360° Ausbildungsmarketing

Kind mit VR-Brille auf Chemie-Messe-Stand

VR-Brillen, derzeit noch als schwarze oder weiße Kästen auf den Gesichtern bekannt, lassen die Betrachter in eine virtuelle dreidimensionale Welt eintauchen. Der Effekt: Der Betrachter glaubt, er sei direkt vor Ort.

Wie VR-Filme für das Ausbildungsmarketing genutzt werden können, testeten Auszubildende des Reifenherstellers Michelin in Bad Kreuznach aus. Die technische Ausstattung wird von Elementare Vielfalt kostenfrei verliehen: Smartphone, 360°-Kamera, Stativ und VR-Brille. In einem eintägigen Workshop lernten die Azubis, was bei einem Storyboard für VR-Filme beachtet werden muss und wie man mit solchen Kameras richtig gute Aufnahmen machen kann. Den Rest des Weges gingen die jungen Menschen selbständig weiter: Storyboard erstellen, Drehorte festlegen, organisatorische Abstimmungen im Betrieb, Videoschnitt und letztlich die Freigabe  durch das Unternehmen. Den Lackmus-Test hat der VR-Film auf der örtlichen Ausbildungsmesse im Februar bestanden. Die Besucher waren begeistert. Insgesamt verlief das Projekt so erfolgreich, dass sich das Werk eine eigene Ausstattung gekauft hat, um weitere Filme zu drehen. Und die Azubis haben noch weitere Ideen für VR-Filme. Zum Beispiel Lehr-Videos in der Ausbildung.

SocialMediaHeros auf dem BarCamp Chemie

Dass Auszubildende auf Messen und bei Schulbesuchen über den Beruf und das Unternehmen sprechen, ist im Ausbildungsmarketing gängige Praxis. Da die jungen Generationen in den sozialen Medien fast selbstverständlich unterwegs sind, können Beschäftigte auch dort zu Botschaftern werden – bewusst oder unbewusst. Wie agieren junge Menschen in den sozialen Medien und was bedeutet das für die Unternehmen der Chemie-Branche?

In einem Fokusgruppentreffen im Februar dieses Jahres trafen sich 25 Auszubildende und junge Beschäftigte, um dieser Frage nachzugehen. Die Ergebnisse waren spannend und führten zu dem Ergebnis, dass für Anfang Juni ein BarCamp geplant wurde. Hier sollten die relevanten Themen der #SocialMediaHeros in Sessions besprochen werden, zum Beispiel das Projekt „VR-Videos bei Michelin“, „persönliche Angriffe im Netz – wie gehe ich damit um?“ oder „Was darf ich posten?“.

Da ein BarCamp so noch nicht durchgeführt wurde, gingen die  Chemieverbände auch hier einen neuen Weg. Zum Redaktionsschluss lagen die Ergebnisse des Camps noch nicht vor. Wie das BarCamp verlaufen ist und was Sessions sind, lesen Sie online unter www.barcamp-chemie.de.

UPTA – die Experten-Cloud

Dr. Hubert Lendle und Dr. Dominique Bäumer

Einen positiven Beitrag zur Unternehmensentwicklung leisten, dies ist einer der Ansprüche, die Geschäftsführer der Mitgliedsunternehmen an die Verbandsarbeit stellen. Einen solchen Nutzwert bietet zum Beispiel der Expertenkreis UPTA – der Umwelt Produkte Technik Ausschuss des VCI-Landesverbandes.

Chemikalienrecht, Anlagensicherheit, Bodengutachten und Genehmigungsverfahren. Diese und mehr Themen beschäftigen die Unternehmen am Standort ganzjährig. Regelmäßig sind dazu die Fachleute des UPTA im Austausch miteinander, wie eine Experten-Cloud, die sich gegenseitig mit Wissen unterstützt. Darüber hinaus lädt der VCI Rheinland-Pfalz die Experten zweimal im Jahr zu einem themenorientierten Austausch ein. Im letzten Jahr stand die Sicherheit auf der Agenda der Experten.

„In der chemischen Industrie arbeiten wir mit Risiken. Sie sind eine imaginäre Größe, die da ist und nicht ausgeschaltet werden kann. Wir können aber alles tun, um die Risiken zu minimieren. Dies meint Arbeits- und Anlagensicherheit.“ Dr. Hubert Lendle

Szenario: Energieausfall

Die Gesundheit der Mitarbeiter und Nachbarn sowie der Schutz der Umwelt sind den Betrieben der chemischen Industrie sehr wichtig. Die Branche unternimmt große Anstrengungen, um den störungsfreien Betrieb der Anlagen zu gewährleisten. Dies betrifft die Versorgungssicherheit mit Strom, das betriebliche Sicherheitsmanagement sowie die dafür notwendigen Sicherheitsbeurteilungen.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Deutschland einen kompletten Stromausfall erlebt, bekam das Thema „Blackout“ zu Beginn des letzten Jahres eine größere Aufmerksamkeit in den Medien und auch in den Unternehmen. So ist nicht nur die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Stromausfalls für die Unternehmen wichtig, sondern auch, wie handlungsfähig diese in einem solchen Fall sind. In der Analyse ist nicht nur der Betrieb zu betrachten, sondern auch das Umland: Wie reagiert die Bevölkerung in der Umgebung, wenn bei längerem Stromausfall Warmwasser und Lebensmittel knapp werden und der Betrieb durch Eigenstromversorgung zum Ziel der notleidenden Bevölkerung wird?

