nicolle Dreischarf

Reduzieren Sie Missverständnisse

Die Kommunikation zwischen zwei Personen unterliegt weiteren Einflüssen. So werden mit jedem Gespräch Erwartungen und Befürchtungen verbunden, die nicht immer gleich offensichtlich sind. Dies beschreibt das „Eisbergmodell“ in der zwischenmenschlichen Kommunikation. So werden rationale Handlungsmotive im Gespräch bewusster wahrgenommen – dies entspricht dem Bild des Eisberges oberhalb der Wasserlinie. Unbewusst spielen im Gespräch aber auch Emotionen und Beziehungen eine wichtige Rolle. Sie stellen den weitaus größeren Teil dar und entsprechen dem Bild des Eisberges unterhalb der Wasserlinie. Ist diese Beziehungsebene gestört, so hat das auch Auswirkungen auf die rationale Ebene. Hier verwies die Trainerin darauf, rhetorische Mittel einzusetzen, um zum Beispiel Bedenken vorwegzunehmen.

Einen weiteren Einfluss auf unsere Kommunikation hat unsere Sprach-Denk-Codierung. Die Informationsverlusttreppe von Shannon & Weaver bringt dies anschaulich zum Ausdruck. Sie beschreibt unerwünschte Kommunikationsstörungen zwischen zwei Personen, aufgrund von falschen Interpretationen. Das Phänomen machte die Übung „Stille Post“ sehr greifbar: Zwei Teilnehmer sollten eine zuvor gehörte Kurzgeschichte anderen Teilnehmern weitererzählen. Das Ergebnis entspricht selten dem Ursprung. Um im täglichen Miteinander dem Informationsverlust vorzubeugen, sind Notizen ratsam. Ebenso sollte nachgefragt und bei Bedarf das Gesprächstempo reduziert werden.

Informationsverlusttreppe

Jede Frage hat eine andere Wirkung

Genaues Zuhören und richtiges Fragen sind wichtige Voraussetzungen, um Sachverhalte zu klären. Die Beantwortung offener Fragen erfordert mehr Überlegung und geht mehr in die Tiefe als ein kurzes „Ja“ oder „Nein“. Sie eignen sich daher hervorragend, um Informationen zu sammeln und ein umfangreiches Bild von der Situation zu bekommen. Konkretisierungfragen schließen sich meist den offenen Fragen an. Rhetorische Fragen bedürfen keiner Antwort und Suggestivfragen geben die Antwort schon vor. Beide Fragearten haben aber deutlich potential, emotional aufzuladen.

Nehmen Sie es nicht persönlich

Assistenzen sind die erste Ansprechperson für den Chef. Wer so eng im Team arbeitet, ist von Emotionen nicht befreit. Erlebt einer der Beiden gute oder schlechte Zeiten, hat dies unmittelbar Auswirkungen auf das Miteinander. Die wichtigste Regel lautet daher, nichts persönlich zu nehmen. Vielmehr sollte Kritik differenziert betrachtet werden. Denn jeder Mensch hat verschiedene Rollen inne, in denen er wahrgenommen wird. Kritik an der Rolle ist keine Kritik an der Persönlichkeit.

So können Sie Ihr Zeitmanagement realisieren

Im Seminar lernen die Assistenzen einen geordneten Einstieg in den Tag und wie sie auf plötzliche Aufgaben reagieren können. Dazu gehört nicht nur eine verbesserte Schreibtischorganisation und Strategien im Umgang mit Aufschieberitis. Wichtig ist auch ein veränderter Umgang mit Glaubenssätzen und das richtige Energie-Management. Dazu gehört auch der Ansatz "Eat the frog".

Zeitfresser – so schaffen Sie Ordnung.

Eine Herausforderung für Assistenzen ist es, die Balance zwischen den eigenen und den externen Aufgaben zu halten. Im Seminar gab es einen regen Austausch und Tipps zur Bewältigung von „Zeitfressern“, gute Ideen für passendere Arbeitsstrukturen und Werkzeuge, um diese anwenden und durchsetzen zu können.

