Kompakt und aktuell: Neuerungen aus dem Umweltrecht

VCI - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

(Dass der Erfahrungsaustausch unter den Umweltschutzbeauftragten wichtig ist, zeigte die intensive Diskussion, die sich nicht auf die Pausen beschränkte, sondern auch Platz in den Vorträgen fand.; Foto: Marcel Hasübert)

Volle Sitzreihen und volle Konzentration für ein eng getaktetes Programm – beides war der Fall auf der Fortbildung für Umweltschutzbeauftragte. Seit vielen Jahren bietet der VCI Rheinland-Pfalz diese vom Ministerium zertifizierte Fortbildung an. Und lädt dazu jedes Mal ausgewiesene Experten aus Industrie, Behörden und Verbänden ein, die von den Neuerungen und Tendenzen im Umweltrecht berichten und Erfahrungen aus der Praxis weitergeben. Das führt zu einem langen, aber sehr abwechslungsreichen Programm. In Frankenthal ging es dieses Mal unter anderem um Entwicklungen und Herausforderungen im Genehmigungsmanagement; Grundlagen, Neuerungen und Tendenzen aus mehreren Rechtsbereichen wie dem Wasserrecht, der TA-Lärm und TA-Luft; sowie Updates aus dem Emissionshandelssystem und dem Recht der Kreislaufwirtschaft.

Eine Plattform für die Umweltschutzbeauftragten

Herr Bäumer, als erstes fällt auf, dass hier streng auf die Zeit geachtet wird.

„Bei neun Fachvorträgen inklusive Diskussionsrunden müssen wir die Zeit im Blick behalten. Die Beiträge auf unserer Fortbildung sind immer hochaktuell – da muss jeder seine Zeit erhalten, auch die Referenten, die später am Tag ihre Vorträge halten.“

Stichwort Aktualität – der VCI bietet diese Fortbildung regelmäßig an.

„Richtig, einmal im Jahr können sich die Umweltbeauftragten über den VCI schulen lassen. Vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist eine Schulung alle zwei Jahre. Insofern können wir das Angebot für alle Umweltschutzbeauftragten in der Mitgliedschaft machen. Die Rolle des Weiterbildungsträgers hat der Verband übrigens schon Anfang der 90er Jahre übernommen.“

Und immer ist die Schulung gut besucht. Sie bietet einen echten Mehrwert für die Mitglieder?

„Diese Fortbildung ist sicher eine der Nützlichsten des VCI. Für die chemische Industrie gelten zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Regularien; sowohl auf europäischer, als auch auf deutscher Ebene. Das Umweltrecht ändert sich ständig. Die Umweltschutzbeauftragten in den Betrieben müssen genauso oft ihren Kenntnisstand aktualisieren. Daher berichten Fachleute aus vier Bereichen des Umweltrechts über Neuerungen des vergangenen Jahres und geben Ausblicke auf das, was zu erwarten ist. Diese konzentrierte Fortbildung ist für die Mitgliedsunternehmen wesentlich günstiger, als die Seminare einzeln am Markt einkaufen zu müssen. Für Verbandsmitglieder ist die Fortbildung kostenfrei. Gleichzeitig garantieren wir die Zertifizierung durch das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF).“

Warum werden alle Bereiche mit einer Fortbildung abgedeckt?

„Wir haben mit der Zusammenlegung gute Erfahrungen gemacht. Zum einen, weil hier alle Beauftragten an einem Ort sind und sich hier austauschen können. Zum anderen wachsen die verschiedenen Bereiche des Umweltrechts immer enger zusammen. Daher ist es sinnvoll, die Neuerungen im Immissionsschutz, im Wasserrecht und in der Abfallwirtschaft zusammenzufassen.“

Der Austausch mit anderen Umweltbeauftragten spielt also auch eine Rolle?

„Die Umweltschutzbeauftragten haben hier eine Plattform, auf der sie sich austauschen und ihr Netzwerk ausbauen können. Es ist also mehr als eine theoretische Fortbildung. Wir haben eine gute Mischung aus Theorie und Praxis. Ich bin überzeugt, dass die Umweltschutzbeauftragten viele praktische Impulse in ihre Betriebe tragen. Gleichzeitig haben die Teilnehmer hier die Chance, persönlich mit Experten aus dem Rechtswesen und den Behörden zu sprechen. Und nicht zuletzt haben sie hier einen direkten Kontakt zum Verband, an den sie ihre Anliegen aus der Praxis richten können.“

Dr. Dominique Baeumer

Dr. Dominique Bäumer

Geschäftsführer des VCI Landesverbandes Rheinland-Pfalz, leitete zum ersten Mal die Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten. Wir haben ihn zu Sinn und Zweck der Schulung befragt.