Arbeitssicherheit neu erzählen

Ein weiteres Thema des Ausschusses waren die Narrative und deren Bedeutung für die Sicherheitskultur in den Unternehmen. So ist die Arbeitssicherheit häufig ein rein technisches oder organisatorisches Thema. Die Art und Weise, wie die Beschäftigten über Sicherheit reden und diese leben, spiegelt diese technische Sichtweise wider: Wenn die Mitarbeiter die Sicherheitsregeln über die Audits hinaus nicht leben, kann eine trügerische Sicherheit auf der Basis von Formalismus entstehen. Unternehmen sollten durch ihre Sicherheitskultur darauf einwirken, dass die Sichtweise der Mitarbeiter und damit deren Identifikation mit Sicherheitsregeln verändert werden.

Gefährdungsbeurteilungen im Betrieb

Seitens der Behörden ist die Struktur- und Genehmigungsbehörde für die Aufsicht der Unternehmen zuständig. Diese gab einen Einblick in die Gefährdungsbeurteilungen und Erfahrungen aus dem Vollzug. Die behördliche Überwachung erfolgt auf der Grundlage verschiedener Gesetze und Verordnungen, deren Anwendung im Betrieb überprüft wird. Darüber hinaus erfolgt auch eine Systemkontrolle in Kombination mit einer Compliance-Prüfung. Damit soll festgestellt werden, ob der Betrieb über der Momentaufnahme des IST-Zustandes hinaus ein funktionierendes System zum Erhalt der Sicherheit implementiert hat.

Die richtige Durchführung, Dokumentation und Verwaltung von Gefährdungsbeurteilungen ist auch ein Anliegen der BG RCI. Den Fachleuten des UPTA stellte ein Vertreter konkrete Beispiele zur Gefährdungsbeurteilung in der Praxis vor. Diese reichen von Merkblättern bis hin zu softwarebasierten Verwaltungstools, die über die Anforderungen der Behörden hinaus den Unternehmen eine handfeste Hilfe bieten.

„Wir bringen die Experten in den Unternehmen mit Fachleuten aus der Wirtschaft, Politik und Behörden zusammen, um den Austausch zu fördern und einen greifbaren Mehrwert für die Arbeit in den Betrieben zu liefern.“ Dr. Dominique Bäumer

Lücken schließen: Energiesicherheit in der Zukunft

Das Energiesystem in Deutschland wird dezentraler und komplexer – in der Zukunft werden als Energieversorger die erneuerbaren Energien an die Stelle der Großkraftwerke treten. So lautet das Szenario von Designnetz, einem Projekt von verschiedenen Partnern aus Stadtwerken, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung. Im Rahmen des UPTA wurden nicht nur das Projekt und die Förderung durch den Bund, sondern auch konkrete Projekte  vorgestellt. Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) erläuterten ihr Projekt des kombinierten Regelleistungskraftwerkes am Standort Ludwigshafen. Das patentgeschützte Projekt verbindet die Vorteile eines Batteriespeichers mit denen einer Gasturbine, um Energie zur Verfügung zu stellen. Aus der Sicht der TWL muss zukünftig die Lücke zwischen Verbrauch und Energieversorgung intelligent gefüllt werden. Zudem werden zukünftig die Netze mehr belastet und die Energieschwankungen zunehmen. In der Folge wird die Nachfrage nach Speichern steigen. Das kombinierte Regelkraftwerk bietet eine hohe Speicherkapazität sowie eine schnelle und langfristige Energieversorgung im Bedarfsfall bei einem Optimum an Wirtschaftlichkeit. Die Grundüberlegungen
und das präsentierte Know-how fanden die anwesenden UPTA-Experten spannend und inspirierend zugleich.

 

Mit dem UPTA am 09.12.2017 verabschiedete sich Dr. Hubert Lendle als Geschäftsführer des VCI Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Er organisierte lange Jahre die UPTA-Sitzungen und auch die Fortbildungen zum Umweltschutzbeauftragten – beides Veranstaltungen mit einem hohen Mehrwert für die Unternehmen. Die Kompetenz und das Netzwerk, welches er in den Jahren seiner Tätigkeit aufgebaut hat, standen ganz im Dienst der Mitglieder. Sein Nachfolger, Dr. Dominique Bäumer, will seine Arbeit und die Erfa-Runden auch weiterhin an den Wünschen der Fachleute ausrichten und einen wertvollen Mehrwert für die Arbeit in den Unternehmen liefern.

Gutes Jahr für die Unternehmen

Mehr Exporte, größeres Bruttoinlandsprodukt und Wirtschaftswachstum: Die Zahlen des statistischen Landesamtes bescheinigen der Wirtschaft im letzten Jahr einen Aufwärtstrend. Neben der Statistik wird deutlich, dass sich der Wettbewerb verschärft und die Unsicherheiten zunehmen.

