Mitgliederversammlung 2019

Der Klimaschutz ist eines der beherrschenden Themen in der öffent lichen Diskussion: Bei #fridaysforfuture gehen Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße. Die GRÜNEN haben als Partei deutliche Stimmengewinne bei den Wahlen auf kommunaler und europäischer Ebene gewonnen. Dies hat auch Auswirkungen auf die chemische Industrie. Daher war das Thema der diesjährigen Mitgliederversammlung „Chemie und Umwelt“.

In drei TEN-Talks gingen wir den Fragen nach: Wie steht es um unser Image? Welche Auswirkungen hat die Kunststoff-Strategie der EU auf die Unternehmen? Was ist an der Diskussion zum Klimawandel dran?

Experten aus den Verbänden und Mitgliedsunternehmen sowie Staatssekretär Dr. Thomas Griese vom Umweltministerium Rheinland-Pfalz standen als Gesprächspartner zur Verfügung.

Mitgliederversammlung 2019

Gemeinsam der Chemie eine Stimme geben

#JazuEuropa

Unter dem Hashtag #JazuEuropa hat die chemische Industrie in Rheinland-Pfalz ihr Bekenntnis zur europäischen Einheit betont. Auf Pressekonferenzen, in Zeitungen sowie auf Webseiten und in den sozialen Medien haben wir die Menschen dazu aufgerufen, wählen zu gehen und sich mit der eigenen Stimme für Europa einzusetzen. Heute wissen wir: Es hat sich gelohnt. Deutschlandweit gab es eine Wahlbeteiligung von über 61 Prozent. Der höchste Wert seit 25 Jahren. 9 Millionen Menschen mehr als bei der letzten Wahl sind an die Wahlurnen gegangen. Und die pro-europäischen Kräfte haben gewonnen. Wer nun denkt, dass die Würfel gefallen sind, der irrt. Auch die europakritischen Parteien haben zulegen können. Wir sind weiterhin gefordert, die EU-Gemeinschaft zu verteidigen. Und wie im Großen die Gemeinschaft der EU wichtig für uns ist, so sind es die Chemieverbände für uns in der Region. Denn nur als Gemeinschaft haben wir eine kräftige Stimme im politischen Konzert und in der gesellschaftlichen Informationsflut.

Klimaschutz geht nur mit Chemie

Diese starke Stimme werden wir brauchen. Denn es gibt weiterhin viel für uns zu tun, um die politischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass wir als Unternehmen auch zukünftig erfolgreich wirtschaften können. Der Klimaschutz ist vor allem in Deutschland das politisch bestimmende Thema. Dabei müssen ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichrangig berücksichtigt werden. Denn nur mit einer innovativen und wettbewerbsfähigen Industrie lassen sich die hohen Ziele beim Umweltschutz erreichen. Wenn die Politik ehrgeizige Klimaziele setzt, muss sie das zwingend mit Wachstum und Beschäftigung in Deutschland verbinden. Wir haben alle nichts davon, wenn wir in Deutschland Produktion verlieren, die dann anderswo auf der Welt deutlich klimaschädlicher wieder aufgebaut wird.

Nachhaltiges Wirtschaften – die Initiative Chemie³

Dass unserer Branche nachhaltiges Wirtschaften am Herzen liegt, verdeutlichen wir mit der Initiative Chemie³. Der jüngste Fortschrittsbericht für 2018 zeigt, dass wir es ernst meinen. Wir sind die erste Branche, die sich mittels zahlreicher Indikatoren messen lässt. Darauf sind wir stolz. In dem aktuellen Bericht wurden einige Werte zu den 40 Indikatoren erstmals erhoben. Es ist ein neuer Weg, den wir gegangen sind. Und er ist wichtig, da die Fragen nach nachhaltigem Wirtschaften längst ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft sind. Als Branche sind wir beim Umweltschutz bereits auf einem sehr hohen Niveau: Wir verwerten Abfallprodukte und nutzen diese als Rohstoffe. Auch Verbundsysteme und Recycling sind uns längst geläufig. Wir verbessern den Einsatz von Energie und setzen regenerative Energiequellen da ein, wo es sinnvoll ist. Dennoch scheint es wieder einen Trend zu geben, die Chemie in Gut und Böse einzuteilen. Besonders der Kunststoff steht im Fokus der Diskussionen. Vor wenigen Jahren noch als Werkstoff des 21. Jahrhunderts gefeiert, drohen heute Unternehmen von der Bildfläche zu verschwinden. Wie sieht die Zukunft aus? Eines ist klar: an der Industrie kommt niemand vorbei, der die Herausforderungen annehmen will, die der Klimaschutz stellt. Wir müssen auch in Zukunft immer wieder klar machen, dass alle drei Aspekte der Nachhaltigkeit ausbalanciert werden: Soziales, Ökologie und Ökonomie.