VCI Fortbildung in Rheinland-Pfalz

Informative Links

VCI: Die Einstufung in Wassergefährdungsklassen
cvrp.de/vci-wgk-info

VCI: Umsetzungshilfen, Auslegungshinweise und mehr zum Thema Umwelt & Sicherheit
cvrp.de/vci-umwelt-sicherheit

EEG-Reform: Diskutieren Sie mit auf
www.vci.de/eeg-reform

MUEFF: Vollzugshinweis zur Auslegung und Anwendung des wasserrechtlichen Verschlechterungsverbots
cvrp.de/mueef-wasserrecht

Der Bundesanzeiger
www.bundesanzeiger.de/

Informationen zum neuen Verpackungsgesetz
https://verpackungsgesetz-info.de/

Neue Entwicklungen im Genehmigungsmanagement

Bevor eine Anlage in Betrieb geht, muss ein umfangreicher Katalog anspruchsvoller Vorschriften beachtet werden. Die Ziele der Umweltpolitik sind hoch: zero emission, zero risk & no footprints. Daher steigen die Anforderungen an die Betriebe, wie Verena A. Wolf vom VCI-Landesverband Nord berichtete.

Herausforderung für Betrieb und Genehmigung:

VCI - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

Zu ihren Empfehlungen für die Praxis gehörte eine frühzeitige Vorbereitung der Genehmigungsverfahren und Inspektionen. Auch die rechtzeitige Abstimmung mit dem Vollzugsbeamten sollte Teil der Planung sein. „Nehmen Sie die Komplexität ernst“, appellierte Wolf an die Teilnehmer. Denn diese nimmt aufseiten der Betriebe und der Behörde zu.

Tendenzen: Mehr Gutachten, mehr Dokumentation, mehr Öffentlichkeit

Ein Grund ist die Komplexität der Regelungen sowie die Verunsicherung auf Behördenseite; auch durch die Zunahme der Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Dies führt zu einem vermehrten Einsatz von Gutachten - eine Tendenz, die alle Referenten auf der Fortbildung bestätigten. Umso wichtiger ist die frühzeitige Kommunikation mit Behördenvertretern und der Kommune, um deutlich zu machen, welche Bedeutung die Genehmigung und das Unternehmen für den Standort hat.

Die Beobachtung zeige auch, so Wolf, dass die Dokumentationspflichten zunehmen. Als Beispiel nannte sie die Gewerbeabfallverordnung. Auch wird die Anwendung des Verhältnismäßigkeitsprinzips als nicht befriedigend bewertet. Stattdessen liege der Fokus der Vollzugsbeamten auf dem Vorsorgegebot („auf Nummer sicher gehen“) und der Herstellerverantwortung. Damit einher gehen erhöhte Transparenzanforderungen, womit sich Fragen zur Know-How- und Datenschutz, Urheberrechten und öffentlicher Sicherheit stellen.

Aktuelle Themen: FuE und TRAS 320

Aktuelles Thema im VCI ist die Frage der Genehmigungsbedürftigkeit von FuE-Anlagen. Hierzu hat der VCI ein Positionspapier erstellt, das auf der Privilegierung der Anlagen besteht („Forschungsförderung und Innovationskraft“). Ein weiteres Thema des Verbands ist der Vollzug sicherheitstechnischer Regeln, wie der TRAS 320 (Wind- und Schneelasten). Diese steht 2019 zur Überprüfung an. Der VCI AK PSS begleitet dieses Thema intensiv; es geht um die Erarbeitung einer Stellungnahme und eines Leitfadens auf Basis des VCI Nord Rechtsgutachtens vom Oktober 2018. Auch wies Wolf darauf hin, dass der Stand der Sicherheitstechnik auch durch ein alternatives Schutzkonzept hergestellt werden kann; die Betriebe also nicht an das strikte Vorgehen der TRAS 320 gebunden sind.

Verena A. Wolf

 

„Die Beauftragten und die Beamten haben das gleiche Ziel: schnelle, effiziente und sichere Genehmigungsverfahren, die unter höchsten Auflagen laufen.“

Verena A. Wolf, Verband der chemischen Industrie (VCI), Hannover

Wasserrecht

WHG, AwSV und das Verschlechterungsverbot

Die neue AwSV-Verordnung – was kommt auf Sie zu? Das erklärte Martin Kröll vom MUEEF im Detail. Seit dem 01. August 2017 ersetzt die AwSV die vormals 16 Länderverordnungen (VAwS), die Übergangsverordnungen des Bundes, die Verwaltungsvorschrift VwVws und die JGSF-VO. Für alle neuen Anlagen gelten nun die bundesweit einheitlichen und abweichungsfesten Anforderungen des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG). Die aktualisierte Verordnung, so Martin Kröll, ist nun wesentlich umfangreicher, schließt aber Lücken und sorgt für mehr Rechtssicherheit bei Betreiber und Behörde.