Chemie gibt Wirtschaft wichtige Wachstumsimpulse

Die rheinland-pfälzische Wirtschaft ist 2017 gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 2,5 Prozentpunkte, welches maßgeblich durch die Industrie im Land getragen wurde. Dabei war die Umsatzsteigerung der Industrie insgesamt mit 8 Prozent ungewöhnlich hoch. Die größten Wachstumsimpulse kamen aus der Vorleistungsgüterindustrie, zu der die chemische Industrie gehört. Und diese erlebte im vergangen Kalenderjahr die dringend benötigte Trendwende: Nach zwei Minusjahren ist der Umsatz wieder gestiegen. Insgesamt erwirtschaftete die chemische Industrie 29,2 Milliarden Euro – das sind 14 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Der gleiche Trend findet sich auch in den Auftragsbüchern mit 13 Prozent mehr Bestellungen
wieder. Allerdings lag die Produktion im Jahresvergleich mit 0,4 Prozent leicht unter dem Vorjahr.

Erfreulich ist, dass sich die Umsatzzuwächse auf eine deutlich stabilere wirtschaftliche Basis stützen können, als es die Branche erwartet hatte: Es gab die erhofften Impulse von den industriellen Abnehmern in Deutschland und Europa. Auch in den sogenannten europäischen Krisenländern zogen die Märkte an. Die chemische Industrie ist exportstark und so profitierte die Branche von einem allgemeinen Exportwachstum. 2017 wurden in fast alle Weltregionen mehr Waren geliefert als noch 2016. So stiegen der Auslandsumsatz um 12 Prozentpunkte auf 20,2 Milliarden Euro und der Inlandsumsatz um 18 Prozentpunkte auf 9 Milliarden Euro an. Zusammen mit einem auf hohem Niveau stabil bleibenden privaten Konsum sorgte dies für eine gute wirtschaftliche Gesamtsituation.

Pharma mit starkem Auslandsgeschäft

Die pharmazeutische Industrie befindet sich bereits seit einigen Jahren in einer Aufwärtsentwicklung, die sich in 2017 fortgesetzt hat – allerdings nicht im Inland. Die Zahlen zeigen eine signifikante Umsatzschwäche (-9 %), die durch einen starken Auslandsmarkt (+20 %) kompensiert wird. Dabei spielen gesundheitspolitische Regulierungen in Deutschland sicherlich eine Rolle. Wenn zum Beispiel der Zusatznutzen eines Medikaments
in Deutschland nicht anerkannt wird und es nur im Ausland auf den Markt kommt, dann schlägt sich das unter anderem im Inlandsumsatz nieder. Insgesamt verbuchten die Pharma-Unternehmen in Rheinland-Pfalz 4,6
Milliarden Euro (+11 %) Umsatz sowie starke Produktionszuwächse (+26 %). Da auch die Auftragseingänge im Jahresdurchschnitt um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen sind, fallen die Erwartungen der Branche für die nächsten Monate entsprechend positiv aus.

Umsatzminus bei Gummi- und Kunststoffwaren

Die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren sind ein sehr heterogener Bereich: Automobilzulieferer, Hersteller von Verpackungen, Folien und Hochleistungskunststoffen sind auf jeweils verschiedenen Märkten aktiv. Dies kann sich auf die Firmen unterschiedlich auswirken. Das verhältnismäßig gute Jahr 2016 relativiert den Umsatzrückgang von 3 Prozent im Jahr 2017 etwas. Dennoch ist ein Minus sicherlich nicht das, was der Branche
hilft. Insgesamt erwirtschafteten die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren 4,6 Milliarden Euro Umsatz, der durch ein starkes Auslandsgeschäft (+10 Prozentpunkte) getragen wurde. Im Inland hingegen, wohin die meisten
Waren verkauft werden, gab das Geschäft um 10 Prozentpunkte nach.

Stabile Ausbildungsbilanz in der Chemie

Viele junge Menschen entscheiden sich für ein Studium, weil Sie glauben, dass die Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten dadurch besser sind. Der Blick in die Betriebe zeigt, dass die Berufsausbildung viele Karrierewege mit guter Bezahlung bietet. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels
aufgrund der Demografie sowie der hohen Zahl der Studierenden bleibt die Werbung für die duale Berufsausbildung eine Herausforderung für die Betriebe.

2017 konnten 1.399 Ausbildungsplätze besetzt werden. Davon entfallen 1.026 auf die klassische Ausbildung, 93 auf ein Duales Studium und 334 auf besondere Fördermaßnahmen, wie die von den Tarifpartnern betriebenen Start-Programme für noch nicht ausbildungsreife Jugendliche.

Bei den Mitgliedsunternehmen des Arbeitsgeberverbandes sind zudem die Quoten für Ausbildung (5,6 %) und Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis (70 %) erfreulich hoch.

Ausblick: Umsätze steigen, Erträge bleiben gleich

Die Unternehmen blicken optimistisch in das Jahr 2018. Dies geht aus einer Umfrage der Chemieverbände unter den Mitgliedsunternehmen hervor, die im März stattgefunden hat: 69 Prozent rechnen mit weiter steigenden
Auslandsumsätzen, 87 Prozent mit steigenden Erzeugerpreisen. 88 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Produktion steigen oder zumindest auf gleichem Niveau bleiben wird.

Die Ertragssituation wird allerdings überwiegend gleichbleibend (42 %) oder sinkend (38 %) eingeschätzt. Zuwächse bleiben nach dieser Einschätzung aus. Als Hauptgründe werden die Entwicklungen der Arbeitskosten (92 %), die Kosten und Verfügbarkeit von Rohstoffen (81 %) sowie die Energiekosten (65 %) genannt.