Hilfreich, wenn auch zunächst schwierig, ist die Kategorisierung der anstehenden Aufgaben. Schwierig, da jede Aufgabe mittelbar oder unmittelbar für den Erfolg sorgt und somit wichtig ist. Hilfreich, da eine feste Struktur hilft, sich besser auf die jeweiligen Aufgaben zu konzentrieren. Das wiederum hat deutlichen Einfluss auf die Qualität und damit den Erfolg der Arbeit. Möglichkeiten der Strukturierung bieten zum Beispiel das „Eisenhower-Prinzip“, nach dem die Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit in vier Felder eingeteilt werden. Ebenso hilfreich sind Zeitblöcke, in denen alltägliche Aufgaben erledigt werden. Bestes Beispiel sind E-Mails.

Ein Ping am PC, ein kurzes Aufleuchten des Infofensters am Bildschirm und schon sorgt der Hinweis auf neue E-Mails für ein Unterbrechen der aktuellen Tätigkeit. Schnell mal die Mail beantworten und dann geht es weiter – nur wo? Die Konzentration ist weg. Oder die Mail erfordert mehr Aufmerksamkeit und zeitliche Bearbeitung als geplant. Solche Momente sorgen schnell für einen Wirbel in unserer Tagesstruktur. Wer die Beantwortung von Mails in feste Blöcke schiebt, hilft sich selbst und auch anderen. Denn in aller Eile können sich schnell Fehler in die
Antworten einschleichen.

3-Minuten-Regel für E-Mails

Auch Chefs sind gefordert

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben viel gelernt in den beiden Seminaren. Die Trainierin Nicolle Dreischarf (trainInstinct.) half den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu
reflektieren und neu zu organisieren. Eine Erkenntnis ist auch, dass die Chefs nach diesem Seminar ebenso gefordert sind. Denn jede Maßnahme der Assistenten ist nur so gut, wie die Vorgesetzten neue Abläufe zulassen und neue Regeln akzeptieren. Dazu gehört auch das Bewusstsein, dass ungeplante Zusatzaufgaben sich auf bestehende Aufgaben und deren Priorisierung auswirken können.

Anlagensicherheit in der Chemie – UPTA 2017

Umwelt Produkte Technik Ausschuss

„In der chemischen Industrie arbeiten wir mit Risiken. Sie sind eine imaginäre Größe, die da ist und nicht ausgeschaltet werden kann. Wir können aber alles tun, um die Risiken zu minimieren. Das meint Arbeits- und Anlagensicherheit.“

(Dr. Hubert Lendle)

Die Gesundheit der Mitarbeiter und Nachbarn sowie die Umwelt zu schützen, ist der chemischen Industrie sehr wichtig. Die Branche unternimmt große Anstrengungen, um den störungsfreien Betrieb der Anlagen zu gewährleisten. Über die bestehenden Verordnungen und Gesetze hinaus verbessert die Branche kontinuierlich die Sicherheit der Anlagen. Dies betrifft technische Verbesserungen, das betriebliche Sicherheitsmanagement und die Ausbildung der Mitarbeiter. Im Rahmen des Umwelt Produkte Technik Ausschusses (UPTA) beschäftigten sich die Experten mit Fragen der Sicherheitskultur, Prävention und Krisenkommunikation.

Download des ePapers

Dr. Hubert Lendle

Was passiert bei einem übergreifenden Stromausfall?

Bericht aus dem Fachbeirat Chemie

Am 7. Dezember 2016 fand in Basel ein trinationaler Kongress der Oberrheinkonferenz zum Thema „Blackout – grossflächiger grenzüberschreitender Stromausfall“ statt: Was passiert, wenn in Ballungsräumen großflächig die Energieversorgung ausfällt? Was passiert mit den Industrieanlagen - gehen die Lichter aus?