Das WHG legt also bundesweit den Maßstab fest, dem Industrieanlagen genügen müssen

Paragraph 62 der WHG definiert die wesentlichen Begriffe und enthält die Ermächtigungsgrundlage für die AwSV. Zentral ist der Besorgnisgrundsatz (§62 Abs. 1), nach dem eine nachteilige Veränderung der Gewässereigenschaften nicht eintreten darf. Die konkreten Vorgaben zur technischen Ausgestaltung sind der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) festgelegt; ebenso wie die Betreiberpflichten.

Bestandschutz und Pflichten bei bestehenden Anlagen

Bestehende Anlagen müssen zwar die neuen Prüfpflichten einhalten; eine Umrüstung ist jedoch nur auf Anordnung der Behörde erforderlich. Der Bestandsschutz wird allerdings eingeschränkt: zum Beispiel gelten die organisatorischen Anforderungen wie Dokumentationen oder Pflichten bei Betriebsstörungen sofort. Bei einer wesentlichen Änderung der bestehenden Anlagen gilt die neue AwSV. Eine neue Entwicklung, die auch für bestehende Anlagen gilt, ist eine vermehrte Prüfung durch einen externen Sachverständigen, der mehr Anlageteile als bisher vor Inbetriebnahme und danach in regelmäßigen Abständen einer Prüfung unterziehen muss.

Umfangreicher, aber ohne grundsätzliche Neuerungen – doch neue Systematik bei Stoff-Kennzeichnungen

Unter anderem gibt es neue Bagatellgrenzen, geänderte Begriffsbestimmungen und eine aktualisierte Einstufung von Stoffen. Die Betreiber stufen die Stoffe selbst in die Wassergefährdungsklasse (WGK) ein; es gilt die neue GHS(EU)-Kennzeichnung in H-Sätzen. Die Kontrolle der Dokumentation übernimmt das Umweltbundesamt (UBA) und veröffentlicht das Ergebnis im Bundesanzeiger.

Hinzu kommen Neuerungen bei der Eignungsfeststellung (EF). Zum Beispiel ist keine EF notwendig, wenn die CE-Kennzeichnung und die erklärten Leistungen die wasserrechtlichen Anforderungen erfüllen. Unter bestimmten Umständen erfolgt auch eine Befreiung von der EF in den Gefährdungsstufen B, C und D. Eine  Anlagendokumentation ist nun aber Vorschrift. Generell, so Kröll, gewinnt die Dokumentation an Bedeutung.

Das Verschlechterungsverbot: Das EuGH-Urteil und seine Folgen für die wasserrechtliche Praxis

Ebenfalls vom MUEEF kam Hans-Hartmann Munk. Er diskutierte die Folgen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 01. Juli 2015 zum Verschlechterungsverbot, das Teil der EG-Wasserrahmenrichtlinie ist. In Kürze: Ein Vorhaben, das geeignet ist, den Zustand eines Wasserkörpers zu verschlechtern, wird nicht zugelassen. Das rückt das Verschlechterungsverbot ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Verwaltung und Vorhabenträgern. Ein verschlechterter ökologischer Zustand eines Gewässers wird an biologischen Qualitätskomponenten festgemacht. Sinkt einer dieser Komponenten - beispielsweise das Vorkommen einer Pflanzenart - in eine niedrigere Zustandsklasse, bedeutet das eine niedrigere Zustandsklasse des Gewässers. Wie beurteilt wird, ob ein Vorhaben zu einer Verschlechterung
des Gewässers führt, ist zurzeit in Diskussion. Denn noch gibt es keine Standardmethoden und Bewertungsverfahren.

Klar ist: wird eine nicht nur unwesentliche und vorübergehende Verschlechterung erwartet, muss der Antragsteller einen Fachgutachter für eine Einzelfallbewertung beauftragen. Dieser gibt in einem wasserwirtschaftlichen Fachbeitrag eine transparente, schlüssige und funktionsgerechte Prognose über die Auswirkungen des Vorhabens auf die Qualität des betroffenen Gewässers ab. Dies bedeutet Mehraufwand für Behörde und Betreiber. Dennoch: „Um das Gutachten kommen wir nicht herum“, so Munk.