Ganz deutlich wird aus der Umfrage, dass sich die Wettbewerbssituation nicht verbessert, sondern weiter verschärft. In vielen Bereichen drückt die Konkurrenz aus dem Ausland stärker in den Markt, schon länger bei den
einfacheren und margenschwächeren Produkten, zunehmend auch in den Spezialitäten. In Asien und in anderen wachsenden Märkten nimmt das Know-how zu – die Produktion zunehmend komplexerer Chemikalien und Waren wird zu ganz anderen Arbeits- und Energiekosten möglich. Die Chemie in Rheinland-Pfalz ist ein Hochlohnland und die steigenden Energiekosten sind ganz klar ein Standortnachteil. Es ist und bleibt dringend,
hier die Kostenexplosion einzudämmen.

Konjunkturdaten Chemie 2017

Jubiläum: 5 Jahre Pharmadialog in Rheinland-Pfalz

Rasch füllte sich das Foyer des Forstersaals im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz. Kaffee und Blechkuchen luden schon beim Empfang zu angeregten Diskussionen ein: Am 16. April 2018 folgten rund 100 Vertreter aus der Politik, der Pharmaindustrie, den Verbänden, den Krankenkassen, der Ärzte- und Apothekerschaft, der Mainzer Universitätskliniken u.v.m. der Einladung
zur Jubiläumsfeier anlässlich des 5-jährigen Bestehens des Pharmadialogs Rheinland-Pfalz. Am Pharmadialog beteiligt sind Gesundheits- und Wirtschaftsministerium, die Pharmaunternehmen
aus Rheinland-Pfalz und deren Verbände sowie die IG BCE. In ihren Grußworten unterstrichen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Staatssekretärin Daniela Schmitt aus dem Wirtschaftsministerium die Bedeutung des Pharmadialogs als dauerhafter Plattform für die regelmäßige und intensive Diskussion aktueller pharma- und wirtschaftspolitischer
Themen und bekannten sich ausdrücklich zu dessen Fortsetzung.

Auch die Industrie zeigte sich zufrieden: „Rheinland-Pfalz ist mit seinem Pharmadialog Vorreiter für den fachlichen Austausch in der Pharmabranche. Wir diskutieren dort gemeinsam wichtige Themen wie die Versorgung der Patienten und die Wettbewerbsbedingungen für Hersteller. „Uns ist es wichtig, den Dialog fortzusetzen, um die guten Bedingungen des Standortes zu erhalten und weiter auszubauen“, betonte Stefan Rinn, Landesleiter Deutschland von Boehringer Ingelheim. „Fünf Jahre Pharmadialog zeigen, dass ein konstruktiver Gesprächsrahmen immer ein guter Weg ist, für die Beschäftigten, die Unternehmen und das Land etwas zu erreichen. Das sollten wir fortsetzen“, ergänzte Roland Strasser, Landesbezirksleiter der IG BCE Rheinland-Pfalz/Saarland.

Festredner Professor Theo Dingermann von der Goethe-Universität aus Frankfurt am Main unterstrich in seinem Vortrag „Die Relevanz des Arzneimittels für das moderne Gesundheitssystem“
die erheblichen Behandlungserfolge, die mit Arzneimitteln seit Mitte des 20. Jahrhunderts erzielt worden seien. Arzneimittel seien die Game Changer im Management vieler Krankheiten gewesen, ehemals tödliche seien heute chronisch geworden und manche chronische inzwischen heilbar. „Ich bin ein Fan des Arzneimittels“ rief Dingermann seinen Zuhörern zu.

Und wir sind es auch.

Pharmadialog in Rheinland-Pfalz
Pharmadialog in Rheinland-Pfalz
Pharmadialog in Rheinland-Pfalz

Die Zukunft wird verprasst – Deutschland konsumiert zu viel und investiert zu wenig

Peter Jansen - Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Peter Jansen

Schatzmeister der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Die Ausgaben des Bundes sind zwischen 2014 und 2017 um 10,9 Prozent gestiegen. Wurden die Budgets nur aufgestockt oder wurde auch in die Zukunft investiert und damit ein Anreiz für eine nachhaltige Zukunft gesetzt? Erschreckend ist, dass Deutschland hier noch viel Nachholdbedarf hat. Gerade mal 5,4 Prozent oder rund 17,7 Milliarden des Bundeshaushaltes 2017 entfallen auf Forschung und Entwicklung. Stattdessen gibt es geplante Mehrkosten in der Rentenpolitik und weitere teure sozialpolitische Vorhaben. Betrugen die Sozialausgaben 1991 noch 395 Milliarden Euro, so wird geschätzt, dass diese bis 2021 auf 1.091 Milliarden Euro ansteigen. Warum verfallen Politiker eigentlich immer dem Reflex, dass, sobald Geld da ist, alles mit vollen Händen wieder rausgeworfen wird? Die Agenda 2010 hatte doch einen beängstigenden Hintergrund. Unsere jetzige Stärke haben wir doch gerade wegen der Reformen zurückgewonnen, die jetzt wieder einkassiert werden. Können wir alle Herausforderungen schaffen? Energiewende, alternde Gesellschaft sowie den Wandel durch neue Technologien gleichzeitig zu stemmen ist eine sehr große Herausforderung für Staat und Wirtschaft.

