Editorial

Jahresbericht der Chemieverbände Rheinland-Pfalz 2016-17

Liebe Leserinnen und Leser,

zusammen mehr erreichen – das ist die Grundlage, auf der sich die Mitgliedsunternehmen zu den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz zusammengeschlossen haben.

Mit diesen Worten schloss ich das Editorial des letzten Jahresberichts. Warum ich dieses Jahr damit beginne? Weil dieser Appell wichtiger ist denn je angesichts der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage in der Welt. Das lässt auch die rheinland-pfälzische Chemie nicht unberührt. Die Konjunkturdaten zeigen, dass das Wachstum des traditionsgemäß starken Industriezweigs stagniert.

Die politischen Herausforderungen werden nicht kleiner. Statt den Weg der Offenheit und des freien Handels zu gehen, werden Grenzen geschlossen – und das nicht nur sinngemäß, sondern leider sehr real. Dabei leben Unternehmen vom weltweiten Handel. Es geht nicht nur um Rohstoffe und Produkte, sondern auch um den Austausch zwischen Menschen und Ideen. Die Geschichte zeigt, wie viel mehr wir mit offenen Grenzen erreichen können. Wir machen uns für Offenheit stark und treten in den Dialog mit der Öffentlichkeit, mit den Ministerien und Behörden. Das gilt umso mehr, als die Bundestagswahl 2017 bevorsteht. Worauf es im Dialog ankommt, ist Glaubwürdigkeit. Was diese stützt, sind neben Ehrlichkeit und Transparenz
harte Fakten. Messbarkeit und Überprüfbarkeit sind zwei Kriterien, die wir auch an das große Gesellschaftsthema Nachhaltigkeit anlegen und in der Initiative Chemiehoch3 der Öffentlichkeit zugänglich machen.

„Lassen Sie uns den Weg gemeinsam gehen“; schrieb ich im letztes Jahr. Das haben wir erfolgreich getan, auch bei wichtigen Fachthemen wie Bildung und Gesundheit. Zum Beispiel in Form von mitgliedsinternen Expertenkreisen zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement oder beim öffentlichkeitswirksamen landesweiten Lehrerkongress zum Thema MINT-Bildung. Über beide Seiten – unser öffentliches Engagement und die Fachberatung aus dem Verband – lesen Sie im Jahresbericht. Wagen wir zuletzt noch einen Blick nach vorne. Was wird in den nächsten Monaten auf uns zukommen? Ein wichtiges Thema ist die Europäische Datenschutz-Grundverordnung. Diese beleuchten wir auch im Spannungsfeld der Digitalisierung – ein Megatrend, an dem sich Extreme zeigen: die einen sind in Aufbruchstimmung, die anderen schauen skeptisch auf die zahlreichen Unsicherheiten, die dieser Wandel mit sich bringt. Der Verband positioniert sich hier mit deutlichen Standpunkten. Auch dazu lesen Sie auf den kommenden Seiten. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr

Bernd Vogler
Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände Rheinland-Pfalz

 

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Chancen der neuen Datenschutz-Welt

Chancen der neuen Datenschutz-Welt

Mit der unmittelbaren Geltung der Datenschutz-Grundverordnung ab dem 25. Mai 2018 entsteht eine neue Datenschutz-Welt, in der sich alle Betriebe in Europa, und damit auch die Betriebe der chemischen Industrie in Rheinland-Pfalz, künftig zurechtfinden müssen. Die Anforderungen an den betrieblichen Datenschutz und die damit verbundene Haftung der verantwortlichen Geschäftsführungen werden im Vergleich zum bisherigen Bundesdatenschutzgesetz erheblich gesteigert. Jedoch sind ausreichend Instrumentarien vorhanden, die eine Anpassung an den betrieblichen Bedarf ermöglichen.

Ohne Übertreibung kann man sagen, dass die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein Mammut-Projekt der europäischen Gesetzgebung war, das mit dem Inkrafttreten im Mai 2016 seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Dabei war der Anfang der Reform alles andere als ein Segen für die Arbeitgeber. Nur durch vehementes Insistieren beim Europäischen Parlament in Brüssel – auch durch die Vertretungen der Chemie-Arbeitgeber – konnten schwerere Geburtsfehler vermieden werden. Insgesamt lässt sich aber festhalten, dass die Rahmenbedingungen für eine betriebliche Anpassung gegeben sind.

Datenschutzverstöße und Haftungsminimierung

Eine besondere Motivationslage für datenschutzkonformes Verhalten im Betrieb bietet die Grundverordnung nicht allein durch die erheblichen Bußgelder, die bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes pro Datenschutzverstoß betragen und damit durchaus existenzgefährdend wirken können, sondern auch durch ein ausgeklügeltes System zur Minimierung dieser Haftung. Sämtliche ernst gemeinten Bemühungen zur Einhaltung des Datenschutzes hat die Aufsichtsbehörde bei der Verhängung dieser Bußgelder zu Gunsten des Betriebs zu berücksichtigen (vgl. Info-Kasten 1). Dieses Anreizprinzip kennen viele Unternehmen bereits von Compliance, so dass sich ein System zur Haftungsminimierung künftig mit den vorhandenen Betriebsmitteln gut organisieren lassen sollte. Verantwortlich nach Gesetz ist und bleibt die Geschäftsleitung. Sie kann mit einem wirksamen Datenschutz- und Compliance-System erfolgreich Prävention betreiben.