Hilfestellungen durch das MUEEF

Das MUEEF hat einen Vollzugshinweis entwickelt, der Orientierung bietet und auf dem aktuellen Stand der Rechtsprechung gehalten wird. Außerdem kündigte Munk einen Leitfaden an, der zurzeit im Ministerium erarbeitet wird.

Hans-Hartmann Munk - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

„Wir versuchen immer, Hilfestellung zu leisten und die Publikationen auf dem aktuellen Stand zu halten.“
Hans-Hartmann Munk, MUEEF, Mainz

Der angemessene Abstand

Die Seveso III-Richtlinie gewinnt an Bedeutung: Wohnraum und Gewerbegebiete rücken näher

Dr. Helmut Spangenberger von der Gesellschaft für Anlagen- und Betriebssicherheit in Bad Dürkheim ist Experte auf dem Gebiet der Berechnung des angemessenen Abstands. Die Einhaltung des angemessenen
Abstands wird in vielen Städten akut: immer öfter rücken Wohngebiete an Industriegebiete heran. Wohngebiete gehören gemäß der Richtlinie zu den schutzbedürftigen Gebieten. Nun entsteht ein Zielkonflikt zwischen Stadt und Industrie: auf der einen Seite kommt es zu einer Einschränkung der Gemeindeentwicklung, auf der anderen zu einer Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten der Betriebe.

Nun stellt die Wahrung des angemessenen Sicherheitsabstands keine Betreiberpflicht war. Doch kommen immer öfter Betriebe in eine Situation, in der sie die zuständigen Behörden auf die Einhaltung des Abstands hinweisen oder gar eine Klage erwägen müssen, um den Abstand zwischen Industrie- und Schutzobjekten zu wahren. Mit dem Heranrücken steigt die Wahrscheinlichkeit auf höhere Auflagen und ergänzende Sicherungsmaßnahmen und damit Mehraufwand, Mehrkosten und betriebliche Einschränkungen.

In der Regel ist das ein Fall für die Einzelfallbetrachtung nach KAS-18 und KAS-32. Welche Methoden und Kriterien in die Berechnung einfließen, erläuterte Spangenberger anhand von Beispielen. Eine besondere Herausforderung bildet dabei die große Menge an Stoffdaten, die eine systematische Herangehensweise erforderlich macht. Darüber hinaus verändern sich Beurteilungswerte und Ausbreitungsmodelle; beispielsweise löst AUSTAL Hazard das bisherige Ausbreitungsmodell (VDI 3783) ab. Beide Veränderungen wirken hin zu größeren Abständen.

Dr. Helmut Spangenberger - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

„Ein Abstandskonflikt auf Basis des Achtungsabstands führt in der Regel immer zu einer Einzelfallbetrachtung nach KAS-18 und KAS-32.“
Dr. Helmut Spangenberger

Schallschutz und TA-Lärm in der industriellen Praxis

Es wurde laut während des Vortrags von Dr. Markus Hammermann, BASF. Live demonstrierte er, welchen dämpfenden Effekt Schallschutzmaßnahmen haben können. Damit zeigte er, welche Maßnahmen Betriebe einsetzen können, um eine Genehmigung nach der TA-Lärm für eine neue oder umgebaute Anlage zu erhalten. Wie eine Immissionsprognose erstellt werden kann, erklärte Hammermann ebenfalls. Darüber hinaus beschrieb er, wie die BASF messtechnisch ihren Immissionsanteil aus dem Umgebungslärm zuverlässig ermittelt. Zuletzt informierte er über die neue TA-Lärm-Gebietskategorie „Urbane Gebiete“ und die Implikationen für die Industrie. Durch die strengen Regelungen der TA-Lärm spielt Industrielärm in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Dennoch sind Betriebe angehalten, eine Lärmkarte des Betriebsgeländes an die Behörde zu geben. Grund ist die Umgebungslärmrichtlinie, deren Ziel es ist, den Lärm in urbanen Gebieten zu verringern. Wie die BASF aussagekräftige Lärmkarten trotz Verkehrsgeräuschen erstellt, erklärte Hammermann ebenfalls.

Markus Hammermann - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten
Dr. Markus Wintterle - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

Dr. Markus Wintterle, KLEINER Rechtsanwälte, Mannheim

Bejamnin Wiechmann - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

Benjamin Wiechmann, VCI, Frankfurt Main

VCI - Fortbildung zum Umweltschutzbeauftragten

Die Teilnehmer kamen aus den Mitgliedsunternehmen des VCI in Rheinland-Pfalz.