Allein die aktuelle Diskussion über das Ende von Verbrennungsmotoren bei gleichzeitig fehlendem Gesamtkonzept für die Elektromobilität stimmen nachdenklich. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Veränderungen angestrebt werden, ohne die Folgen zu bedenken, ist Titandioxid: Es wird diskutiert, ob es als krebserregend eingestuft werden soll. In diesem Falle würden alle Produkte mit mehr als 1 % Titandioxid-Anteil zu Sonderabfall. Das hieße unter anderem kein Recycling von weißem Papier mehr. Dabei ist nur der Staub kritisch – so wie  jeder andere Staub auch. Auch die Energiewende verschlingt riesige Finanzmittel und die Unsicherheit steigt bei der Energieversorgung, während europäische Solarunternehmen in Konkurs gehen und ausländische Unternehmen von staatlichen Subventionen in erneuerbare Energien profitieren.

Diese Beispiele lassen sich fortsetzen und zeigen, dass wir uns zunehmend selbst beschneiden und damit die Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolges nehmen. Wir konsumieren unseren Wohlstand, statt zu investieren. Wir verprassen die Gelder und verpassen dabei die Chance, in einen nachhaltigen Wohlstand zu investieren. Die Auslandsinvestitionen gewinnen für die Unternehmen an Bedeutung - zunehmend auch aus Kostengründen am heimischen Standort. Gefragt ist ein Umdenken in unseren Zukunftsfragen, statt weiter darauf zu hoffen, dass die Unternehmen in Deutschland irgendwie durchhalten.

Digitalisierung nervt!? – Über Hype und Nutzen für die Unternehmen

Digitalisierung nervt

Die digitale Revolution hat begonnen – so eine häufige Überschrift in den Medien. Während die Konsequenzen für die unternehmerische Praxis meist unklar sind, liest man oft austauschbare Floskeln vieler „Experten“.

„Unsere Digitalisierung ist abgeschlossen – die Anlagen sind automatisiert, deren Steuerung erfolgt digital und unsere Bürokommunikation erfolgt per E-Mail“ – hinter dieser Aussage eines Unternehmers verbirgt sich mehr als eine bloße Feststellung. Bereits heute ist die Prozessleittechnik digitalisiert und die chemische Industrie beschäftigt kreative Köpfe, die Wissen sammeln, auswerten und für die Unternehmen nutzbar machen – in der Forschung und Entwicklung oder Prozessoptimierung.

Warum nervt Digitalisierung?

Daher wird die aktuelle Diskussion von zunehmend mehr Unternehmern wahrgenommen als Industrie 4.0-Phrasen-Drescherei mit allgemeinen Floskeln. Mitunter erscheinen die Manager genervt von inflationären Disruptiv-Weisheiten und austauschbaren Erläuterungen zu Vorteilen von Big Data und dem Internet der Dinge. Fast schon belästigt von Beratern und Experten, fehlt es den Geschäftsführern an Optionen und Hinweisen zum konkreten Nutzen im Betrieb. Wenig hilfreich ist dabei das Marketing-Sprech, welches bekannte Prozesse durch neue Begriffe erklärt und damit bei den Entscheidern nichts bewirkt.

Was ist dran an der vierten industriellen Revolution?

Momentan sind noch nicht alle Vorteile der Digitalisierung ersichtlich. Auch, weil wir an vielen Stellen erst am Anfang stehen. Unternehmen, die sich derzeit damit beschäftigen, stecken in einer Trial-and-Error-Phase. Dies bedeutet auch Umdenken in der Erwartungshaltung: Den einen großen Wurf, der das Unternehmen revolutioniert, gibt es nicht. Aber Ideen, die einzelnen Schritten in der Realität getestet werden, sind durchaus denkbar. Wie das funktionieren kann, zeigte ein Treffen der Ausbilder in Ludwigshafen. Die Fachgruppe, die sich regelmäßig unter dem Dach der Chemieverbände Rheinland-Pfalz trifft, erlebte die Digitalisierung in der Ausbildung der BASF – mit Tablets, Lernsoftware und Augmented Reality. Hier wurde deutlich, dass mit smarten Projekten sichtbarer Erfolg möglich ist.

Die Digitalisierung hat gerade in der Chemie viele Facetten – mehr als mancher externer Berater meint. Die zwei Branchenverbände bieten bereits Tools und Studien an, um die Unternehmen auf dem Weg zum Standard von morgen zu begleiten. In seiner Chemie 4.0-Studie veröffentlichte der Verband der Chemischen Industrie, wie die Branche von der Digitalisierung profitieren kann: Nicht nur durch Effizienz in der Produktion, sondern auch durch datenbasierte

Betriebsmodelle oder neue digitale Geschäftsmodelle. Auch Tools für den innerbetrieblichen Innovationsprozess gehören dazu. Die Chemiearbeitgeberverbände bieten den Mitgliedern eine Toolbox „Arbeiten 4.0“ an. Unter dem Dach des Bundearbeitgeberverbands Chemie entwickelten Vertreter aus Unternehmen und Verbänden Checklisten, Leitfäden und  Handlungsempfehlungen. Sie enthalten praxisbewährte Umsetzungstipps zu den Auswirkungen der technischen Seite der Digitalisierung. Dabei liegen die Schwerpunkte der Themen auf ort- und zeitflexibles Arbeiten, Aus- und Weiterbildung, gutes und gesundes Arbeiten sowie Beschäftigtendatenschutz. Die Toolbox 4.0 ist im Mitgliederbereich unter www.chemie-rp.de abrufbar.