Chance zum Neustart

Mit der Anwendung der Datenschutz-Grundverordnung zum Mai 2018 bekommen die international agierenden Unternehmen deutlich mehr Handlungssicherheit, da ein einheitliches Regelwerk für die betroffenen europäischen Märkte geschaffen wurde. Grundsätzlich haben deutsche Unternehmen hier den Vorteil der notwendigen Sensibilität und langjährigen
Expertise in der praktischen Umsetzung von Datenschutz und Datensicherheit. Denn die von der EU geforderten Maßnahmen sind bereits Teil der deutschen Standards. Mit Blick auf die Umsetzung der EU-Vorgaben bietet sich den Unternehmen zudem die Möglichkeit, ihre Prozesse und Abläufe auf den Prüfstand zu stellen. Und wer sich früh mit den Anforderungen
befasst, kann dies zum Start im Mai 2018 auch schaffen.

Wesentliche Neuerungen

Unabhängig von den neuen Bußgeldern erweitert die Datenschutz-Grundverordnung zudem die Pflichten der Betriebe im Umgang mit personenbezogenen Daten innerhalb und außerhalb des Unternehmens erheblich. Gleichzeitig werden die Rechte der betroffenen Personen im gleichen Maße erhöht. Bis zu 42 verschiedene Pflichten, die vor allem die Auskunft, aber auch die Sicherheit der Daten betreffen können, kommen auf die Betriebe zu. Allen Regelungen liegen die gleichen neun Grundprinzipien zugrunde (vgl. Info-Kasten 2), deren Beherrschung schon einen Großteil der Herausforderung ausmacht. Beachtet man diese, muss man sich um die 99 Artikel und 172 Erwägungsgründe der Datenschutz-Grundverordnung keine großen Sorgen machen.
Wer sich ferner bisher schon nach dem deutschen Datenschutz gerichtet hat, wird auch in der neuen Datenschutz-Welt auf alte Bekannte treffen.

Datenschutz Infokasten

Betriebliche Gestaltungsmöglichkeiten nutzen

Betriebsvereinbarung und rechtfertigende Einwilligung sind trotz anfänglicher Zurückhaltung des Gesetzgebers für den Umgang mit Beschäftigtendaten nach wie vor unzweifelhaft anerkannt. Diese betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten zum rechtssicheren Umgang mit Daten sind daher unbedingt zu nutzen. Mit der entsprechenden Anpassung der bestehenden Betriebsvereinbarungen an die neuen Grundprinzipien kann die bisherige Datenschutzpraxis zumindest weitgehend fortgeführt werden. Die bisherigen Regelungen sind daher im ersten Schritt auf notwendige Anpassungen hin zu überprüfen (vgl. Grafik zu den ersten Schritten). Neben der gewohnten Unterstützung bei der Verhandlung entsprechender Betriebsvereinbarungen
können unsere Mitgliedsfirmen seit kurzem auch auf die neuen Tools Compliance Manager Chemie RP (CMC) und Datenschutz Manager Chemie RP (DMC) zurückgreifen.

Datenschutz - erste Schritte

Sonderstellung: Beschäftigtendatenschutz

Trotz aller Bemühungen des europäischen Gesetzgebers, den Datenschutz europaweit zu vereinheitlichen, stieß dieser bei der Regelung des Schutzes von Beschäftigtendaten an seine Grenzen. Beschäftigtendaten sind Kernbestandteil der Personalarbeit und der Regulierung durch das nationale Arbeitsrecht. Jeder Mitgliedstaat hat jedoch sein eigenes Arbeitsrechtsregime. Die 28 unterschiedlichen Arbeitsrechts-Systeme konnten nicht im Wege der Datenschutz-Reform vereinheitlicht werden, da es den Rahmen der Reform gesprengt hätte. Daher nahm der europäische Gesetzgeber Öffnungsklauseln in die Grundverordnung auf, die den Mitgliedstaaten das Recht geben, ein eigenes Gesetz zum Beschäftigtendatenschutz zu schaffen. Dieses Recht hat der deutsche Gesetzgeber zuletzt mit seiner am 12. Mai 2017 beschlossenen Reform ausgeübt. Es ist aber offen, ob das neue Bundesdatenschutzgesetz den Vorgaben der Grundverordnung ausreichend entspricht. Im Zweifel muss sich die Personalpraxis ab Mai 2018 allein an der Datenschutz-Grundverordnung orientieren.

Die Zukunft des Datenschutzes

Künftig wird der Datenschutz im Betrieb erheblich an Bedeutung hinzugewinnen. Auch kleinere und mittlere Unternehmen sind hier gefordert. Deren weniger stark ausgeprägte Ressourcen werden von der Datenschutz-Grundverordnung berücksichtigt. Maßstab ist hier die Angemessenheit der Maßnahmen. Gänzlich den Pflichten entziehen können sie sich gleichwohl nicht. Die Regeln der Grundverordnung und ihre Sanktionen gelten zunächst für alle gleich. Der Datenschutz wird künftig besonderer Teil der Compliance und damit auch ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum rechtssicheren Business.

Die Zeit bis zum 25. Mai 2018 ist knapp bemessen, will man die ersten Schritte zur Umsetzung und Anpassung noch rechtzeitig auf den Weg gebracht haben. Dabei dient der Datenschutz keinem Selbstzweck, sondern kann – richtig umgesetzt – Bestandteil der Wertschöpfungskette werden. Diesbezüglich sind Daten im Zeitalter der Digitalisierung wertvoller Rohstoff. Es gilt, die Zeit und die Chancen für den rechtssicheren Umgang mit diesem Rohstoff bis Mai 2018 zu nutzen!