Weitere Themen der Fortbildung

Umwelthaftung – was ist relevant für den Umweltschutzbeauftragten?

Rechtsanwalt Dr. Markus Wintterle führte gewohnt anschaulich durch die drei Rechtsgebiete, die zur Anwendung kommen, wenn eine umweltrechtliche Norm verletzt wird: Öffentliches Recht, Strafrecht und Zivilrecht. Anhand der Frage nach Verantwortung und Haftung erläuterte er Logik, Denkweisen und Konsequenzen in der verschiedenen Rechtsgebieten. Für Umweltschutzbeauftragte ist wichtig zu wissen, dass aus ihrer Funktion nicht automatisch eine besondere Strafbarkeit entsteht, sie jedoch durch ihre Verantwortung im Umweltbereich die Pflicht haben, umweltrechtliches Fehlverhalten stets und regelmäßig im Unternehmen zu melden.

„Bei der Verletzung einer umweltrechtlichen Norm stellt sich immer die Frage nach der Verantwortung und Haftung.“

Plastikstrategie, Verpackungsgesetz und die Kreislaufwirtschaft

Dr. Gottfried Jung erläuterte rechtliche Neuerungen aus verschiedensten Bereichen der Kreislaufwirtschaft. Am 01.01.2019 treten das neue Verpackungsgesetz und einzelne Bestimmungen der Gewerbeabfallordnung sowie des Elektrogerätegesetzes in Kraft. Für eine Reihe von Materialien gibt es höhere Recycling- und Erfassungsquoten (Elektro: 65 % ab 2019); außerdem gewinnt das Ökodesign an Bedeutung. Auf europäischer Ebene hat das EU-Kreislaufwirtschaftspaket für erhebliche Neuerungen gesorgt. Bis 2020 müssen diese Regelungen in nationales Recht übersetzt werden. Unter anderem wird es Anpassungen im Kreislaufwirtschaftsgesetz, Verpackungsgesetz und Umweltstatistikgesetz geben. Bleiben wir auf EUEbene: im Oktober 2018 hat das Parlament den Richtlinienentwurf der
Plastikstrategie gebilligt, den die Kommission im Januar vorgelegt hatte. Das Gesetzgebungsverfahren soll vor Ende Mai 2019 abgeschlossen sein. Darin enthalten sind Verbote von bestimmten Einweg-Kunststoff-Artikeln, erweiterte Herstellerverantwortung und Zielquoten für die Sammlung.

Emissionen: Novelle des Emissionshandelssystems

2018 wurde die Emissionshandels-Richtlinie für die 4. Handelsperiode (2021-2030) fit gemacht. Mit den Neuerungen soll das gesamteuropäische Minderungsziel (-40% gegenüber 1990) erreicht werden, erklärte VCI-Expertin Dr. Tina Buchholz. Dieses umfasst auch Sektoren, die nicht über den Emissionshandel reguliert sind; wie den Verkehr. Diese Sektoren tragen über nationale Maßnahmen zum Gesamtziel bei. In der 4. Handelsperiode werden nun erstmals nationale Treibhausgas-Minderungsmaßnahmen mit dem europäischen Emissionshandel verknüpft. Die Revision der ETS-Richtlinie ändert die Regeln der Marktstabilitätsreserve ab 2021 dahingehend, dass nun Zertifikate gelöscht werden können. Damit wird der „Wasserbetteffekt“ vermieden, nach dem sich die Emissionen schlicht räumlich in andere
Mitgliedsstaaten verschieben. In die gleiche Richtung zielt eine zweite Anpassung, die ab 2023 greifen soll: die Menge an Zertifikaten in der Markstabilitätsreserve wird gelöscht, die über das Vorjahresauktionsvolumen (als Vergleichsgröße) hinausgeht.

Immissionen: TA-Luft und die 42. BImSchV

Um Immissionen ging es im Fachvortrag von VCI-Experte Benjamin Wiechmann. Im Juli 2018 legte das Bundesumweltministerium einen Entwurf zur Novelle der TA-Luft vor. Das umfassende Regelwerk ist für Genehmigungen und Betrieb von Anlagen zentral. Hohe Umweltstandards einzuhalten und größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, ist ein wichtiges Anliegen für die Chemie. Vor diesem Hintergrund setzt sich der VCI für eine Prüfung der Novelle ein; vor allem im Hinblick auf das ohnehin schon komplexe Genehmigungsverfahren sowie auf die Verhältnismäßigkeit von Anforderungen, Kosten und Nutzen. Zweiter Teil des Vortrags war die 42. BImSchV, in deren Fokus luftgekühlte nasse Verfahren stehen, bei denen Wasser in direkten Kontakt mit einem Luftstrom kommt. Aus der neuen Verordnung ergeben sich zahlreiche Fragen. Daher wird der VCI einen Leitfaden erstellen, in den die Fragen und Diskussionen auf der Fortbildung aufgenommen werden. Inhalte sollten u.a. Gefährdungsbeurteilungen und Maßnahmen bei Überschreitung sein.