Gibt es einen Zwang zum Handeln?

Zwar sieht Deloitte für die chemische Industrie keinen dringenden Handlungsbedarf (vgl. Überlebensstrategie „Digital Leadership“, 2015, S. 5 „Lange Lunte, kleiner Knall“). Am Beispiel der Ausbildung kann man jedoch erkennen, dass fünf oder auch acht Jahre keine lange Zeit sind. Denn die Aufgabe in der Ausbildung besteht darin, die jungen Menschen auf den zukünftigen Arbeitsplatz vorzubereiten. Und bei einer Ausbildungszeit von 3,5 Jahren, sollten die Unternehmen keine Zeit ungenutzt verstreichen lassen, um bereits jetzt Module mit digitalen Lerninhalten in die Ausbildung zu integrieren. Die Chemie-Sozialpartner haben bereits die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, da ab August eine solche Möglichkeit in der Ausbildungsverordnung zum Chemikanten vorgesehen ist. Der Fokus sollte jedoch nicht nur darauf liegen, wie die Azubis auf den zukünftigen Arbeitsplatz vorbereitet werden können. Auch die Ausbilder müssen berücksichtigt werden, die ihre Erfahrungen in den chemischen Herstellungsprozessen mit den neuen technologischen Möglichkeiten in der Lehre verknüpfen müssen.

Vernetzen wir uns!

Besonders wir in der verarbeitenden Industrie stehen vor der Herausforderung, dass bestehende Geschäftsmodelle nicht einfach über Bord geworfen werden können, weil jetzt alles disruptiv sein muss. Damit stellt sich wieder die Nutzenfrage, da es auch zukünftig noch Unternehmen geben muss, die reale Produkte herstellen. Diese Frage kann am ehesten beantwortet werden, wenn die Kenntnis der eigenen Prozesse im Unternehmen mit dem Wissen über technologische Möglichkeiten abgeglichen werden. Nur so kann definiert werden, wo sich der Einsatz neuer Technologien lohnt. Ineffiziente Prozesse durch Digitalisierung schneller zu machen, greift zu kurz. Hilfreich ist dabei, die Fachleute aus allen Bereichen des Unternehmens an einen Tisch zu bringen.

Digitalisierung muss nicht nerven und kann einen konkreten Nutzen bringen. Über die bereits angesprochenen Tools unterstützen die Verbände ihre Mitglieder, sich in Expertenkreisen mit den digitalen Trends zu befassen und zu bewerten, was Hype und was eine zielführende Entwicklung ist.

Den eigenen Weg finden – Perspektiven in der Chemie

Auch die Berufe unterliegen dem Wandel. Ein Grund mehr, sich rechtzeitig über berufliche Entwicklungswege zu informieren. Der Berufskompass Chemie bot wieder die passende Orientierung.

Die Unternehmen stehen vor einer wachsenden Herausforderung zur Sicherung der Fachkräfte im Betrieb: Die schrumpfende Gruppe der Berufsanfänger strebt immer häufiger höhere Bildungsabschlüsse an und steht so der dualen Ausbildung nicht zur Verfügung. Denn, so denken viele junge Menschen, nur mit einem Studienabschluss können bessere Einkommens- und Karrierechancen erreicht werden. Der dritte Berufskompass Chemie, den die Chemie-Sozialpartner im September 2017 in Frankenthal anboten, widmete sich daher genau diesem Thema.

Technische Expertise zunehmend gesucht

Dr. Michael Zibrowius vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln zeigte auf, dass der Bedarf in den Unternehmen nach Fachkräften groß ist. Nach der Ausbildung eröffnen Weiterqualifizierungen große Entwicklungsmöglichkeiten, denn Praktiker sind gesucht. Und trotz oder gerade durch die Digitalisierung wird dieser Bedarf weiter steigen. Und er machte deutlich, dass Ausbildung ein Karrieresprungbrett ist – auch ohne Abitur. So hat der typische Ausbildungsabsolvent gegenüber dem Hochschulabsolventen mehr Berufserfahrung und daher mehr Weisungsbefugnis und ist häufiger direkter Vorgesetzter. Grundlage sind eigene Erhebungen sowie die Erwerbstätigenbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung und dem Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

„Veränderungen hat es immer gegeben, die berufliche Bildung hält Schritt – sie wird es auch mit der Digitalisierung tun.“
Dr. Michael Zibrowius

Lebenslanges Lernen zahlt sich aus

Neben den demografischen Herausforderungen und veränderten Bildungstrends bestimmt besonders die Digitalisierung die Entwicklung zukünftiger Berufsbilder. Die Nachfrage nach qualifizierten Beschäftigten ist hoch und wird es auch zukünftig bleiben. Zunehmend gefragt sind technische Expertise und die Bereitschaft, ein Leben lang zu lernen. Ausbildung bietet gute Verdienst- und Karriereperspektiven – es muss nicht immer ein Studium sein. Die veranschaulicht auch das Bild zu diesem Text: Das Ansehen des Studiums ist gesellschaftlich höher, aber mit einer fundierten Ausbildung gibt es sehr gute Perspektiven für die berufliche Karriere.

Erfolg ist nicht immer das, was man sieht.

