Chemie Umsätze 2018

Konjunktur – Abwärtstrend in der Chemie setzt sich fort

Die chemisch-pharmazeutische Industrie hat 2018 eine ambivalente Entwicklung erlebt. Während die chemische Industrie einen Abwärtstrend erlebte, konnte Pharma auch durch einen Sondereffekt sehr gute Zahlen präsentieren. Während sich der Trend in diesem Jahr in der Chemie-Branche fortsetzt, wird sich die Pharma-Entwicklung wieder nivellieren.

Eine Reihe von Problemen hat die wirtschaftliche Entwicklung der Branche im letzten Jahr belastet: Rhein-Niedrig-Wasser, Zulassungs-Stau in der Automobilindustrie, außerdem Unsicherheiten durch den Brexit oder durch Diskussionen über Handelsbeschränkungen auf den globalen Märkten. Unsicherheiten werden den Unternehmen auch im Jahr 2019 begegnen. Die Auswirkungen auf die Betriebe sind unterschiedlich. In der Gesamtschau belasten sie aber spürbar das Branchenergebnis.

Die Erwartungen der chemischen Industrie an das Jahr 2018 haben sich nicht erfüllt. Der Umsatz ist zwar im Gesamtjahr mit 1,2 Prozent noch auf 29,5 Milliarden Euro gewachsen, allerdings sind die Werte im zweiten Halbjahr stark zurückgegangen. Vor allem die Chemieproduktion brach im Jahresverlauf ein und liegt für 2018 bei -2,9 Prozent. Damit liegt Rheinland-Pfalz nochmals unter dem bereits negativen Bundesdurchschnitt von -2,2 Prozent. In den Büchern standen im Jahresverlauf -3 Prozent weniger Aufträge als noch im Jahr zuvor.

Der Rückgang der Produktion hatte verschiedene Gründe. So war die Nachfrage wichtiger Kundenindustrien schwach. In Deutschland und der EU hat die Konjunktur an Fahrt verloren. Besonders die Automobilindustrie produzierte weniger Autos. Die Chemie als Vorleistungsgüterindustrie spürt solche Entwicklungen schnell. Hinzu kam das Niedrigwasser im Rhein, welches die Produktion der dort befindlichen Chemiebetriebe beeinflusste. Wichtige Rohstoffe und Zwischenprodukte konnten nicht oder nur in geringem Maße geliefert werden.

Neben den Zahlen des Statistischen Landesamtes gaben die Mitglieder in einer im März 2019 durchgeführten Umfrage an, dass trotz des leichten Plus bei den Umsätzen die Erträge nicht mithalten konnten: in 56 Prozent der Firmen waren die Erträge 2018 niedriger als 2017. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Entwicklung haben 53 Prozent der befragten Unternehmen angegeben, besondere Kostensparprogramme eingeleitet zu haben. 39 Prozent investieren weniger in den rheinland-pfälzischen Standort.

Pharma mit starkem Auslandsgeschäft

Die positive Entwicklung in der pharmazeutischen Industrie war durch einen sehr hohen Auslandsumsatz geprägt. So erhöhten sich die Erlöse im letzten Jahr um 3,9 Milliarden Euro. Dies zeigt, dass die Produkte aus Rheinland-Pfalz weltweit gefragt sind. Durch seine Pharma-Unternehmen ist Rheinland-Pfalz einer der wichtigsten Pharma-Standorte in Deutschland. Damit die Produkte an der Weltspitze bleiben, steigen auch jährlich die bereits hohen Beträge in Forschung und Entwicklung neuer Produkte. Da im vergangenen Jahr die Hersteller pharmazeutischer Produkte auch mehr Aufträge verbuchen konnten (+ 50 Prozentpunkte), kann auch das Jahr 2019 für die Pharma-Unternehmen erfolgreich werden. Allerdings wird sich das Niveau nach Wegfall eines Sondereffekts wieder auf dem der Vorjahre zurückbewegen.

Anforderungen in der Ausbildung steigen

Im vergangenen Jahr boten die im Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz organisierten Betriebe 1.441 Ausbildungsplätze an. Den jungen Berufseinsteigern wurden im Bereich des Dualen Studiums und der dualen Berufsausbildung deutlich mehr Angebote gemacht. Dagegen ist der Bedarf bei den Fördermaßnahmen gesunken. Ein Grund ist, dass die Anforderungen an die Qualifizierung der Fachkräfte steigen – zum Beispiel durch die zunehmende Digitalisierung in Forschung und Produktion. Daher wurde im August 2018 die Wahlqualifikation „Digitalisierung und
vernetzte Produktion“ in der Ausbildung zum Chemikanten eingeführt. Von den 1.441 angebotenen Ausbildungsplätzen entfallen 1.062 auf die duale Ausbildung, 113 auf ein Duales Studium und 266 auf besondere Fördermaßnahmen, wie die von den Tarifpartnern betriebenen Start-Programme für noch nicht ausbildungsreife Jugendliche. 1.309 Stellen konnten besetzt werden. Die Übernahmequote nach einer erfolgreichen Ausbildung beträgt 94 Prozent.

Ausblick 2019

Die wirtschaftliche Stimmung in der Branche hat sich deutlich verschlechtert. Die aktuelle Lage schätzten im März 2019 nur 17 Prozent Chemieverbände Rheinland-Pfalz der Firmen als gut ein. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es noch 42 Prozent. Zwar stieg die Chemie-Produktion zu Jahresbeginn um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jedoch sind die Auftragseingänge im gleichen Zeitraum um 3,6 Prozent gesunken.

Durch die starke Exportorientierung und die Rolle als Produzent von Vorleistungsgütern ist die chemische Industrie im besonderen Maße von der weltweiten Industriekonjunktur abhängig. Deshalb wirken sich die nachlassende Dynamik in der Eurozone sowie globale Handelskonflikte wie der zwischen China und den USA auf das Geschäft aus.

Insgesamt bereitet den Betrieben das politische Umfeld Sorgen: Die große Mehrzahl der Firmen befürchtet spürbare negative Auswirkungen der politischen Entwicklungen auf das eigene Geschäft. Unsere Unternehmen sehen den bevorstehenden Brexit mit Sorge, aber auch die zunehmenden Fliehkräfte, die aus verschiedenen Richtungen auf den Zusammenhalt innerhalb der EU einwirken. So gaben 94 Prozent der Befragten an, dass die politische Lage in der EU sich schlecht auf die weitere Entwicklung des Geschäftes auswirken wird. Den Einfluss der Politik außerhalb der EU auf das Geschäft bewerteten 89 Prozent der Unternehmen negativ.

Neben den Unsicherheiten durch die politischen Entwicklungen gibt es weitere Herausforderungen: Am deutlichsten ist es der zunehmende Wettbewerbsdruck, den 54 Prozent der Unternehmen mit Sorge sehen, sowie die Kostenentwicklung bei Energie (83 Prozent) und Arbeitskosten (94 Prozent). Dadurch verliert der Standort Rheinland-Pfalz an Attraktivität. Die Industrie braucht von der Politik mehr Unterstützung bei Innovationen und der Energieversorgung.

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