Die zwei Seiten des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM)

Die zwei Seiten des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM)

Im Dialog bietet sich die Chance, durch geeignete Maßnahmen die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten. Doch was ist, wenn eine krankheitsbedingte Kündigung unvermeidlich ist?

Häufige oder länger andauernde Arbeitsunfähigkeit eines Mitarbeiters einzudämmen liegt im Interesse jedes Unternehmens. Ein Instrument hierfür kann das gesetzlich vorgeschriebene
Betriebliche Eingliederungsmanagement (§ 84 Abs. 2 SGB IX) sein. Es eröffnet den Dialog mit dem erkrankten Mitarbeiter und bietet die Chance, durch passende Maßnahmen
den Gesundheitszustand positiv zu beeinflussen. Voraussetzung ist, dass der Mitarbeiter Aussagen zu seinen gesundheitlichen Einschränkungen trifft. Das setzt Vertrauen voraus, welches
durch eine einfühlsame und selbstreflektierende Kommunikation geschaffen werden kann. Dies kann der das BEM-Gespräch Führende nur mit einer entsprechenden inneren Haltung
erreichen, die entstehen kann, indem man sich in den Mitarbeiter hinein versetzt, auch wenn dessen Verhalten abgelehnt wird. Auch kann es helfen, sich eigene Vorbehalte bewusst zu
machen und ggf. auch anzusprechen, wie z.B. „es fällt mir schwer, Ihnen das zu glauben, weil…“.

BEM und krankheitsbedingte Kündigung

So wichtig der Präventionsgedanke ist, in manchen Fällen ist das Leistungsvermögen des Mitarbeiters so eingeschränkt, dass auch nach Abschluss des BEM eine Weiterbeschäftigung
eventuell nicht mehr möglich ist. Kann eine einvernehmliche Trennung nicht erzielt werden, bleibt nur die krankheitsbedingte Kündigung. Eine solche ist jedoch nur erfolgreich,
wenn das BEM-Verfahren den durch die Rechtsprechung aufgestellten formalen Voraussetzungen genügt. Deswegen gilt es, den Spagat zwischen formal korrektem und trotzdem
den Arbeitnehmer zur Zusammenarbeit ermunterndem BEM hinzubekommen. Ein Weg könnte sein, zunächst ein den Präventionscharakter betonendes Schreiben zu versenden und
erst dann, wenn der Mitarbeiter hierauf nicht reagiert, ein allen nach der Rechtsprechung erforderlichen Hinweispflichten genügendes Schreiben zu verwenden.

Service für mehr Rechtssicherheit

Der AGV bietet hierzu Musterschreiben an. Es empfiehlt sich dringend, diese zu verwenden und nicht eigene Texte zu entwerfen, da hierfür eine genaue und umfassende Kenntnis
der Rechtsprechung, welche ständig im Fluss ist, erforderlich ist. Die Entwicklungen in der Rechtsprechung zu verfolgen und die Musterschreiben regelmäßig anzupassen ist eine
Serviceleistung, die der AGV für seine Mitgliedsunternehmen erbringt.

Die Gesundheit strukturieren – ein Kommentar

Die Gesundheit strukturieren – ein Kommentar von Christian Metzger

Ein Kommentar von Christian Metzger, Mitglied des Vorstandes der Chemieverbände RheinlandPfalz und Werkleiter Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA, Bad Kreuznach

„La gaieté, la santé changent l‘hiver en été“.
Charles de Secondat Baron de Montesquieu

Ein französisches Sprichwort besagt: „Fröhlichkeit und Gesundheit verwandeln den Winter in den Sommer.“ Übertragen auf die Wirtschaft bedeutet dies, dass erfolgreiche Unternehmen
eine motivierte und gesunde Belegschaft brauchen. Besonders der Wandel der Arbeitswelt bietet neue Formen der Arbeit. Aber auch die demografische Entwicklung muss besonders in den
Produktionsberufen berücksichtigt werden.

Desto wichtiger ist es, die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Beschäftigten aktiv zu fördern und zu erhalten. Und hier geht es um mehr als gesundes Essen und Besuche im Sportstudio.
Denn der Gesundheitsschutz hat sich in den letzten Jahren vom reinen Arbeitsschutz hin zu einem Gesundheitsmanagement entwickelt. Und auch wenn es in der öffentlichen Wahrnehmung
um dieses Themas etwas ruhiger geworden ist, so rückt das Themenfeld „Gesundheit und Arbeit“ verstärkt in den Fokus der betrieblichen Praxis.

Die häufigsten Ursachen für Ausfalltage sind, so der jüngste BKK-Gesundheitsreport, Muskel- und Skeletterkrankungen, Erkrankungen der Atemwege sowie psychische Störungen. Dabei
sind laut GEDA-Studie von 2012 die älteren Beschäftigten zwar nicht häufiger, dafür deutlich länger erkrankt. Für Unternehmer und Beschäftigte ergibt sich Handlungsbedarf aus verschiedenen Gründen. Zum einen führen Gesundheitsbeeinträchtigungen der Mitarbeiter zu Leistungseinbußen oder gar Ausfällen, und zum anderen wird es im Kampf um junge Talente zunehmend wichtiger, „gesunde“ Arbeitsbedingungen anzubieten.