Neue Wege in der Verbandsarbeit

Christian Metzger

Christian Metzger

Vorstandsvorsitzender der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Wir leben im Wandel. Die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen führen zu einer Veränderung hin zu mehr Transparenz und Dialog. Moderne Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten werden gezielt genutzt, um sich zu vernetzen und auszutauschen. So verändern die sozialen Medien die politische Kommunikation und die Öffentlichkeit hinterfragt Positionen kritischer. Zudem gibt es neue Anforderungen an die Arbeitswelt sowie Veränderungen in den Geschäfts- und Personalleitungen der Unternehmen. Und wenn eine Branche im Wandel ist, dann ist es selbstverständlich, dass auch der Verband neue Wege geht. Die Chemieverbände tun dies auf vielfältige Art und Weise, die es lohnt, hier genannt zu werden:

Bereits seit 2009 sind wir mit dem Twitterkanal @chemie_rp und seit 2013 mit dem Ausbildungsblog chemie-azubi.de in der digitalen Kommunikation präsent. Mehr zur Entwicklung des Blogs lesen Sie in diesem Artikel. Ganz neu ist die Einführung eines sozialen Intranets des Verbandes der Chemischen Industrie für eine optimale Vernetzung über die Verbandsgrenzen hinweg. Dadurch können länderübergreifende Abstimmungen schneller und effektiver umgesetzt werden. Für einen besseren Dialog mit der Öffentlichkeit zu Arbeitgeberthemen hat der Bundesarbeitgeberverband Chemie das Projekt „Die Chemie. Dein Arbeitgeber.“ gestartet. Neben einer Webseite gibt es eine App, die schnell und fokussiert die Führungskräfte informiert.

Anfang Juni fand das erste Chemie-Barcamp „SocialMediaHero“ für junge Beschäftigte aus den Mitgliedsunternehmen statt. Es ist ein modernes Format, um neue Impulse für die Arbeit zu schaffen. Den kritischen Dialog zu Gerechtigkeit und Globalisierung führen die Verbände bereits seit ein paar Jahren mit „chemie-impulseRP“. Und das jüngst gestartete Chemie-Magazin „Wir. Hier.“ setzt den Wunsch der Unternehmen um, dass der Verband als „starke Stimme der Chemie“ die Themen der Branche an Beschäftigte, Politik und Medien regionalisiert kommuniziert.

Mit WORK@industry 4.0 haben wir ein neues Format, eine offene Dialogplattform zu 4.0-Themen mit den Chemiesozialpartnern geschaffen. Und im Rahmen einer Transparenzinitiative
haben sich der VCI und Transparency International auf Grundsätze in der Lobbyarbeit verständigt.

Vielleicht haben diese Beispiele Sie neugierig gemacht? Bei Interesse sprechen Sie einfach die Mitarbeiter der Chemieverbände an.

Neue Wege gehen

Chemieverbände Rheinland-Pfalz Jahresbericht 2018

Die deutsche Chemie ist gut aufgestellt und kann auch in Zukunft einer der bedeutendsten Standorte der Welt bleiben. Dafür braucht es aber richtige strategische Entscheidungen. Denn der Wettbewerb wird intensiver: 40 Prozent der chemischen Erfindungen kommen mittlerweile aus Asien. Um weiter erfolgreich zu sein, müssen Politik und Unternehmen bekannte Pfade überdenken und auch verlassen.

Die deutsche Chemie steht gut da. Unser Geschäftsmodell trägt sehr gut, unsere Waren werden weltweit stark gefragt und gegenwärtig bringen auch klassische Produkte und Grundstoffe gute Ergebnisse. Gleichzeitig ist die Welt in Bewegung: politische Unsicherheiten nehmen zu, Marktzugänge werden schwieriger und Asien gewinnt Marktanteile sowie Know-how. Neue Geschäftsmodelle und Innovationen stehen im Raum – auch, aber nicht nur durch die Digitalisierung.

Welche Rolle spielt hier die deutsche und damit auch rheinlandpfälzische Chemie? Fallen wir global zurück oder schaffen wir es, weiter an der Spitze zu bleiben? Mit einem teuren Standort brauchen wir dazu die besten Produkte, Köpfe und Geschäftsideen. Dafür müssen wir unsere bestehenden Stärken ausbauen – aber auch neue Wege gehen.

Lassen bestehende Regulierungen neue Wege zu?

Im hochregulierten Deutschland ist es nicht einfach, Innovationen an den Markt zu bringen und neue Technologien zu nutzen. Gentechnik und Nanotechnologie sind Beispiele. Der Koalitionsvertrag verspricht Verbesserungen und wir werden die Politik an ihrem Wort messen. Insgesamt sind Ansätze für eine gute Industriepolitik in Berlin und Brüssel erkennbar, zum Beispiel mit dem Bündnis „Zukunft durch Industrie“ und der Initiative „Better Regulation“. Auf Landesebene gibt es in Rheinland-Pfalz den industriepolitischen Dialog. Doch das Umfeld für industrielle Produktion und Forschung hat sich kaum verbessert. Die Regulierung wird immer engmaschiger und die Kosten höher.

