Konjunktur

Gutes Jahr für die Unternehmen

Mehr Exporte, größeres Bruttoinlandsprodukt und Wirtschaftswachstum: Die Zahlen des statistischen Landesamtes bescheinigen der Wirtschaft im letzten Jahr einen Aufwärtstrend. Neben der Statistik wird deutlich, dass sich der Wettbewerb verschärft und die Unsicherheiten zunehmen.

Chemie gibt Wirtschaft wichtige Wachstumsimpulse

Die rheinland-pfälzische Wirtschaft ist 2017 gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 2,5 Prozentpunkte, welches maßgeblich durch die Industrie im Land getragen wurde. Dabei war die Umsatzsteigerung der Industrie insgesamt mit 8 Prozent ungewöhnlich hoch. Die größten Wachstumsimpulse kamen aus der Vorleistungsgüterindustrie, zu der die chemische Industrie gehört. Und diese erlebte im vergangen Kalenderjahr die dringend benötigte Trendwende: Nach zwei Minusjahren ist der Umsatz wieder gestiegen. Insgesamt erwirtschaftete die chemische Industrie 29,2 Milliarden Euro – das sind 14 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Der gleiche Trend findet sich auch in den Auftragsbüchern mit 13 Prozent mehr Bestellungen
wieder. Allerdings lag die Produktion im Jahresvergleich mit 0,4 Prozent leicht unter dem Vorjahr.

Erfreulich ist, dass sich die Umsatzzuwächse auf eine deutlich stabilere wirtschaftliche Basis stützen können, als es die Branche erwartet hatte: Es gab die erhofften Impulse von den industriellen Abnehmern in Deutschland und Europa. Auch in den sogenannten europäischen Krisenländern zogen die Märkte an. Die chemische Industrie ist exportstark und so profitierte die Branche von einem allgemeinen Exportwachstum. 2017 wurden in fast alle Weltregionen mehr Waren geliefert als noch 2016. So stiegen der Auslandsumsatz um 12 Prozentpunkte auf 20,2 Milliarden Euro und der Inlandsumsatz um 18 Prozentpunkte auf 9 Milliarden Euro an. Zusammen mit einem auf hohem Niveau stabil bleibenden privaten Konsum sorgte dies für eine gute wirtschaftliche Gesamtsituation.

Pharma mit starkem Auslandsgeschäft

Die pharmazeutische Industrie befindet sich bereits seit einigen Jahren in einer Aufwärtsentwicklung, die sich in 2017 fortgesetzt hat – allerdings nicht im Inland. Die Zahlen zeigen eine signifikante Umsatzschwäche (-9 %), die durch einen starken Auslandsmarkt (+20 %) kompensiert wird. Dabei spielen gesundheitspolitische Regulierungen in Deutschland sicherlich eine Rolle. Wenn zum Beispiel der Zusatznutzen eines Medikaments
in Deutschland nicht anerkannt wird und es nur im Ausland auf den Markt kommt, dann schlägt sich das unter anderem im Inlandsumsatz nieder. Insgesamt verbuchten die Pharma-Unternehmen in Rheinland-Pfalz 4,6
Milliarden Euro (+11 %) Umsatz sowie starke Produktionszuwächse (+26 %). Da auch die Auftragseingänge im Jahresdurchschnitt um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen sind, fallen die Erwartungen der Branche für die nächsten Monate entsprechend positiv aus.

Umsatzminus bei Gummi- und Kunststoffwaren

Die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren sind ein sehr heterogener Bereich: Automobilzulieferer, Hersteller von Verpackungen, Folien und Hochleistungskunststoffen sind auf jeweils verschiedenen Märkten aktiv. Dies kann sich auf die Firmen unterschiedlich auswirken. Das verhältnismäßig gute Jahr 2016 relativiert den Umsatzrückgang von 3 Prozent im Jahr 2017 etwas. Dennoch ist ein Minus sicherlich nicht das, was der Branche
hilft. Insgesamt erwirtschafteten die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren 4,6 Milliarden Euro Umsatz, der durch ein starkes Auslandsgeschäft (+10 Prozentpunkte) getragen wurde. Im Inland hingegen, wohin die meisten
Waren verkauft werden, gab das Geschäft um 10 Prozentpunkte nach.

Stabile Ausbildungsbilanz in der Chemie

Viele junge Menschen entscheiden sich für ein Studium, weil Sie glauben, dass die Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten dadurch besser sind. Der Blick in die Betriebe zeigt, dass die Berufsausbildung viele Karrierewege mit guter Bezahlung bietet. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels
aufgrund der Demografie sowie der hohen Zahl der Studierenden bleibt die Werbung für die duale Berufsausbildung eine Herausforderung für die Betriebe.

2017 konnten 1.399 Ausbildungsplätze besetzt werden. Davon entfallen 1.026 auf die klassische Ausbildung, 93 auf ein Duales Studium und 334 auf besondere Fördermaßnahmen, wie die von den Tarifpartnern betriebenen Start-Programme für noch nicht ausbildungsreife Jugendliche.

Bei den Mitgliedsunternehmen des Arbeitsgeberverbandes sind zudem die Quoten für Ausbildung (5,6 %) und Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis (70 %) erfreulich hoch.

Ausblick: Umsätze steigen, Erträge bleiben gleich

Die Unternehmen blicken optimistisch in das Jahr 2018. Dies geht aus einer Umfrage der Chemieverbände unter den Mitgliedsunternehmen hervor, die im März stattgefunden hat: 69 Prozent rechnen mit weiter steigenden
Auslandsumsätzen, 87 Prozent mit steigenden Erzeugerpreisen. 88 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Produktion steigen oder zumindest auf gleichem Niveau bleiben wird.

Die Ertragssituation wird allerdings überwiegend gleichbleibend (42 %) oder sinkend (38 %) eingeschätzt. Zuwächse bleiben nach dieser Einschätzung aus. Als Hauptgründe werden die Entwicklungen der Arbeitskosten (92 %), die Kosten und Verfügbarkeit von Rohstoffen (81 %) sowie die Energiekosten (65 %) genannt.

Ganz deutlich wird aus der Umfrage, dass sich die Wettbewerbssituation nicht verbessert, sondern weiter verschärft. In vielen Bereichen drückt die Konkurrenz aus dem Ausland stärker in den Markt, schon länger bei den
einfacheren und margenschwächeren Produkten, zunehmend auch in den Spezialitäten. In Asien und in anderen wachsenden Märkten nimmt das Know-how zu – die Produktion zunehmend komplexerer Chemikalien und Waren wird zu ganz anderen Arbeits- und Energiekosten möglich. Die Chemie in Rheinland-Pfalz ist ein Hochlohnland und die steigenden Energiekosten sind ganz klar ein Standortnachteil. Es ist und bleibt dringend,
hier die Kostenexplosion einzudämmen.

Konjunkturdaten Chemie 2017

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