Zum Gesundheitsmanagement gehört allerdings nicht nur die Verhaltensprävention, bei der die Mitarbeiter unterstützt werden, einen gesunden Lebensstil zu führen. Sondern die
Unternehmen brauchen auch eine passende Führungskultur im Sinne der Verhältnisprävention. Gesundheit wird multikausal beeinflusst und entsprechend vielfältig sind die Ansatzpunkte in
der Personalstrategie.

Unternehmen, die sich mit dem Gesundheitsmanagement beschäftigen, sind auf dem Weg in einen längeren Prozess, der in vorhandene Strukturen eingebunden werden muss oder vorhandene Strukturen verändert. Eine wertvolle Unterstützung bieten die Angebote der Chemieverbände. Daher ermuntere ich unsere Mitglieder, sich Fachwissen aus Ludwigshafen zu holen und
sich am Expertenkreis zu beteiligen, um den Austausch zu fördern und sich gegenseitig zu unterstützen.

Expertenkreis „Betriebliches Gesundheitsmanagement“

Expertenkreis „Betriebliches Gesundheitsmanagement“

Der letzte Tarifabschluss 2016 verlieh dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) nochmals Schwung. Der Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ wurde überarbeitet, der Demografiebetrag kann jetzt auch für einen neuen, zusätzlichen Zweck verwendet werden: die Gesundheitsvorsorge.

Für alle, die BGM betreiben, eine gute Nachricht. Denn BGM ist schon lange Thema in den Betrieben. „Gesunde, motivierte und leistungsfähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind eine wichtige Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg der Unternehmen.“ Dies stellten die Sozialpartner in ihrer Initiative „Gutes und gesundes Arbeiten in der Chemie-Branche“ schon vor über drei Jahren fest.

Was ist überhaupt BGM? Und wie unterscheidet es sich von BGF (Betrieblicher Gesundheitsförderung)? Sind wir in unserem Unternehmen auf dem richtigen Weg? Was machen die anderen Firmen? Das waren die entscheidenden Fragen bei dem ersten Treffen der Ansprechpartner BGM aus den Mitgliedsunternehmen Ende Oktober 2015 in Ludwigshafen. Der AGV lud dazu ein. Die Resonanz war groß; rund zwanzig Ansprechpartner aus den Unternehmen kamen.

Schwerpunkt des halben Tages war der Erfahrungsaustausch anhand der Leitfrage „Welche Gesundheitsmaßnahmen führen wir im Unternehmen durch?“ Heraus kam ein buntes Bild an Angeboten einzelner Maßnahmen und Aktivitäten. Deutlich wurde aber auch der Bedarf an einer Gesamtstrategie zum BGM.

In der Chemie sind Maßnahmen im Rahmen des rechtlichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes selbstverständlich. Einige Unternehmen haben bereits Verfahren zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement implementiert. Darüber hinaus reichte die Palette der Antworten von Vorträgen über Ernährung bis zur Förderung der Mitgliedschaft im Fitnessstudio, von der Durchführung eines Gesundheitstages bis zu Angeboten zur Raucherentwöhnung. Im Wesentlichen also unterstützende Angebote, die zusammengefasst als Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) bezeichnet werden können. Durch den Austausch wurden die Teilnehmer zusätzlich bei der konzeptionellen Entwicklung angeregt, wie zum Beispiel der Schaffung eines Steuerungskreises BGM.

Abgerundet wurde der Vormittag durch den Beitrag „BGM im Mittelstand“ von Oliver Walle, Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, und das Kurzreferat von Dr. Schneider, leitender Werksarzt von Boehringer Ingelheim, zu „BGM rechnet sich“. Darauf aufbauend war klar, was der Expertenkreis von den zukünftigen Treffen erwartet: einen qualifizierten Austausch über ein praktizierbares BGM im Unternehmen. Als Grundverständnis verknüpft BGM also in einem systematischen, ressortübergreifenden Ansatz alle gesundheitsfördernden
Einzelmaßnahmen zu einer ganzheitlichen Struktur: den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeits- und Gesundheitsschutz, das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM), freiwillige Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF), sowie das Schnittstellenmanagement zwischen den gesundheitsrelevanten Gestaltungsfeldern im Unternehmen.

Ausbildungsberufe in der chemischen Industrie Rheinland-Pfalz

Was meinen Sie? In wie vielen Berufen bilden die Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes Chemie in Rheinland-Pfalz aus? „Viele“ kommt oft als Antwort. Das stimmt. Es sind über sechzig verschiedene Berufe, die zurzeit in der Chemie im Land ausgebildet werden. Und das sind nicht nur Berufe im naturwissenschaftlichen Bereich.

Dies ergab die Umfrage zur Berufestruktur in der Ausbildung bei den Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes (AGV) im letzten Herbst. Wussten Sie, dass in der chemischen Industrie auch Köche, Hotelfachleute und sogar Tierpfleger ausgebildet werden? Oder wer denkt daran, bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zum Fachlageristen oder Gerber sich auch bei der chemischen Industrie zu erkundigen? Gewiss, nicht alle Berufe werden jedes Jahr ausgebildet. Aber immerhin, es zeigt, dass unsere Branche eine bunte und vielfältige ist hinsichtlich ihrer beruflichen Möglichkeiten.

Hinzu kommen noch die unterschiedlichsten dualen Studiengänge, in denen sich rund 240 junge Menschen befinden. Ergänzt wird das „Ausbildungsportfolio“ noch durch Angebote zur Einstiegsqualifizierung, die helfen, sich auf die Aufnahme eines Ausbildungsverhältnisses vorzubereiten.