In einem Schweizer Krankhaus wurde bei einer Überprüfung festgestellt, dass in diesem Fall die Abwasserpumpen nicht mit Notstrom versorgt werden. Als Folge wäre das Spital binnen einer Stunde nicht mehr handlungsfähig. Nicht bekannt ist, ob es solche Folgen im Ernstfall auch für Industriebetriebe gibt. Auffällig ist jedoch, dass die Unternehmen bei diesem Thema unterschiedlich weit sind.

Das Resumee der Konferenz war dann auch, nicht nach der Eintrittswahrscheinlichkeit zu fragen, sondern zu hinterfragen, wie handlungsfähig die Unternehmen in einem solchen Fall sind. Dabei ist nicht nur die Anlage zu betrachten, sondern auch das Umland: Wie reagiert die Bevölkerung in der Umgebung, wenn bei tagelangen Stromausfällen Warmwasser und Lebensmittel knapp werden und der Betrieb mit seinen Notstromaggregaten zum Ziel der notleidenden Menschen wird? Einen Bericht zur Konferenz gibt es online unter http://cvrp.de/upta517b

„Die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts ist zwar gering, die Tragweite im Ernstfall aber weitestgehend unbekannt.“ Dr. Hubert Lendle

Weitere Themen des Fachbeirates Chemie

Welche Auswirkungen das EuGH-Urteil zum wasserrechtlichen Verschlechterungsverbot hat, ist noch unklar. Die Auslegung wird sich in der Praxis zeigen. Im Grenzfall kann der Ausbau eines Werkes möglicherweise untersagt werden. Da die Entsorgung von Alt-Dämmstoffen mit HBCD (hexabromcyclododecan) als Flammschutz mittelzusatz als gefährlich eingestuft wurde und nicht alle Entsorgungsbetriebe die notwendigen Genehmigungen haben, sind die Entsorgungspreise deutlich angestiegen. Derzeit besteht eine Übergangslösung.

 

Dr. Wolfgang Höfling - Narrative und ihre Bedeutung für die Sicherheitskultur

Narrative und deren Bedeutung für die Sicherheitskultur im Unternehmen

Die Arbeitssicherheit ist in den Betrieben häufig ein rein technisches oder organisatorisches Thema. Die Sicherheitshinweise und die Art und Weise, wie Mitarbeiterinnen über Sicherheit reden, spiegeln diese technische und organisatorische Sichtweise wider. Dr. Wolfgang Höfling ruft dazu auf, Arbeitssicherheit als Teil eines aktiven Handelns und der unternehmerischen Wertschöpfung zu sehen. Dies verändert auch das Narrativ - die Art und Weise, wie wir darüber sprechen. Denn darüber zu kommunizieren, hilft ein gemeinsames Verständnis zu gewinnen. Über Narrative können wir auf das Verständnis und damit auf das Verhalten der Menschen Einfluss nehmen.

„Die Sicherheitskultur existiert in den Narrativen.“

Die Vielfalt der Erzählungen und die Vielfalt der Verhaltensweisen, die sich daraus ergeben bezeichnen wir als Kultur. Das Unternehmen sollte sich daher überlegen, wie es die Sicherheit im Betrieb sprachlich umsetzt und welche Narrative es verwendet.

Worauf Unternehmer achten sollten

Die Kultur wird beeinflusst durch das sie umgebende System und die Sprache. Und die Erfahrung zeigt, dass einige Unternehmen die Audits auf dem Papier bestehen, aber deren Inhalte nicht leben. So entsteht eine trügerische Sicherheit auf der Basis von Formalismus. Ein kleines Beispiel dessen sind die verkeilten Feuerschutztüren.