Führungstraining für Frauen

Fünf Minuten vor Seminarbeginn bildet sich eine Schlange vor dem Kaffeeautomaten; lautes Lachen hallt im Vorraum. Die Stimmung ist gut auf dem Seminar „Frauen in Führung“ und das Energielevel ist nun dank Koffein hoch.

Ein Seminar nur für Frauen – ist das wirklich notwendig? Ja, lautete die Antwort der Teilnehmerinnen. „Genau auf so ein Angebot habe ich gewartet“, verriet eine der erfahrenden Führungskräfte. Zur Begrüßung sagte Maximilian Kern, Geschäftsführer Bildung im AGV Chemie: „Eine typische Beobachtung habe ich bereits gemacht: Sie sind kurz vor dem Seminar da. Ihre Kollegen wären bereits seit einer halben Stunde vor Ort und würden sich austauschen.“

Über diese und andere Unterschiede ging es dann auch im Seminar unter der Leitung von Heike Schönmann. Sie brachte zahlreiche Methoden mit, mit denen die Teilnehmerinnen ihr Führungsverhalten reflektieren, ihre Stärken erkennen und für die Zukunft zielgerichteter werden einsetzen können. Letztlich drehte sich alles um die Frage: Was kann ich tun, um als (weibliche) Führungskraft erfolgreicher zu sein?

1. Schritt: Wo stehe ich?

Gesetzt den Fall ich plane, mich in eine Führungsposition mit Personaloder Projektverantwortung zu entwickeln. Welche Schritte sollte ich unternehmen? Oder vielleicht habe ich diese Rolle (neu) übernommen und suche nach der Lösung für Konflikte mit Mitarbeitern oder Projektpartnern. Was kann ich tun, um meine Interessen bzw. die Interessen des Projekts besser durchzusetzen? Diese und mehr Fälle wurden im Seminar „Frauen in Führung“ analysiert und Handlungsoptionen entwickelt.

 

Die Rolle als Führungspersönlichkeit definieren

Der erste Schritt ist eine Reflexion:
  • Was habe ich aufgebaut? Über welche Stationen verlief mein bisheriger beruflicher Weg?
  • Was habe ich bisher investiert? Was ist meine aktuelle Rolle?
  • Wo stehe ich im Moment, wo könnte es hingehen?
  • Über welche Kompetenzen und Abschlüsse verfüge ich, welche Erfolge kann ich verzeichnen?

Das sind wichtige Fragen, um sich bewusst zu machen, wo man gerade beruflich steht. Dadurch gewinnt man Klarheit und Übersicht. Das Ergebnis dieser Situationsanalyse diskutierten die Teilnehmerinnen mit einer Sparrings-Partnerin, die die richtigen Nachfragen stellte und ihre Sicht auf die persönliche Entwicklung schilderte.

Der nächste Schritt klärt die Frage, welche Faktoren den Erfolg wirklich fördern (und welche nur vermeintlich). Doch bevor wir über Selbstmarketing, Netzwerken & Co sprechen, zunächst etwas Grundlegendes: Was bedeutet es, Führungskraft zu sein? Welche Erwartungen werden an eine Führungspersönlichkeit gestellt?

Was bedeutet Führung?

Neben fachlicher Expertise und Managementskills ist Führung viel Kommunikation. Hier kommt es oft zu Missverständnissen, die zum Teil ihre Ursache in verschiedenen Kommunikationsstilen haben – sowohl im persönlichen Stil, als auch in „typisch weiblichen“ Verhaltensweisen. Wirklich trennscharf lassen sich Kommunikationsstile nicht in Geschlechtertypen einteilen. Dennoch zeigen sich Muster. Und sich dieser Muster bewusst zu werden und abzugleichen mit den Kriterien, die eine gute Führungskraft erfüllt, kann aufschlussreich sein. Diese Analyse ist ein erster Schritt für die gezielte Anpassung des eigenen Führungsstils. Hilfreich ist hier auch das Feedback anderer, die einem Aufschluss über die eigene Wirkung geben können. Dieses Feedback erhielten die Teilnehmerinnen im Seminar.