Unternehmen brauchen Chemikanten

Der meist ausgebildete Beruf in unserer Branche ist der Chemikant. Das ist schon seit Jahren so und er liegt auch mit großem Abstand vorne – sowohl im Bund als auch im Land. Ein Zeichen, dass in der chemischen Industrie noch viel produziert wird. Platz zwei bei uns in Rheinland-Pfalz belegt der Chemielaborant, dicht gefolgt vom Elektroniker Automatisierungstechnik. Mit etwas Abstand folgen der Industriemechaniker und auf Platz fünf des Rankings mit den Industriekaufleuten der erste kaufmännische Ausbildungsberuf. Auf Bundesebene tauchen zwar diese Berufe ebenfalls auf den ersten fünf Plätzen auf, aber in einer anderen Reihenfolge: Industriekaufleute (2), Chemielaboranten (3), Industriemechaniker (4) und Elektroniker Automatisierungstechnik
(5).

Ausbildung Statistik Chemie 2016

Die sogenannten MINT-Berufe bilden mit vier Fünftel aller Ausbildungsverhältnisse den Schwerpunkt in der Chemie. Damit liegt Rheinland-Pfalz mit zehn Prozentpunkten über dem Bundeswert. Die typischen naturwissenschaftlichen Berufe wie Chemikant und Chemielaborant machen auch bei den MINT-Berufen den größten Anteil aus. Das war bei der letzten Erhebung
2011 noch anders. Damals stellten die gewerblich-technischen Berufe den größten Anteil.

Dual Studierende absolvieren ihre Berufsqualifizierung je zur Hälfte im Ausbildungsbetrieb und an der Partner-Hochschule. Der Anteil der „Dualis“ liegt bei rund acht Prozent gemessen an der Zahl der klassischen Berufsausbildung.

Handlungsdruck auf die Betriebe steigt

Mit der Erhebung der Berufestruktur wurde erstmals nachgefragt, welche Herausforderungen sich bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen für die Betriebe ergeben. Auch wenn die Bewerbersituation je nach Berufsbild regional und lokal sehr stark schwankt, so ist doch festzustellen, dass es zunehmend schwieriger wird, die angebotenen Ausbildungsplätze adäquat
zu besetzen. Die häufigsten Ursachen sehen die Unternehmen in den zu geringen Bewerberzahlen für manche Berufe, in der mangelnden Eignung der Bewerber und in der fehlenden Berufsorientierung. Verstärkend wirkt der Trend zu höheren Schulabschlüssen und zur Aufnahme eines Studiums.

Die Unternehmen reagieren darauf mit verstärktem Ausbildungsmarketing, mit einem ausgeweiteten Angebot an Praktikumsplätzen und mit Kooperationen mit Schulen. Insbesondere zum Ausbildungsmarketing bietet der AGV vielfältige Unterstützung. Der „Chemie-Azubi“ (www.chemie-azubi.de) ist ein Blog für potentielle Auszubildende und erlaubt einen Blick direkt hinein in die betriebliche Ausbildung. Mit „Elementare Vielfalt“  (www.elementarevielfalt.de) stellen die Chemie-Arbeitgeberverbände eine bundesweite Plattform zum Ausbildungsmarketing mit Stellenbörse und Berufsinformationen.

Stagnation in der größten Industriebranche Rheinland-Pfalz

2016 - Stagnation in der größten Industriebranche Rheinland-Pfalz

Zum wenig dynamischen Geschäftsjahr 2016 der chemisch-pharmazeutischen Industrie auf Bundesebene hat die Chemie in Rheinland-Pfalz mit einem Wachstum nahe der Nulllinie und einem anhaltenden Negativtrend bei den Umsätzen beigetragen.

Die Chemie in Rheinland-Pfalz wächst nicht. Auch wenn positive Unternehmensbeispiele einen anderen Eindruck vermitteln, sehen die Chemieverbände diese Entwicklung mit Sorge. Denn während die globale Chemiekonjunktur erfreulich ist, gerät die Wettbewerbsfähigkeit des rheinland-pfälzischen Standortes zunehmend unter Druck. So ist die Produktion 2016 mit 0,4 Prozent nur gering gewachsen. Die Entwicklung der Aufträge war im Jahresverlauf sehr volatil. Maßgeblich trugen die starken Monate April (+12,8 %), August (+11,3 %) und Dezember (+11,6 %) zu einem leichten Plus von 1,7 Prozentpunkten im Jahresdurchschnitt bei.

Produktion der Chemiebranche 2016

Nach einem deutlichen Umsatzminus im Vorjahr musste die Chemiebranche 2016 ein weiteres Minus von 5,7 Prozentpunkten auf absolut 25,7 Milliarden Euro hinnehmen. Die vorläufigen Zahlen des statistischen Landesamtes bleiben nicht ohne Auswirkungen. So sank auch die Zahl der Beschäftigten im Durchschnitt um 1,4 Prozentpunkte – zum Jahresende auf 45.300.

