2016 - Stagnation in der größten Industriebranche Rheinland-Pfalz

Stagnation in der größten Industriebranche Rheinland-Pfalz

Zum wenig dynamischen Geschäftsjahr 2016 der chemisch-pharmazeutischen Industrie auf Bundesebene hat die Chemie in Rheinland-Pfalz mit einem Wachstum nahe der Nulllinie und einem anhaltenden Negativtrend bei den Umsätzen beigetragen.

Die Chemie in Rheinland-Pfalz wächst nicht. Auch wenn positive Unternehmensbeispiele einen anderen Eindruck vermitteln, sehen die Chemieverbände diese Entwicklung mit Sorge. Denn während die globale Chemiekonjunktur erfreulich ist, gerät die Wettbewerbsfähigkeit des rheinland-pfälzischen Standortes zunehmend unter Druck. So ist die Produktion 2016 mit 0,4 Prozent nur gering gewachsen. Die Entwicklung der Aufträge war im Jahresverlauf sehr volatil. Maßgeblich trugen die starken Monate April (+12,8 %), August (+11,3 %) und Dezember (+11,6 %) zu einem leichten Plus von 1,7 Prozentpunkten im Jahresdurchschnitt bei.

Produktion der Chemiebranche 2016

Nach einem deutlichen Umsatzminus im Vorjahr musste die Chemiebranche 2016 ein weiteres Minus von 5,7 Prozentpunkten auf absolut 25,7 Milliarden Euro hinnehmen. Die vorläufigen Zahlen des statistischen Landesamtes bleiben nicht ohne Auswirkungen. So sank auch die Zahl der Beschäftigten im Durchschnitt um 1,4 Prozentpunkte – zum Jahresende auf 45.300.

Chemiewachstum bleibt zurück

Die Produktion der rheinland-pfälzischen Chemie pendelt seit der Krise um die Nulllinie. Vergleicht man die Entwicklung des Indexwertes, so liegt die Produktion im abgelaufenen Kalenderjahr 1,5 Prozent unter dem Niveau von 2010. Auch in den jüngst veröffentlichten Analysen des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz wird zwar von einem ordentlichen Wachstum der Wirtschaft gesprochen, doch fiel es im Vergleich zum Bundesergebnis unterdurchschnittlich aus. Grund ist die schwächere Entwicklung der Vorleistungsgüterindustrie,
zu der maßgeblich die chemische Industrie zählt. Der Erlösrückgang (-2,2 %) in der Chemie liegt auch am schwächeren Auslandsgeschäft. Dieses ging, gemessen an den Umsätzen, um 6,5 Prozentpunkte gegenüber 2015 zurück.

Umsätze Industrie Rheinland-Pfalz

Druck auf rheinland-pfälzische Standorte wächst

Die Chemie ist beim Wachstum zunehmend das Schlusslicht in der Industrie und droht abgehängt zu werden. So hatte der Fahrzeugbau als eine der wichtigen Kundenindustrien der Chemie in Rheinland-Pfalz im Jahr 2016 ein Umsatzzuwachs von 4,7 Prozentpunkten. Wenn dieser Trend anhält, besteht die Gefahr, dass die chemische Industrie in Rheinland-Pfalz als Stabilitätsanker und Wohlstandsbringer schleichend an Bedeutung verliert. Um zu verhindern, dass die Chemie den Anschluss verliert, müssen an verschiedenen Stellen Kostenbremsen gefunden werden – zum Beispiel bei den Strompreisen. Zudem braucht die Branche zukünftig eine aktive Industriepolitik, unter anderem durch eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung.

Umsatz Chemie 2016 Quartalsvergleich zu 2015

2017 – mehr Aufträge zu Jahresbeginn

Im aktuellen Jahr 2017 kann die Branche im Land fast 9 Prozent mehr Aufträge verzeichnen, was optimistisch stimmt. Allerdings hat die Produktion weiterhin Nachholbedarf: Diese stieg zwar zwischen Oktober 2016 und Februar 2017 deutlich an (+14 Prozent). Doch fallen Januar und Februar 2017 schwächer aus als im Vorjahr (-4,1 %). Vor dem Hintergrund dieser wirtschaftlichen Entwicklung benötigt die chemische Industrie eine Politik, die stabile Rahmenbedingungen und Sicherheit bringt, statt zusätzlicher Belastungen. Lesen Sie dazu auch Positionen zur Bundestagswahl 2017 auf Seite 16.

Pharma mit schwachem Auslandsgeschäft

Im Jahr 2016 betrug der Umsatz der Pharma-Branche 4.437,6 Millionen Euro und ging damit um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahreswert zurück. Aufgrund des starken Jahres 2015 verzeichnet die Branche damit einen Rückgang auf einem hohen Niveau. So legte das Inlandsgeschäft zu (+4,5 %), konnte aber das Minus des Auslandsgeschäftes (-3,3 %) nicht ausgleichen.
Die Entwicklung der Preise und Produktion blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Im Dezember 2016 beschäftigten die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie rund 12.000 Menschen.

Kunststoffverarbeitende Industrie und Gummiwarenhersteller mit Plus

Ein Wachstum in allen Bereichen gab es bei den Reifenherstellern und Kunststoffspezialisten, das maßgeblich vom starken Plus bei den Kunststoffverarbeitern getragen wird. Die Umsätze der Gummi- und Kunststoffunternehmen legten um 7,8 Prozentpunkte auf 5.472,8 Millionen Euro zu. Dabei wuchs das Auslandsgeschäft stärker (+8,8 %) als das Inlandsgeschäft
(+6,2 %). Ende des Jahres 2016 hatte dieser Wirtschaftszweig 22.612 Beschäftigte.

Ausbildung: Zahl der unbesetzten Stellen steigt

Die chemische Industrie zahlt überdurchschnittlich und bietet eine Ausbildung mit Perspektiven. Dennoch haben die Unternehmen der Branche zunehmend Schwierigkeiten, die freien Ausbildungsplätze mit geeignetem Nachwuchs zu besetzen. Dies war ein Ergebnis der Sozialpartnergespräche am „runden Tisch für Arbeitsmarktfragen“. So wurden 2016 zwar
1.463 Ausbildungsplätze durch die Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz angeboten. Doch die Schere zwischen Angebot und tatsächlicher Besetzung geht bei bestimmten Berufen weiter auseinander. So bei den Chemikanten – hier spüren die Unternehmen die rückgehenden Bewerberzahlen am deutlichsten.

Von den angebotenen Ausbildungsplätzen entfallen 1.038 auf die klassische Ausbildung, 83 auf ein Duales Studium und 342 auf besondere Fördermaßnahmen, wie das von den Tarifpartnern betriebene Projekt StartPlus für noch nicht ausbildungsreife Jugendliche. Von den angebotenen Ausbildungsplätzen konnten 1.305 besetzt werden.

Beschäftigungsentwicklung Chemie 2016

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