In neue Wege investieren – leichter gesagt als getan

Als weitere gravierende Hemmnisse gelten laut ZEW*-Befragungen ein zu hohes wirtschaftliches Risiko und zu hohe Innovationskosten. Die Bedeutung der Hemmnisse hat so stark zugenommen, dass dies zur Einschränkung von Innovationsaktivitäten beitrug, indem diese verzögert, abgebrochen oder erst gar nicht begonnen wurden. Laut ZEW** hat zwischen 2011und 2013 jedes siebte KMU seine Innovationsprojekte aufgrund fehlender Mittel zurückgestellt.

„Ideen haben wir genug. Nur solange sich unsere Entwickler mehr mit Gesetzgebung beschäftigen müssen, dauert und bremst das alles.“
Peter Jansen, Geschäftsführer

Der Anteil der FuE-Ausgaben, gemessen am Umsatz, fällt je nach Branche unterschiedlich aus. Den höchsten Anteil mit 9,1 Prozent weist die Elektroindustrie auf. Auf die chemisch-pharmazeutische Industrie entfallen rund 5,6 Prozent der FuE-Ausgaben. Der Schnitt im Verarbeitenden Gewerbe lag bei rund 4,1 Prozent. So die statistischen Zahlen für das Jahr 2015.

Der Verband der Chemischen Industrie setzt sich seit längerem dafür ein, dass die Politik stärkere Anreize für alle Unternehmen bei der Finanzierung setzt, als dies aktuell der Fall ist. Besonders Unternehmen, die Innovationen zur Marktreife bringen und weltweit ausrollen wollen, benötigen oft Venture Capital in hohen zweistelligen Millionenbeträgen. Steuerliche Forschungsförderung, unbürokratische Projektförderung sowie Wagniskapital (Venture-Capital) sind Stellschrauben, die eine höhere Priorität haben sollten.

Venture-Capital-Gesellschaften haben im letzten Jahr 1,05 Milliarden Euro investiert. Dies gab der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) Anfang dieses Jahres bekannt. Damit wird zwar der Aufwärtstrend bestätigt, gemessen am BIP liegt Deutschland im europäischen Vergleich jedoch weiterhin auf den hinteren Plätzen und unter dem EU-Schnitt.
Daneben stehen EU-weit Fördermittel zur Verfügung, die jedoch von den Unternehmen oft nicht abgerufen werden. Grund ist, dass die Beihilferegeln der EU für Forschung, Entwicklung und Innovation zu komplex geworden und damit kaum noch praktikabel anzuwenden sind. In der Folge forschen Unternehmen nur noch intern oder stellen die Projekte zurück. Damit bleiben Chancen ungenutzt, um neue Produkte und Verfahren zu entwickeln.

Innovationen ruhen auf wenigen Schultern

Die ZEW-Studie zur „Rolle von KMU für Forschung und Innovation in Deutschland“ kommt zu dem Ergebnis, dass sich insbesondere in kleineren Unternehmen die Innovationsprozesse auf einige wenige Personen im Unternehmen konzentrieren – meist Geschäftsführer und leitende Angestellte im Produktions- und Vertriebsbereich. Aufgrund der Verantwortung für verschiedene Aufgabenbereiche dieser Personen und deren hohe zeitliche Belastung kann es zu Schwierigkeiten in der Umsetzung von Innovationsprojekten führen und den Erfolg gefährden.

Doch selbst wenn sich Unternehmen aktiv nach einem Start-Up als Partner umschauen, werden diese lange suchen müssen. Denn es ist in Deutschland durchaus ein Standortnachteil, dass es keine echte Start-Up-Kultur gibt. Die Hauptstadt Berlin hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und gute Beispiele für Start-Ups, insbesondere im IT-Bereich,hervorgebracht. Doch eine vergleichbare Gründungsdynamik in den anderen Metropolregionen bleibt derzeit noch aus.

Neue Wege gehen für eine erfolgreiche Zukunft

Die Chemie ist innovativ – bei der Verbesserung bestehender und der Entwicklung kundenspezifischer Produkte. In Rheinland-Pfalz gibt es gute Beispiele, über die wir im Chemie-Magazin „Wir. Hier.“ regelmäßig berichten. Die Unternehmen der Branche sind nicht nur erfolgreich bei kundenorientierten Innovationen, sondern auch bei Neuerungen. Die Chemieverbände Rheinland-Pfalz bieten als Dienstleister die Möglichkeit des brancheninternen Austausches. Im Netzwerk der Unternehmen können bestehende Herausforderungen praxisnah erörtert werden. Denn die Unternehmen stehen bei ihren Bestrebungen für mehr Innovation vor vielfältigen Herausforderungen, wie in Gesprächen immer wieder deutlich wird.

Die Herausforderungen liegen neben dem hohen bürokratischen Aufwand und dem ausgeprägten Regulierungswillen des Gesetzgebers auch in unserer Einstellung zu neuen Wegen. In Gesellschaft, Politik und Wirtschaft scheint zum Teil die Freude an der Entdeckung neuer Wege zu fehlen. Die Chemieverbände begleiten ihre Mitgliedsunternehmen auf den neuen Pfaden. Das wünschen wir uns von der Politik auch.

Welche neuen Wege bei den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz beschritten werden, lesen Sie im Kommentar von Christian Metzger.

* ZEW Befragungen zwischen 2006 und 2010
** Studie „Rolle von KMU für Forschung und Innovation in Deutschland“ aus dem Jahr 2016, bezieht sich auf die Jahre 2011 und 2013

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