Chemiewachstum bleibt zurück

Die Produktion der rheinland-pfälzischen Chemie pendelt seit der Krise um die Nulllinie. Vergleicht man die Entwicklung des Indexwertes, so liegt die Produktion im abgelaufenen Kalenderjahr 1,5 Prozent unter dem Niveau von 2010. Auch in den jüngst veröffentlichten Analysen des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz wird zwar von einem ordentlichen Wachstum der Wirtschaft gesprochen, doch fiel es im Vergleich zum Bundesergebnis unterdurchschnittlich aus. Grund ist die schwächere Entwicklung der Vorleistungsgüterindustrie,
zu der maßgeblich die chemische Industrie zählt. Der Erlösrückgang (-2,2 %) in der Chemie liegt auch am schwächeren Auslandsgeschäft. Dieses ging, gemessen an den Umsätzen, um 6,5 Prozentpunkte gegenüber 2015 zurück.

Umsätze Industrie Rheinland-Pfalz

Druck auf rheinland-pfälzische Standorte wächst

Die Chemie ist beim Wachstum zunehmend das Schlusslicht in der Industrie und droht abgehängt zu werden. So hatte der Fahrzeugbau als eine der wichtigen Kundenindustrien der Chemie in Rheinland-Pfalz im Jahr 2016 ein Umsatzzuwachs von 4,7 Prozentpunkten. Wenn dieser Trend anhält, besteht die Gefahr, dass die chemische Industrie in Rheinland-Pfalz als Stabilitätsanker und Wohlstandsbringer schleichend an Bedeutung verliert. Um zu verhindern, dass die Chemie den Anschluss verliert, müssen an verschiedenen Stellen Kostenbremsen gefunden werden – zum Beispiel bei den Strompreisen. Zudem braucht die Branche zukünftig eine aktive Industriepolitik, unter anderem durch eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung.

Umsatz Chemie 2016 Quartalsvergleich zu 2015

2017 – mehr Aufträge zu Jahresbeginn

Im aktuellen Jahr 2017 kann die Branche im Land fast 9 Prozent mehr Aufträge verzeichnen, was optimistisch stimmt. Allerdings hat die Produktion weiterhin Nachholbedarf: Diese stieg zwar zwischen Oktober 2016 und Februar 2017 deutlich an (+14 Prozent). Doch fallen Januar und Februar 2017 schwächer aus als im Vorjahr (-4,1 %). Vor dem Hintergrund dieser wirtschaftlichen Entwicklung benötigt die chemische Industrie eine Politik, die stabile Rahmenbedingungen und Sicherheit bringt, statt zusätzlicher Belastungen. Lesen Sie dazu auch Positionen zur Bundestagswahl 2017 auf Seite 16.

Pharma mit schwachem Auslandsgeschäft

Im Jahr 2016 betrug der Umsatz der Pharma-Branche 4.437,6 Millionen Euro und ging damit um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahreswert zurück. Aufgrund des starken Jahres 2015 verzeichnet die Branche damit einen Rückgang auf einem hohen Niveau. So legte das Inlandsgeschäft zu (+4,5 %), konnte aber das Minus des Auslandsgeschäftes (-3,3 %) nicht ausgleichen.
Die Entwicklung der Preise und Produktion blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Im Dezember 2016 beschäftigten die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie rund 12.000 Menschen.

Kunststoffverarbeitende Industrie und Gummiwarenhersteller mit Plus

Ein Wachstum in allen Bereichen gab es bei den Reifenherstellern und Kunststoffspezialisten, das maßgeblich vom starken Plus bei den Kunststoffverarbeitern getragen wird. Die Umsätze der Gummi- und Kunststoffunternehmen legten um 7,8 Prozentpunkte auf 5.472,8 Millionen Euro zu. Dabei wuchs das Auslandsgeschäft stärker (+8,8 %) als das Inlandsgeschäft
(+6,2 %). Ende des Jahres 2016 hatte dieser Wirtschaftszweig 22.612 Beschäftigte.

Ausbildung: Zahl der unbesetzten Stellen steigt

Die chemische Industrie zahlt überdurchschnittlich und bietet eine Ausbildung mit Perspektiven. Dennoch haben die Unternehmen der Branche zunehmend Schwierigkeiten, die freien Ausbildungsplätze mit geeignetem Nachwuchs zu besetzen. Dies war ein Ergebnis der Sozialpartnergespräche am „runden Tisch für Arbeitsmarktfragen“. So wurden 2016 zwar
1.463 Ausbildungsplätze durch die Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz angeboten. Doch die Schere zwischen Angebot und tatsächlicher Besetzung geht bei bestimmten Berufen weiter auseinander. So bei den Chemikanten – hier spüren die Unternehmen die rückgehenden Bewerberzahlen am deutlichsten.

Von den angebotenen Ausbildungsplätzen entfallen 1.038 auf die klassische Ausbildung, 83 auf ein Duales Studium und 342 auf besondere Fördermaßnahmen, wie das von den Tarifpartnern betriebene Projekt StartPlus für noch nicht ausbildungsreife Jugendliche. Von den angebotenen Ausbildungsplätzen konnten 1.305 besetzt werden.

Beschäftigungsentwicklung Chemie 2016

Industriepolitik ist Zukunftspolitik für Deutschland

Industriepolitik ist Zukunftspolitik für Deutschland

Die Chemie und verwandte Industrien sind die umsatzstärksten Industriebranchen in Rheinland-Pfalz. Keine anderen Branchen sind an ähnlich vielen Wertschöpfungsketten beteiligt. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten, brauchen sie die passenden wirtschafts- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen.

