Die Zukunft wird verprasst – Deutschland konsumiert zu viel und investiert zu wenig

Peter Jansen - Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Peter Jansen

Schatzmeister der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Die Ausgaben des Bundes sind zwischen 2014 und 2017 um 10,9 Prozent gestiegen. Wurden die Budgets nur aufgestockt oder wurde auch in die Zukunft investiert und damit ein Anreiz für eine nachhaltige Zukunft gesetzt? Erschreckend ist, dass Deutschland hier noch viel Nachholdbedarf hat. Gerade mal 5,4 Prozent oder rund 17,7 Milliarden des Bundeshaushaltes 2017 entfallen auf Forschung und Entwicklung. Stattdessen gibt es geplante Mehrkosten in der Rentenpolitik und weitere teure sozialpolitische Vorhaben. Betrugen die Sozialausgaben 1991 noch 395 Milliarden Euro, so wird geschätzt, dass diese bis 2021 auf 1.091 Milliarden Euro ansteigen. Warum verfallen Politiker eigentlich immer dem Reflex, dass, sobald Geld da ist, alles mit vollen Händen wieder rausgeworfen wird? Die Agenda 2010 hatte doch einen beängstigenden Hintergrund. Unsere jetzige Stärke haben wir doch gerade wegen der Reformen zurückgewonnen, die jetzt wieder einkassiert werden. Können wir alle Herausforderungen schaffen? Energiewende, alternde Gesellschaft sowie den Wandel durch neue Technologien gleichzeitig zu stemmen ist eine sehr große Herausforderung für Staat und Wirtschaft.

Allein die aktuelle Diskussion über das Ende von Verbrennungsmotoren bei gleichzeitig fehlendem Gesamtkonzept für die Elektromobilität stimmen nachdenklich. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Veränderungen angestrebt werden, ohne die Folgen zu bedenken, ist Titandioxid: Es wird diskutiert, ob es als krebserregend eingestuft werden soll. In diesem Falle würden alle Produkte mit mehr als 1 % Titandioxid-Anteil zu Sonderabfall. Das hieße unter anderem kein Recycling von weißem Papier mehr. Dabei ist nur der Staub kritisch – so wie  jeder andere Staub auch. Auch die Energiewende verschlingt riesige Finanzmittel und die Unsicherheit steigt bei der Energieversorgung, während europäische Solarunternehmen in Konkurs gehen und ausländische Unternehmen von staatlichen Subventionen in erneuerbare Energien profitieren.

Diese Beispiele lassen sich fortsetzen und zeigen, dass wir uns zunehmend selbst beschneiden und damit die Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolges nehmen. Wir konsumieren unseren Wohlstand, statt zu investieren. Wir verprassen die Gelder und verpassen dabei die Chance, in einen nachhaltigen Wohlstand zu investieren. Die Auslandsinvestitionen gewinnen für die Unternehmen an Bedeutung - zunehmend auch aus Kostengründen am heimischen Standort. Gefragt ist ein Umdenken in unseren Zukunftsfragen, statt weiter darauf zu hoffen, dass die Unternehmen in Deutschland irgendwie durchhalten.

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