Dr. Hubert Lendle und Dr. Dominique Bäumer

UPTA – die Experten-Cloud

Einen positiven Beitrag zur Unternehmensentwicklung leisten, dies ist einer der Ansprüche, die Geschäftsführer der Mitgliedsunternehmen an die Verbandsarbeit stellen. Einen solchen Nutzwert bietet zum Beispiel der Expertenkreis UPTA – der Umwelt Produkte Technik Ausschuss des VCI-Landesverbandes.

Chemikalienrecht, Anlagensicherheit, Bodengutachten und Genehmigungsverfahren. Diese und mehr Themen beschäftigen die Unternehmen am Standort ganzjährig. Regelmäßig sind dazu die Fachleute des UPTA im Austausch miteinander, wie eine Experten-Cloud, die sich gegenseitig mit Wissen unterstützt. Darüber hinaus lädt der VCI Rheinland-Pfalz die Experten zweimal im Jahr zu einem themenorientierten Austausch ein. Im letzten Jahr stand die Sicherheit auf der Agenda der Experten.

„In der chemischen Industrie arbeiten wir mit Risiken. Sie sind eine imaginäre Größe, die da ist und nicht ausgeschaltet werden kann. Wir können aber alles tun, um die Risiken zu minimieren. Dies meint Arbeits- und Anlagensicherheit.“ Dr. Hubert Lendle

Szenario: Energieausfall

Die Gesundheit der Mitarbeiter und Nachbarn sowie der Schutz der Umwelt sind den Betrieben der chemischen Industrie sehr wichtig. Die Branche unternimmt große Anstrengungen, um den störungsfreien Betrieb der Anlagen zu gewährleisten. Dies betrifft die Versorgungssicherheit mit Strom, das betriebliche Sicherheitsmanagement sowie die dafür notwendigen Sicherheitsbeurteilungen.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Deutschland einen kompletten Stromausfall erlebt, bekam das Thema „Blackout“ zu Beginn des letzten Jahres eine größere Aufmerksamkeit in den Medien und auch in den Unternehmen. So ist nicht nur die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Stromausfalls für die Unternehmen wichtig, sondern auch, wie handlungsfähig diese in einem solchen Fall sind. In der Analyse ist nicht nur der Betrieb zu betrachten, sondern auch das Umland: Wie reagiert die Bevölkerung in der Umgebung, wenn bei längerem Stromausfall Warmwasser und Lebensmittel knapp werden und der Betrieb durch Eigenstromversorgung zum Ziel der notleidenden Bevölkerung wird?

Arbeitssicherheit neu erzählen

Ein weiteres Thema des Ausschusses waren die Narrative und deren Bedeutung für die Sicherheitskultur in den Unternehmen. So ist die Arbeitssicherheit häufig ein rein technisches oder organisatorisches Thema. Die Art und Weise, wie die Beschäftigten über Sicherheit reden und diese leben, spiegelt diese technische Sichtweise wider: Wenn die Mitarbeiter die Sicherheitsregeln über die Audits hinaus nicht leben, kann eine trügerische Sicherheit auf der Basis von Formalismus entstehen. Unternehmen sollten durch ihre Sicherheitskultur darauf einwirken, dass die Sichtweise der Mitarbeiter und damit deren Identifikation mit Sicherheitsregeln verändert werden.

Gefährdungsbeurteilungen im Betrieb

Seitens der Behörden ist die Struktur- und Genehmigungsbehörde für die Aufsicht der Unternehmen zuständig. Diese gab einen Einblick in die Gefährdungsbeurteilungen und Erfahrungen aus dem Vollzug. Die behördliche Überwachung erfolgt auf der Grundlage verschiedener Gesetze und Verordnungen, deren Anwendung im Betrieb überprüft wird. Darüber hinaus erfolgt auch eine Systemkontrolle in Kombination mit einer Compliance-Prüfung. Damit soll festgestellt werden, ob der Betrieb über der Momentaufnahme des IST-Zustandes hinaus ein funktionierendes System zum Erhalt der Sicherheit implementiert hat.

Die richtige Durchführung, Dokumentation und Verwaltung von Gefährdungsbeurteilungen ist auch ein Anliegen der BG RCI. Den Fachleuten des UPTA stellte ein Vertreter konkrete Beispiele zur Gefährdungsbeurteilung in der Praxis vor. Diese reichen von Merkblättern bis hin zu softwarebasierten Verwaltungstools, die über die Anforderungen der Behörden hinaus den Unternehmen eine handfeste Hilfe bieten.

„Wir bringen die Experten in den Unternehmen mit Fachleuten aus der Wirtschaft, Politik und Behörden zusammen, um den Austausch zu fördern und einen greifbaren Mehrwert für die Arbeit in den Betrieben zu liefern.“ Dr. Dominique Bäumer

Lücken schließen: Energiesicherheit in der Zukunft

Das Energiesystem in Deutschland wird dezentraler und komplexer – in der Zukunft werden als Energieversorger die erneuerbaren Energien an die Stelle der Großkraftwerke treten. So lautet das Szenario von Designnetz, einem Projekt von verschiedenen Partnern aus Stadtwerken, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung. Im Rahmen des UPTA wurden nicht nur das Projekt und die Förderung durch den Bund, sondern auch konkrete Projekte  vorgestellt. Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) erläuterten ihr Projekt des kombinierten Regelleistungskraftwerkes am Standort Ludwigshafen. Das patentgeschützte Projekt verbindet die Vorteile eines Batteriespeichers mit denen einer Gasturbine, um Energie zur Verfügung zu stellen. Aus der Sicht der TWL muss zukünftig die Lücke zwischen Verbrauch und Energieversorgung intelligent gefüllt werden. Zudem werden zukünftig die Netze mehr belastet und die Energieschwankungen zunehmen. In der Folge wird die Nachfrage nach Speichern steigen. Das kombinierte Regelkraftwerk bietet eine hohe Speicherkapazität sowie eine schnelle und langfristige Energieversorgung im Bedarfsfall bei einem Optimum an Wirtschaftlichkeit. Die Grundüberlegungen
und das präsentierte Know-how fanden die anwesenden UPTA-Experten spannend und inspirierend zugleich.

 

Mit dem UPTA am 09.12.2017 verabschiedete sich Dr. Hubert Lendle als Geschäftsführer des VCI Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Er organisierte lange Jahre die UPTA-Sitzungen und auch die Fortbildungen zum Umweltschutzbeauftragten – beides Veranstaltungen mit einem hohen Mehrwert für die Unternehmen. Die Kompetenz und das Netzwerk, welches er in den Jahren seiner Tätigkeit aufgebaut hat, standen ganz im Dienst der Mitglieder. Sein Nachfolger, Dr. Dominique Bäumer, will seine Arbeit und die Erfa-Runden auch weiterhin an den Wünschen der Fachleute ausrichten und einen wertvollen Mehrwert für die Arbeit in den Unternehmen liefern.

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