„Erzählen Sie Narrative neu und schaffen Sie eine neue Sicherheitskultur.“

Die Erzählung könnte wie folgt lauten: „Der Umgang mit Risiken ist Teil des unternehmerischen Handelns. Um produzieren zu können, gehen Unternehmen auch Sicherheitsrisiken ein. Der Unternehmenserfolg hängt daher vom zuverlässigen Umgang mit diesen Risiken ab. Als Führungskräfte, Sicherheitsfachkräfte und Mitarbeiter unterstützen wir unser Unternehmen darin, mit diesen Risiken verantwortlich und sicher umgehen zu können, indem wir uns selbst, unsere Kollegen und unseren Betrieb mit sichern helfen …“

Sichtweise verändert Identifikation

Extrinsische Motiviation: „Die Firma will das so …“

Intrinsische Motivation: „Ich tue dass, um meine Kollegen zu schützen …“

Die intrinsische Motivation ist höherwertiger und schafft eine starke Identifikation. Damit einher geht eine große Verhaltensänderung.

Harald Wellhäuser - BG RCI

Das erste Jahr: Vision Zero Update

Arbeit hat vielfältige Facetten. Wir arbeiten im Idealfall gerne, um uns zu verwirklichen, unsere Kompetenzen und Fähigkeiten zu nutzen und um unsere Familien zu ernähren. Doch Arbeit kann auch körperlich fordernd und gefährdend sein, mitunter sogar verletzen. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, die Vermeidung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren stehen im Fokus der Arbeit der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) und deren zukunftsweisender Präventionsstrategie VISION ZERO.

Die VISION ZERO basiert auf der Überzeugung, dass alle Unfälle und Berufskrankheiten verhindert werden können.

(Dr. Harald Wellhäuser)

Ziel ist es, dass niemand bei der Arbeit getötet wird, sich schwer verletzt oder erkrankt. Die BG RCI ist davon überzeugt, dass sich letztlich jeder Unfall verhindern lässt. Realisiert werden kann diese Vision nur gemeinsam, wenn alle Sicherheit und Gesundheit als elementare Werte erkennen und verantwortungsvoll handeln. Erfolgreiche Prävention rettet und schützt Leben und dient letztlich dem nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Zur Umsetzung der Präventionsstrategie „VISIONZERO. Null Unfälle - gesund arbeiten!“ hat sich die BG RCI sieben konkrete Ziele gesetzt. Gemeinsam mit Mitgliedsbetrieben und Versicherten sollen durch innovative und bewährte Instrumente weitere Meilensteine auf dem Gebiet der Prävention erreicht werden. Mit den VISION ZERO-Angeboten der BG RCI wird aktiv eine gesunde und unfallfreie Arbeitswelt gefördert.

Die sieben Ziele der Strategie sind auf zehn Jahre ausgelegt und beinhalten neben den Meilensteinen auch regelmäßige Evaluationen. Die Ziele sind unter anderem die Senkung des Arbeitsunfallrisikos, die Halbierung der neuen Arbeitsunfallrenten sowie die Steigerung der Anzahl unfallfreier Betriebe. Erreicht werden soll dies durch verschiedenste Maßnahmen. „Bewusstes Handeln, gesunder Menschenverstand und intrinsische Motivation führen zu mehr Sicherheit bei der Arbeit – ohne zusätzliche Kosten.“

Bei 2/3 aller Unfälle sind die Risiken bekannt und der Unfall ist dennoch passiert. Durch eine Veränderung der Sicherheitskultur kann hier viel bewirkt werden.

Statistiken des BG RCI für das Jahr 2014

  • über 30 Menschen sind bei der Arbeit oder auf dem Weg zur/von der Arbeit tödlich verunglückt
  • 65.000 Unfälle
  • 840 neue Unfallrenten
  • 94.000 Witwen- und Waisenrenten
  • 1 Milliarde Euro Entschädigungsleistungen
Dr. Joachim Sommer - BG RCI

Thermische Explosion – Prävention und Kontrolle

„Die in verfahrenstechnischen Anlagen durchgeführten chemischen Reaktionen können zu Gefahren für Menschen und Umwelt führen, wenn Drücke oder Temperaturen bei den Prozessen über die Auslegungsgrenzen der Anlagenteile ansteigen und unkontrolliert Energie und Stoffe freigesetzt werden“, so leitet die Technische Regel Anlagensicherheit TRAS410 in das Thema Erkennen und Beherrschen exothermer chemischer Reaktionen ein.

