Chemie braucht Offenheit

Chemie braucht Offenheit

„Uns allen wird es auch weiterhin nur dann gut gehen, wenn wir als Gesellschaft respektvoll und offen kommunizieren, um gemeinsam Lösungen für die aktuellen Herausforderungen
zu finden.“

Ein Kommentar von Dr. Harald Schaub, Vorstandsvorsitzender der Chemieverbände Rheinland-Pfalz und Sprecher der Geschäftsführung Chemische Fabrik Budenheim KG, Budenheim

Unseren Wohlstand verdanken wir Deutschen seit Jahrzehnten unserer Weltoffenheit und dem liberalen Handel. Und besonders die chemische Industrie und ihre Beschäftigten leben von einem freien Zugang zu den Märkten. Doch der Trend in der Welt ist ein anderer. Mit Sorge sehe ich auf die zunehmend protektionistischen Entwicklungen: Insgesamt hat sich in den letzten sechs Jahren bei den G20-Staaten die Zahl der importbeschränkenden Maßnahmen fast vervierfacht. Laut WTO belasten über 90 Prozent dieser Maßnahmen, die seit 2008 erlassen wurden, den Industriegüterhandel. Und in den USA haben sich die Wähler für einen Präsidenten entschieden, der sich im Wahlkampf für Schutzzölle aussprach.

Was heißt das für uns? Die Chemie ist die umsatzstärkste Branche in Rheinland-Pfalz – maßgeblich durch den Export. Die Gesellschaft profitiert insgesamt von dem Wohlstand, den die
Industrie erwirtschaftet. Um das auch in Zukunft zu gewährleisten, dürfen wir uns nicht abschotten. Sondern wir müssen gemeinsam in der globalisierten Welt unser Verständnis von sozialer
Marktwirtschaft gegenüber unseren Handelspartnern zum Ausdruck bringen. Das Freihandelsabkommen CETA ist ein erster Schritt dazu. Offenheit bedeutet auch, dass wir uns in die gesellschaftlichen Diskussionen einbringen – zum Beispiel zur Integration der Geflüchteten und zur Digitalisierung der Arbeitswelt. Denn diese Themen bedeuten Veränderungen, die in Teilen der Gesellschaft zu Unsicherheiten führen. Die Fähigkeit zum Dialog entscheidet über den Erfolg dieser Diskussionen. Um eine Akzeptanz in der Gesellschaft für eine gemeinsame Lösung zu erreichen, muss diese Diskussion angstfrei geführt werden. Verdrehte Wahrheiten, sogenannte Fakenews, sowie persönliche und beleidigende Angriffe in der Öffentlichkeit und in den sozialen Medien machen es zunehmend schwieriger, seine Meinung zu vertreten. Ebenso empfinde ich die Begeisterung für politischen Populismus als Besorgnis erregend.

Die chemische Industrie ist bekannt für eine gute und gelebte Sozialpartnerschaft. Im fairen und sachlichen Dialog tauschen wir unsere Argumente aus und respektieren dabei den Standpunkt des Anderen. Das mag nach Außen den Eindruck vermitteln, dass es bei uns nicht spannend zugeht. Jedoch ist dieser Respekt die Grundlage für uns, Lösungen im Konsens zu finden. Und uns allen wird es auch weiterhin nur dann gut gehen, wenn wir als Gesellschaft respektvoll und offen kommunizieren, um gemeinsam Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu finden.

 

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