Viel wurde diskutiert über die richtige Herangehensweise in Mitarbeitergesprächen, Gehaltsverhandlungen oder konfliktgeladenen Diskussionen in wichtigen Projekten. Die Lösungsvorschläge aus der Gruppe waren sehr individuell und lassen sich an dieser Stelle nicht zusammenfassen.

„Drei zentrale Empfehlungen: Nutzen Sie jede Chance, um präsent zu sein. Bauen Sie Beziehungen auf, bevor Sie sie brauchen. Und Netzwerken Sie nicht nur auf Ihrer Ebene.“ Heike Schönmann

Selbstanalyse

Wer einer Selbstanalyse machen und mit dem Feedback von Freunden oder Kollegen arbeiten möchte, findet hier die im Seminar gesammelten wichtigsten Verhaltensweisen einer guten Führungskraft:

  • Klarheit und Eindeutigkeit in den Aussagen – nur so gewinnt man Vertrauen.
  • Entscheidungen treffen und dazu stehen – das bedeutet Verlässlichkeit. Die Entscheidungen sollten transparent und nachvollziehbar sein.
  • Für die Mitarbeiter ansprechbar bleiben und ihnen zuhören. Wertschätzung und Vertrauen zeigen, sowie dem Team Rückendeckung geben.
  • Verantwortung übertragen und nicht ständig kontrollieren – als Führungskraft ist man Managerin, keine Fachkraft. Offenheit für neue Ideen zeigen – die Kreativität des Teams nutzen.
  • Den Mitarbeitern eine Perspektive für ihre berufliche Entwicklung geben. Nicht nur hier ist ein gutes Netzwerk hilfreich.
  • Und natürlich: Vorbild sein.

 

2. Schritt: Erkennen, welcher Weg wirklich zum Ziel führt

„Werfen wir einen Blick darauf, was Ihren beruflichen Erfolg wirklich fördert,“ sagte Heike Schönmann. „Es ist nicht, wie Sie wahrscheinlich annehmen, Ihre fachliche Kompetenz und Ihre Einsatzbereitschaft. Wenn Sie sich in Ihr Büro zurückziehen und die Dinge fleißig abarbeiten, werden Sie keine Karriere machen – weil niemand von Ihrer Leistung erfährt.“ Viele Frauen tappten in die gleiche Denkfalle, nach der sie annehmen, dass ihre Leistung sicher bemerkt und honoriert würde. Wissen und Kompetenz jedoch sind nur der kleinste Erfolgsfaktor – eine Studie zufolge zahlt dieser Faktur nur zu 10 Prozent auf beruflichen Erfolg ein. Weit wichtiger sind Selbstdarstellung und Bekanntheit. Für Frauen in Führung oder mit Führungsambitionen bedeutet das: investieren Sie in eine positive Selbstdarstellung und in eine größere Bekanntheit. Und bringen Sie sich selbst ins Spiel, wenn es um interessante Positionen und Projekte geht – denn Sie werden wahrscheinlich nicht gefragt.

Das Verhältnis der Erfolgsfaktoren – zentral ist Ihre Bekanntheit im Netzwerk und wie Sie sich positionieren (Selbstdarstellung)

3. Schritt: Die Richtung stimmt? Los!

Viele Frauen tun sich mit einer selbstbewussten Selbstdarstellung schwer. Die Gründe sind vielfältig; die Sozialisation und Erwartungshaltungen gegenüber Frauen spielen dabei eine Rolle. Aber letztlich ist das Ziel, sich ins Spiel zu bringen und sich selbst, die Abteilung, die Projekte bekannter zu machen.

An der Wirkung arbeiten

Daher der Appell: Sprechen Sie über Ihren Verantwortungsbereich, Ihre Projekte und Erfolge – auf die richtige Art und Weise. Das bedeutet nicht, den typisch männlichen Habitus zu übernehmen: „Kommunizieren Sie nicht, wie Sie denken, dass ein Mann vorgehen würde – das führt in der Regel dazu, dass Sie nicht als authentisch wahrgenommen werden und im schlimmsten Falle nicht durchsetzungsstark ankommen, sondern als aggressive Zicke“, so Schönmann. Das andere Extrem – leise und vorsichtig, unter höflichen Fragen und sich entschuldigend sein Anliegen erklären – ist offensichtlich auch nicht zielführend. Insofern geht es hier um einen Mittelweg, der eine authentische und überzeugende Selbstdarstellung zulässt. Ein Gefühl dafür, worauf es ankommt und wie was wirkt, entwickelten die Teilnehmerinnen in zahlreicher Übungen und mit differenzierten Feedback der Anderen sowie der Trainerin. Das Ergebnis: klare, prägnante Selbstpräsentationen, in denen Verantwortungsbereich und Expertise deutlich wurden – und die Interesse an einem weiteren Austausch weckten.