Oftmals werden in der chemischen Industrie Stoffe mit thermischen Potential verwendet. Teil der Prävention ist die Kenntnis der Stoff- und Reaktionsdaten, also das Wissen, welche Energie bei der Synthese bzw. Zersetzung freigesetzt werden kann. In seinem Vortrag ging Dr. Sommer auf verschiedene Analyseverfahren ein, wie die Differenzthermoanalyse oder das Reaktionskalorimeter. In allen Fällen betonte er, dass sich die Unternehmen bei den Verfahren auch Gedanken über mögliche Abweichungen von Prozessparametern und Prozesszuständen machen sollten, wie zum Beispiel

  • Art und Spezifikation der Ausgangsstoffe
  • Dosierung (Menge, Geschwindigkeit, Reihenfolge)
  • Vermischung (Rührerfunktion und -typ)
  • Präsenz von Hilfsstoffen
  • Verfügbarkeit von Hilfsenergien.

Besonders wies er auf Fragestellungen bei Maßstabsvergrößerungen (Scale-Up) hin, da bei Laborversuchen andere Schlussfolgerungen gezogen werden könnten, als es dann im großen Maßstab abläuft. Muss im Laborversuch zum Beispiel Hilfsenergie zugeführt werden, um überhaupt die Reaktion zu ermöglichen, so kann im großen Maßstab eine massive Kühlung erforderlich sein, um eine Explosion zu verhindern. In der Merkblattreihe „Anlagensicherheit“ der BG RCI (http://downloadcenter.bgrci.de/shop/bgi/rreihe bzw. http://medienshop.bgrci.de/shop/index.jsp?query=/r001.xml&field=path ) gibt es ausführliche Informationen sowie Lehren aus Schadenereignissen.

Tobias Göpel

Krisenarbeit mit Behörden, Journalisten und Sozialen Medien

Wie Unternehmen in der Krise schlecht kommunizieren, zeigte nicht nur das Unglück von Seveso. Auch in der heutigen Zeit schweigen viele Unternehmen, statt aktiv zu kommunizieren. Dadurch verlieren die Unternehmen die Deutungshoheit und Reputation, die sich nachhaltig auf das Geschäft auswirken können. Die Erfahrung zeigt, dass die Firmen oft eine sehr gute technische Einsatzleitung haben, die im Unglücksfall souverän die Situation meistert. Jedoch wird die Kommunikation nach außen vernachlässigt.

Öffentlichkeitsarbeit sollte nicht als störend empfunden werden, sondern als Hilfe für die eigene Arbeit. Besonders die Schnittstelle im Krisenstab zwischen der technischen Einsatzleitung und der Kommunikation muss funktionieren.

Denn auch wenn das Unternehmen nicht kommuniziert – andere tun es.

Befragt werden Polizei, Feuerwehr, Anwohner und auch Mitarbeiter, die sich ggf. auf Sammelplätzen außerhalb des Werkgeländes bewegen. Zudem zeigen die Analysen jüngster Vorfälle, dass solche Situationen genutzt werden, um Freunde zu informieren oder sich endlich mal öffentlich wirksam „Luft zu verschaffen“. Während öffentlich zugänglichen Plattformen wie facebook für die eigene Arbeit ausgewertet werden können, klappt dies bei privaten Messengerdiensten wie WhatsApp oder Snapchat nicht. Die Mitarbeiter sollten daher präventiv sensibilisiert werden, welche Auswirkungen ihr Mitteilungsbedürfnis haben kann.

Kommunikation ist mehr als Medienarbeit

Sich im Falle eines Vorfalles auf die Arbeiten vor Ort zu konzentrieren ist wichtig. Ebenso wichtig ist die Information relevanter Zielgruppen. Dazu zählt die interne Kommunikation an Mitarbeiter und Angehörige ebenso wie die Information an Kunden, Behörden, Lieferanten sowie an die Presse und Öffentlichkeit. Hilfreich ist es, wenn vor dem Vorfall bereits Checklisten erarbeitet wurden, die fester Teil des Krisenhandbuches sind. Hier können Pressemitteilungen ebenso vorbereitet werden, wie die Aufgabenverteilung bei Pressekonferenzen.