Zur Bundestagswahl wird an der Wahlurne über die zukünftige Politik und damit auch über die wirtschaftspolitische Ausrichtung des Landes entschieden. Es geht um den Industriestandort Deutschland – mit den Kernthemen Wettbewerbsfähigkeit, Innovationen und Energiepolitik. Um auch zukünftig die Innovationskraft und Investitionsbereitschaft der Unternehmen zu
erhalten, bringen sich die Chemieverbände Rheinland-Pfalz in den politischen Dialog ein. Denn wettbewerbsfähige Unternehmen sichern den Wohlstand der Mitarbeiter und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Landes.

Soziale Gerechtigkeit ist nicht nur eine Verteilungsfrage

Trotz sehr guter Beschäftigung, sprudelnder Steuereinnahmen und steigender Löhne wird mit Blick auf die Bundestagswahlen die Wahrnehmung gestärkt, in Deutschland gehe es sozial ungerecht zu. Dabei sind die Sozialausgaben in Deutschland so hoch wie nie zuvor. 2015 lagen sie bei 888 Milliarden Euro und sind im vierten Jahr in Folge stärker gestiegen als die Wirtschaftsleistung. Statt über mehr Verteilung zu sprechen, ist es aus Sicht der Industrie wichtiger, die Voraussetzungen für unseren Wohlstand zu stärken. Denn gerade die Chemieindustrie hat in den letzten Jahrzehnten viel erreicht. Die Branche steht für moderne Tarifverträge und gute Einkommen. Nur wenn wir in Deutschland viel erwirtschaften, können wir auch viel verteilen.

Doch droht dieses Wissen um gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge in unserer modernen Gesellschaft immer mehr verloren zu gehen. Neben der Frage der sozialen Gerechtigkeit beruht die Beurteilung der Industrie zu häufig auf Ängsten anstatt auf einer wissensbasierten Chancen-Risiken-Abwägung. Das gilt insbesondere für moderne Technologien,
Anlagen und Verfahren. Um eine bessere Akzeptanz für die industrielle Produktion in Deutschland nachhaltig zu sichern, bedarf es auch eines klaren Bekenntnisses der Politik sowie eines besseren Dialoges. Daher finden neben den parlamentarischen Abenden der chemisch-pharmazeutischen Industrie auch persönliche Gespräche mit Bundestagsabgeordneten statt.
So können die Kernthemen und industriepolitischen Positionen mit regionalen Unternehmensbeispielen anschaulich verknüpft werden.

Politischer Dialog vor Ort

Um die Stärkung des Industriestandortes Rheinland-Pfalz und die Akzeptanz der Industrie ging es in einem Treffen von Franz Lübbers, Mitglied des Vorstandes des Kunststoffspezialisten Röchling, dem Bundestagsabgeordneten Detlev Pilger (SPD) sowie Vertretern der Chemieverbände Rheinland-Pfalz bei Röchling-Sustaplast. Das Familienunternehmen Röchling ist global aktiv. Die Standorte in Deutschland sind für den Konzern wichtig, da diese durch qualitativ hochwertige Produkte überzeugen. Doch der Wettbewerb aus Asien hat deutlich aufgeholt. Vor diesem Hintergrund setzen sich die Verbände für eine steuerliche Forschungsförderung ein. So kann die deutsche Industrie weiterhin innovativ bleiben, im Wettbewerb bestehen und so eine
Grundlage für den weiteren volkswirtschaftlichen Wohlfahrtsgewinn schaffen.

Um mehr Verständnis bei der Energiewende ging es bei einem Treffen mit Dr. Tobias Lindner (MdB, Grüne). Das Treffen beim Kohlenwasserstoff-Spezialisten Haltermann Carless in Speyer machte ihm deutlich, dass Chemieanlagen einen kontinuierlichen Prozessverlauf benötigen, um effizient zu arbeiten. Und im Gespräch wurde klar, dass minimale Emissionen, hocheffiziente
Anlagen und eine wechselnde Auslastung in Abhängigkeit von der Stromverfügbarkeit Wünsche der Politik sind, die nicht gleichzeitig erfüllt werden können. Daher braucht es den Dialog, um sich über geeignete Lösungen zu verständigen. Das bleibt auch zukünftig das Ziel der Chemieverbände, um die industriellen Aktivitäten und deren Arbeitsplätze zu fördern. Mit politischen Lösungsvorschlägen geben wir Impulse für bessere Rahmenbedingungen in Deutschland und einen wettbewerbsfähigen Standort. Eine Zusammenfassung der Positionen in diesem Dialog bieten der Politik-Brief des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) zur Bundestagswahl 2017 sowie die politischen Standpunkte des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC).

Chemie braucht Offenheit

Chemie braucht Offenheit

„Uns allen wird es auch weiterhin nur dann gut gehen, wenn wir als Gesellschaft respektvoll und offen kommunizieren, um gemeinsam Lösungen für die aktuellen Herausforderungen
zu finden.“

Ein Kommentar von Dr. Harald Schaub, Vorstandsvorsitzender der Chemieverbände Rheinland-Pfalz und Sprecher der Geschäftsführung Chemische Fabrik Budenheim KG, Budenheim

Unseren Wohlstand verdanken wir Deutschen seit Jahrzehnten unserer Weltoffenheit und dem liberalen Handel. Und besonders die chemische Industrie und ihre Beschäftigten leben von einem freien Zugang zu den Märkten. Doch der Trend in der Welt ist ein anderer. Mit Sorge sehe ich auf die zunehmend protektionistischen Entwicklungen: Insgesamt hat sich in den letzten sechs Jahren bei den G20-Staaten die Zahl der importbeschränkenden Maßnahmen fast vervierfacht. Laut WTO belasten über 90 Prozent dieser Maßnahmen, die seit 2008 erlassen wurden, den Industriegüterhandel. Und in den USA haben sich die Wähler für einen Präsidenten entschieden, der sich im Wahlkampf für Schutzzölle aussprach.