Checkliste für einen überzeugenden Auftritt

  • Hohe Stimme in der „dünnen“ Kopfstimme. Besser in der entspannten Stimmlage, der Bauchstimme, sprechen – so erwischen Sie Ihre Indifferenzlage, in der Sie natürlich klingen.
  • Zu hohe Geschwindigkeit beim Sprechen – sorgt für Versprecher und kann den Gegenüber stressen.
  • Öfter tief Luft holen – die Pausen tun beiden Seiten gut.
  • Bei der Wortwahl auf „typisch weibliches“ Vokabular (könnte, würde, vielleicht, mal eben, bitte, Entschuldigung…) verzichten – so gewinnen die Sätze praktischerweise gleich auch an Prägnanz und Verständlichkeit.
  • Und zuletzt ein inhaltlicher Punkt: nicht vergessen, die letzten Erfolge zu erwähnen.

„Gut waren die Übungen, die gezeigt haben, was ich kann. Und das ist mehr, als mir bewusst war.“ Feedback einer Teilnehmerin

Bekanntheit in einem tragfähigen Netzwerk: die Vorteile liegen auf der Hand

Nur wenn Sie bekannt sind, wird an Sie gedacht – bei der nächsten vakanten Führungsposition, dem strategisch wichtigen Projekt, der Budgetverteilung. Aber auch im Führungsalltag ist ein Netzwerk sinnvoll: so erfahren Sie, welche Personen bei Ihren Aufgaben hilfreich sein könnten; Sie finden Mitstreiter für Ihre Anliegen; Sie erhalten den entscheidenden Hinweis für ein Problem – die Liste lässt sich leicht fortführen. Die Reaktion der Teilnehmerinnen auf den Appell, mehr über ihre Aufgaben zu sprechen, war typisch: Bisher waren sie zurückhaltend, bei jeder sich bietenden Gelegenheit über ihre Arbeit und vor allem explizit über ihre Erfolge zu sprechen.

Es geht hier jedoch nicht um egozentrische Selbstdarstellung. Vielmehr sollte man dies als eine Art „working out loud“ verstehen, bei der Andere an der eigenen Arbeit teilhaben und auch für sich etwas lernen kann. Nur wer weiß, woran Sie arbeiten, kann Ihnen den hervorragenden Impuls geben, wenn Sie an einer Stelle nicht weiterkommen. Man muss seinem Netzwerk die Chance geben, für einen zu arbeiten. Denn: „Man muss nicht alles alleine machen – das weiß ich jetzt“, gab eine Teilnehmerin zu.

Daran schließt sich die Frage an, wer für den beruflichen Weg wichtig ist? In welche Richtung sollte man sein Netzwerk verdichten oder erweitern? Auch hierzu hatte Trainerin Schönmann eine effektive Methode dabei, die die Teilnehmerinnen direkt umsetzten und die Ergebnisse im Team vorstellten.

Wie man sein Netzwerk stärkt

  • Besuchen Sie so viele Veranstaltungen wie möglich. Und kommen Sie nicht kurz vor knapp und bleiben Sie danach noch zum entspannten Smalltalk da.
  • Reden Sie in der Kaffeeküche mit Kollegen über Ihre aktuelle Aufgabe.
  • Gehen Sie mit Personen essen, die Sie noch nicht kennen.
  • Besuchen Sie bei jeder Gelegenheit Kollegen an anderen Standorten, oder Mitarbeiter anderer Betriebe, Behörden usw.
  • Sorgen Sie für Reichweite, indem im Intranet, Newsletter oder dem Social Media Auftritt über Ihre Projekte, Aktionen oder Netzwerke geschrieben wird.
  • Wenn es eine Bühne gibt: gehen Sie selbst hinauf. Und abends an die Bar.

Und vor allem: Machen Sie nicht die Fleißarbeit, sondern die wichtigen Projekte.

Zum Weiterlesen

  • Barbara Schneider: Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf
  • Anna Rossi: Bullshit, an den nur Frauen glauben
  • Monika Schreddin: Erfolgsstrategie Networking
  • Marion Knaths: Spiele mit der Macht
  • Peter Modler: Das Arroganzprinzip
  • Sheryl Sandberg: Lean in
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