Unternehmen, deren Sitz im Ausland ist, können so bereits ohne Zeitdruck Freigaben für Kernbotschaften erhalten. Denn in der Krise ist am Unfallort wie in der Kommunikation der Zeitfaktor essentiell.

Editorial

Mitgliederversammlung 2017 der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

In einer komplexer werdenden Welt, in der gefühlte und tatsächliche Wahrheiten verschwimmen, wird es zunehmend wichtiger, die Balance zu halten. Dazu gehört eine wertschätzende Kommunikation und transparente Darstellung der eigenen Standpunkte. Nur so kann die notwendige Akzeptanz erreicht werden. Denn selbst das kleinste Element kann ein großes Gebilde zum Einsturz bringen.

Diesem Ansatz der Chemieverbände Rheinland-Pfalz fühlt sich auch der neue Vorstandsvorsitzende Christian Metzger verpflichtet, der auf der jüngsten Mitgliederversammlung gewählt wurde. Zur Wahl des neuen Vorstandes und den angesprochenen Themen lesen Sie mehr im vorliegenden festgehalten.

 

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Ein Plädoyer für Wertschätzung

Plädoyer für mehr Wertschätzung

Aus dem Bericht des Vorsitzenden

Deutschland verändert sich. Flüchtlingsströme, Globalisierung und Terrorgefahren führen zu Unsicherheiten und Ängsten bei den Menschen. Unsicherheiten, die viele so zum ersten Mal erfahren. In der Diskussion über diese Themen erleben wir eine zunehmende sprachliche Gewalt, die sich auch auf das persönliche Miteinander negativ auswirkt. Die Unsicherheiten in der Gesellschaft werden maßgeblich verstärkt durch die Verbreitung der sogenannten Fake News. Die Menschen können nicht mehr zwischen wahr und falsch unterscheiden – das führt zu Vertrauensverlust und weiteren Unsicherheiten. Dies können wir als Unternehmer, die auch gesellschaftliche Verantwortung tragen, nicht tatenlos hinnehmen.

Wertschätzung bedeutet, den anderen als gleichberechtigten Menschen zu sehen und Verständnis für dessen Position zu zeigen.

Unser gemeinsames Wertesystem und die Solidarität sind Grundlage für unser WIR- Gefühl. Unsere Ziele, Leistungen und auch Sorgen verbinden uns und helfen uns, einen gemeinsamen Standpunkt zu finden. Dieses Plädoyer für mehr Wertschätzung gilt besonders dann, wenn die Positionen deutlich auseinander liegen. Sicher gibt es Situationen, in denen wir gerne emotional sein und mit der Faust auf den Tisch hauen würden. Doch die Erfahrung zeigt, dass die gesetzten Ziele langfristig nur durch Gespräche auf Augenhöhe erreicht werden. Denn wer andere nicht wertschätzt, erfährt auch selbst keine Wertschätzung.

„Daher appelliere ich an unsere gemeinsame Verantwortung als Unternehmer, dieser Entwicklung aktiv zu begegnen.“ Harald Schaub

Dazu gehört auch, dass wir uns als Unternehmer öffentlich distanzieren von Fehlverhalten anderer Unternehmer, die das Ansehen der Wirtschaft insgesamt beschädigen. Und als Unternehmer haben wir Möglichkeiten uns einzubringen: Nutzen Sie Ihre Mitarbeiterzeitungen, Online-Magazine und Betriebsversammlungen und vertreten Sie Ihren Standpunkt.