„Es gibt weiterhin viel für uns zu tun, um die politischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass wir als Unternehmen auch zukünftig erfolgreich wirtschaften können.“Vorstandsvorsitzender Christian Metzger (mh-foto.de)

Die Chemieverbände sind Dienstleister


Neben der Frage des nachhaltigen Wirtschaftens sind Themen wie Nachwuchsgewinnung, Arbeitgebermarketing, aber auch Mitarbeiterbindung und Gesundheitsmanagement in der Priorität der Unternehmen deutlich nach vorne gerückt. Die Chemieverbände haben sich darauf eingestellt und entsprechende Dienstleistungen aufgebaut – zum Beispiel durch die Erfa-Runde zum Gesundheitsmanagement, dem Ausbildungsblog Chemie-Azubi oder dem Veranstaltungsformat „BarCamp-Chemie“. Die Praxishilfen in Form der „Toolbox Arbeiten 4.0“ helfen den Unternehmen bei der Ausgestaltung der Digitalisierung im Betrieb. In ähnlich praktischer Form wollen die Chemieverbände auf Bundesebene – mit der Gewerkschaft zusammen – Vorschläge zur einfacheren Nutzung von künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt entwickeln.

Wirtschaftliche Lage hat sich gedreht

Die wirtschaftliche Situation der Branche hat sich seit der letzten Mitgliederversammlung deutlich gedreht. Die sehr gute Entwicklung des Jahres 2017 und in der ersten Hälfte des Jahres 2018 hat die Chemie-Tarifrunde 2018 wesentlich bestimmt. Das Ergebnis war eine kräftige tabellenwirksame Erhöhung sowie eine Verdoppelung des tariflichen Urlaubsgeldes. Es gab aber keine Umwandlungsmöglichkeit „Zeit statt Geld“ wie in anderen Branchen. Denn wir wissen, dass zusätzliche Freizeitansprüche gerade in der Produktion große Schwierigkeiten verursachen würden. Allerdings haben wir uns als Arbeitgeber in der „Roadmap Arbeit 4.0“ dazu verpflichtet, mit der Gewerkschaft bei den Themen Arbeitszeitsouveränität und Arbeitszeitflexibilität zu Ergebnissen zu kommen. Hier muss es uns gelingen, eine intelligente Lösung zu finden, die dem Wunsch nach Freizeit und den Notwendigkeiten in der Produktion entsprechen kann. Der Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz wird sich jedenfalls stark dafür einsetzen. Und mit Blick auf die anstehenden Tarifverhandlungen sollten wir alle die Zeit bis zum Herbst gut nutzen, um im Betrieb, gegenüber Gewerkschaft, Betriebsrat und Belegschaft klar zu machen, dass sich die Zeiten wirtschaftlich sehr deutlich geändert haben.

Vorstand neu gewählt

Am 6. Juni wurden die Vorstände des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz e.V. (AGV) sowie des Verbandes der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. (VCI) neu gewählt. Die Personengleichheit der Vorstände gewährleistet die effiziente Verzahnung der Arbeitsweise beider Verbände. Als Vorsitzender wurde Christian Metzger bestätigt.