Was heißt das für uns? Die Chemie ist die umsatzstärkste Branche in Rheinland-Pfalz – maßgeblich durch den Export. Die Gesellschaft profitiert insgesamt von dem Wohlstand, den die
Industrie erwirtschaftet. Um das auch in Zukunft zu gewährleisten, dürfen wir uns nicht abschotten. Sondern wir müssen gemeinsam in der globalisierten Welt unser Verständnis von sozialer
Marktwirtschaft gegenüber unseren Handelspartnern zum Ausdruck bringen. Das Freihandelsabkommen CETA ist ein erster Schritt dazu. Offenheit bedeutet auch, dass wir uns in die gesellschaftlichen Diskussionen einbringen – zum Beispiel zur Integration der Geflüchteten und zur Digitalisierung der Arbeitswelt. Denn diese Themen bedeuten Veränderungen, die in Teilen der Gesellschaft zu Unsicherheiten führen. Die Fähigkeit zum Dialog entscheidet über den Erfolg dieser Diskussionen. Um eine Akzeptanz in der Gesellschaft für eine gemeinsame Lösung zu erreichen, muss diese Diskussion angstfrei geführt werden. Verdrehte Wahrheiten, sogenannte Fakenews, sowie persönliche und beleidigende Angriffe in der Öffentlichkeit und in den sozialen Medien machen es zunehmend schwieriger, seine Meinung zu vertreten. Ebenso empfinde ich die Begeisterung für politischen Populismus als Besorgnis erregend.

Die chemische Industrie ist bekannt für eine gute und gelebte Sozialpartnerschaft. Im fairen und sachlichen Dialog tauschen wir unsere Argumente aus und respektieren dabei den Standpunkt des Anderen. Das mag nach Außen den Eindruck vermitteln, dass es bei uns nicht spannend zugeht. Jedoch ist dieser Respekt die Grundlage für uns, Lösungen im Konsens zu finden. Und uns allen wird es auch weiterhin nur dann gut gehen, wenn wir als Gesellschaft respektvoll und offen kommunizieren, um gemeinsam Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu finden.

 

Fachkräftelücke und MINT-Engagement der Verbände

MINT-Tag Rheinland-Pfalz - Jahresbericht der Chemieverbände

Die Schlosshalle fasste den Besucheransturm kaum, angeregtes Stimmengewirr durchzog den imposanten Raum: Am 20. September 2016 folgten rund 200 Lehrerinnen und Lehrer der Einladung zum ersten MINT-Tag Rheinland-Pfalz in die Sparkassenakademie Schloss Waldthausen. In Vorträgen und Workshops sammelten sie Ideen für alltags- und anwendungsnahen Unterricht und erfuhren Wissenswertes über Berufswege in der Industrie.

„Der Fortschritt geschieht heute so schnell, dass, während jemand eine Sache für gänzlich undurchführbar erklärt, er von einem anderen unterbrochen wird, der sie schon realisiert hat.“

Dieses Zitat von Albert Einstein überschrieb den Einladungsflyer. Damit formulierte er schon damals, was die Unternehmen auch heute bewegt: mit welchen Nachwuchskräften können sie sich so zukunftsfest aufstellen, dass sie in einem immer intensiver werdenden internationalen Wettbewerb an der Spitze mithalten können? Wie sehr dieses Anliegen auch der Landesregierung am Herzen liegt, verdeutlichte Bildungsministerin Stefanie Hubig in ihrer Begrüßung. Sie betonte die Bedeutung einer Förderung der MINT-Fächer und einer fundierten Berufs- und Studienwahlvorbereitung vor dem Hintergrund der Fachkräftesicherung in Rheinland-Pfalz.

Wie im MINT-Herbstreport 2016 des Instituts der Deutschen Wirtschaft nachzulesen, sind die Arbeitsbedingungen von MINT-Kräften generell sehr gut: sie sind kaum befristet, oft leitend und haben einen hohen Verdienst. Dennoch klafft eine über sämtliche MINT-Berufskategorien aggregierte Arbeitskräfte- Lücke in Deutschland in Höhe von 212.000 Personen. Unter diesen haben Facharbeiter, Meister und Techniker den größten Anteil.

Dies Lehrkräften, Schülern und Schülerinnen immer wieder vor Augen zu führen, ist ein wichtiges Aufgabengebiet der Verbände. Deshalb führen wir Lehrerfortbildungen durch, halten Vorträge an Schulen, laden Lehrkräfte in Unternehmen ein, unterhalten einen Chemieblog und sind auf Ausbildungsmessen präsent.

Der MINT-Tag Rheinland-Pfalz wird künftig regelmäßig stattfinden, ab 2018 zweimal im Jahr: im Frühjahr für Kindertagesstätten und Grundschulen und im Herbst für weiterführende Schulen. Um den Stellenwert einer guten MINT-Bildung der Schülerinnen und Schüler noch deutlicher hervorzuheben, haben sich bei dem MINT-Tag mehrere Partner zusammengeschlossen: die Chemieverbände Rheinland-Pfalz, die Stiftung PfalzMetall, vem.die arbeitgeber und SCHULEWIRTSCHAFT Rheinland-Pfalz.

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