Und beteiligen Sie sich zudem am neuen Projekt „Wir. Hier.“ – ab September dieses Jahres schaffen wir für Rheinland-Pfalz ein neues regionales Magazin der Chemie. Damit informieren wir über Hintergründe, Highlights und Neuigkeiten der Branche. Beteiligen Sie sich mit Pressemitteilungen und Berichten, Einblicken und Standpunkten – für mehr Vertrauen und Offenheit. Die Chemieverbände Rheinland-Pfalz stehen für kleine und große Unternehmen. In der Interessenvertretung einen Konsens zu finden, kann ein Balance-Akt werden. Dass es auch hier auf das kleinste Element – oder im Verband auf das kleinste Unternehmen – ankommt, zeigte die Künstlerin Marula Rigolo mit der Performance „Sanddorn-Balance“.

Die Feder ist der Schlüssel – Ihr Gewicht verleiht dem gesamten Konstrukt die notwendige Balance. Nimmt man diese weg, bricht alles zusammen.

Wir brauchen Industrieakzeptanz

Wir brauchen mehr Industrieakzeptanz

Aus dem Bericht des Hauptgeschäftsführers

Die gute wirtschaftliche Lage überstrahlt momentan alles. Vorsichtige Stimmen will man nicht hören. Politik und Presse malen ein glänzendes Deutschlandbild und liefern vor allem Vorschläge für Umverteilung und dauerhafte Mehrausgaben etwa bei der Rente. Und Veränderungsbereitschaft, zum Beispiel beim Thema Arbeit 4.0, gibt es offenbar nur unter Wahrung aller sozialer Besitzstände.

Gegen eine solche öffentliche Stimmung kommt man mit unseren Themen nur schwer an: Flexibilisierung, Kostensenkung bei der Energie, Ausgabendisziplin bei Rente und Sozialversicherung, steuerliche Forschungsförderung, Industriepolitik für mehr Wettbewerbsfähigkeit am Standort. Aber das heißt nicht, dass wir das hinnehmen.

Seit Monaten bringen wir unsere Positionen an die Politik heran – damit sie sich möglichst in den Wahlprogrammen wiederfinden, im Koalitionsvertrag und dann hoffentlich auch in der Realität. Über den VCI in Frankfurt koordinieren wir uns auf der Ebene Bund-Land, und ebenso gehen wir in der Sozialpolitik vor. Der Bundesarbeitgeber verband Chemie positioniert sich politisch stärker, nicht nur in Berlin. Ein Beispiel ist die neue BAVC-Gemeinschaftskampagne „Die Chemie. Dein Arbeitgeber.“ Themen sind die Tarifkommunikation, aber auch sozialpolitische Themen, wie Rentenpolitik, Arbeitszeit, Zeitarbeit und mehr werden aufgegriffen.

Politik hat ihren Resonanzboden in der öffentlichen Meinung.

Und die öffentliche Meinung ist es letztlich auch, die uns unsere „license to operate“ gibt. Wir brauchen Industrieakzeptanz in der Bevölkerung. Das Image hat sich zwar über die Jahre verbessert, aber eine noch unveröffentlichte Studie des VDI/VDE zeigt, dass in Deutschland nach wie vor nur 59 Prozent die Industrie akzeptieren. Bei den Jüngeren sind nur 43 Prozent für den Bau neuer Industrieanlagen. Ich halte das für einen viel zu niedrigen Wert.

„Wir müssen gemeinsam mehr nach draußen gehen.“ Bernd Vogler

Wir müssen hier mehr tun. Ein wichtiger Schritt dazu ist es, gemeinsam mit der Politik „nach draußen“ zu gehen und für mehr Industrieakzeptanz zu werben. Unser neues Magazin „Wir. Hier.“ ist ein weiterer Baustein. Ich möchte Sie bitten, auf den verschiedenen Ebenen mitzuhelfen, damit unsere Botschaften durchdringen. Entscheidend ist, dass wir auf allen Ebenen – Bund, Land, Europa, Betriebe, Verband – kontinuierlich eine übereinstimmende Botschaft senden. Nutzen Sie unsere Papiere, und sprechen Sie uns gerne an.

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