Chemie und Umwelt

Im Mittelpunkt der diesjährigen Mitgliederversammlung stand das Thema „Chemie und Umwelt“. Neben den drei TEN-TALKs stand Staatssekretär Dr. Thomas Griese vom Umweltministerium Mainz als Gesprächspartner zur Verfügung.

Im ersten TEN-TALK ging Dr. Dominique Bäumer auf den Klimawandel aus naturwissenschaftlicher Sicht ein. Er stellte anhand von Beobachtungen und Modellrechnungen vor, dass Veränderungen im Klima stattfinden. Ein „heißes Thema“ ist der anthropogene Einfluss auf die Klimaveränderung. Die große Bandbreite möglicher Zukunftsszenarien lassen unterschiedliche politische Ableitungen zu, so der promovierte Meteorologe. Daher seien diese genau zu hinterfragen. Fest steht, dass die Menschen die weitere Klima-Entwicklung maßgeblich beeinflussen können.

Was der Mensch tun kann und worauf er verzichten sollte, ist auch Bestandteil der aktuellen „Kunststoff-Debatte“. Hierzu sprach Hendrik Müller von Huhtamaki Foodservice in Alf. Er stellte die Vorteile der Kunststoffe im Bereich der Lebensmittel ebenso vor wie die Problematik der zunehmenden Verunreinigung der Umwelt. Er machte zudem deutlich, wo die Grenzen bei den Alternativen auf Basis natürlicher Ressourcen sind und welche Auswirkungen die Verbote und Einschränkungen durch die EU-Kunststoff-Direktive auf den Standort Alf haben.

Bei Umweltthemen steht auch die chemische Industrie im Fokus. Daher gab Dr. Martina Ludwig, Kommunikationschefin des VCI in Frankfurt, einen Überblick über die Reputation der Chemie in der Bevölkerung. Hier zeigt sich, dass die Wirtschaft insgesamt an Zustimmung in der Bevölkerung verloren hat. Erfreulich ist, dass die Chemie – im Vergleich zu anderen Branchen – zunehmend als Teil der Lösung gesehen wird und trotz Verlusten ein gutes Image hat.

Staatssekretär Dr. Thomas Griese betonte in seinem Impuls-Vortrag, dass unterlassener Klimaschutz unseren Wohlstand bedrohe – nicht umgekehrt. Beim Klimaschutz sei wichtig, dass Belastungen und Entlastungen für die Betriebe gleichermaßen stattfinden müssen, zum Beispiel bei einer CO2-Abgabe und dem Emissionshandel. Ebenso ist er der Ansicht, dass Eigenstromerzeugung belohnt werden solle und die Investitionssicherheit für die Unternehmen nicht gefährdet werden dürfe. Aber er machte ebenso deutlich, dass bei Industrieprodukten das Vorsorgeprinzip gelten müsse. Die Auswirkungen, auch auf die Umwelt, seien vorher zu prüfen und darzulegen und nicht hinterher zu beobachten. Gesellschaftlich, so der Staatssekretär, ist der Klimaschutz ein Generationenthema geworden. Er begrüßt das Einmischen der Jugend in die Diskussionen, „denn die Schüler auf der Straße sind gut informiert,“ so Griese.

Das Fazit der Moderation am Ende der Gesprächsrunde

  • Die Chemie hat im Vergleich zu anderen Branchen ein besseres Image. Jedes Unternehmen trägt durch sein Handeln zum Gesamtimage der Branche bei.
  • In der Kunststoff-Debatte sollten wir Position beziehen und das Gespräch mit allen suchen. Die Jugend ist gut informiert.
  • Das Klima wandelt sich. Als Industrie leisten wir unseren Beitrag zum Klimaschutz. Aber auch die Verbraucher sind gefordert und müssen Verantwortung übernehmen, damit die Verpackung in der Kreislaufwirtschaft und nicht im Bauch der Fische landet.

Den mediaV-Award 2019 gewann der Ausbildungsblog ChemieAzubi in der Kategorie „beste crossmediale Kampagne“. Auf der Mitgliederversammlung gab es viele Informationen über das Nachwuchsmarketing der Chemieverbände Rheinland-Pfalz.

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