Chancen der Digitalisierung nutzen

Digitalisierung – Schutz und Chancen in Einklang bringen

Egal ob Technik-Messen oder smarte Unternehmen der Zukunft: Es gibt nahezu endlos viele Medienberichte über die mögliche zukünftige Industrieproduktion. Sicher ist, dass die Digitalisierung den Unternehmen viele Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen bietet. Doch wie genau sich dieser Prozess gestalten wird, ist noch offen. In der politischen Diskussion setzen sich die Chemieverbände daher dafür ein, bei gesetzlichen Regelungen die notwendigen Handlungsspielräume für die Unternehmen zu erhalten. Während der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) die Arbeit 4.0 im Fokus hat, konzentriert sich der Verband der Chemischen Industrie (VCI) auf Chemie 4.0. Die politischen Standpunkte der Chemieverbände haben wir in diesem Jahresbericht aufgelistet:

Chemie 4.0 – Digitalisierung und Wertschöpfungsstrukturen der Zukunft

Die chemisch-pharmazeutische Industrie braucht jetzt Weichenstellungen der Politik, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb zu den digitalen Gewinnern gehört:

  • Die Infrastruktur für die Telekommunikation muss rasch ausgebaut werden. Wir brauchen ein Netz, das schnell, flächendeckend und stabil ist. Es ist wichtig, dass in Deutschland und Europa ein leistungsfähiges Sicherheitsnetzwerk aufgebaut wird. Auch die Behörden selbst müssen dabei den erforderlichen Sicherheitsstandards genügen. Anbieter von IT-Komponenten
    (Hard- und Software) sind in Bezug auf das Monitoring und die Abstellung von IT-Sicherheitslücken im Rahmen der Produkthaftungsgesetze stärker in die Verantwortung zu nehmen.
  • Maschinendaten müssen so nutzbar sein, dass Innovationen bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen ermöglicht werden. Hierbei sind vertragliche Vereinbarungen für die Nutzung und den gesicherten Umgang von Daten gesetzlichen Regelungen vorzuziehen. Know-how-Schutz ist zu gewährleisten.
  • Bei personenbezogenen Daten ist ein ausbalancierter Ansatz zwischen Schutz und Datennutzung erforderlich.
  • Die Politik muss sich für geeignete, praxistaugliche und stabile Rahmenbedingungen für den internationalen Datenaustausch einsetzen.
  • Die rechtlichen Unklarheiten, die sich aus der Digitalisierung bei Haftung, Wettbewerb und Exportkontrolle ergeben, können Innovationen be- und verhindern. Hier ist eine zügige Prüfung auf erforderliche Klarstellungen notwendig, ohne ein enges Regulierungskorsett zu schnüren.
  • Die Entwicklung einer Start-up-Kultur muss unterstützt werden, auch durch Instrumente der Wagniskapitalförderung.
  • Nationale oder europäische Alleingänge in Richtung einer digitalen Souveränität greifen in der Industrie 4.0 zu kurz. Digitale Souveränität für Europa darf weder zu Abschottung und Sonderwegen noch zu Anreizen führen, unterlegene Technologien zu nutzen.

Freiheit wagen – Arbeiten 4.0 gestalten

Wurde bislang weitgehend die technologische Seite der digitalen Transformation in den Blick genommen, gilt es jetzt, den damit einhergehenden Wandel der Arbeitswelt ernst zu nehmen. Wir brauchen ein neues Leitbild für die Beschäftigten in der Arbeitswelt 4.0.

Herausforderungen als Chance begreifen

  • Die künftige Arbeitswelt ist für uns keine Bedrohung, sondern ein Gestaltungsraum, mit dem sich Arbeitsleben und Privatleben besser in Einklang bringen lassen.
  • Die bisherigen Transformationen in Branchen, Berufsbildern und Tätigkeiten – Arbeiten 1.0 bis 3.0 – konnten immer gemeistert werden. Davon ist auch für Arbeiten 4.0 auszugehen.

Überzeugende Lösungen entwickeln – wenn möglich, mit unserem Sozialpartner

  • Aus- und Weiterbildung: Bildung ist der Schlüssel für die Innovationskraft einer sich digitalisierenden Chemie. Die technologieoffenen Ausbildungsordnungen bedürfen aber keiner aktionistischen Anpassung. Weiterbildung muss sich am betrieblichen Bedarf orientieren.
  • Moderne und flexible Arbeitsformen: Die Digitalisierung der Arbeitswelt verlangt Zeit- und Ortsflexibilität sowie eine lebensphasenorientierte Ausgestaltung von Arbeitszeit.
  • Gesunde Arbeit: Eigenverantwortung und Gesundheitskompetenz der Beschäftigten müssen gestärkt werden.
  • Mitbestimmung: Die Teilhabe der Beschäftigten an Entscheidungsprozessen ist ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. Partizipation muss aber auch im digitalen Zeitalter funktionsfähig bleiben.
  • Beschäftigtendatenschutz: Daten sind der Rohstoff der digitalen Ökonomie; sie sind Ressource für effizientere betriebliche Abläufe und neue Geschäftsmodelle. Beschäftigtendaten müssen gleichwohl einen weiterhin hohen Schutzstandard genießen.

 

Subsidiarität ermöglichen, Freiheit wagen

  • Wir wollen die digitale Zukunft gemeinsam mit unserem Sozialpartner gestalten: tarifvertraglich und branchenspezifisch.
  • Die Zukunft ist ungewiss. Statt die digitale Transformation präventiv – und womöglich völlig fehlgeleitet – zu regulieren, brauchen wir Mut zur Freiheit.

 

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