Leistungsfähigkeit durch Lebensbalance - ein Seminar des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz

Leistungsfähigkeit durch Lebensbalance

In Zeiten steigender Arbeitsverdichtung und geringerer Fehlertoleranz wünschen sich viele, ihre Leistungsfähigkeit zu stärken und gezielter abrufen zu können. Viele erhöhen ihre Anstrengungen, streichen ihre Pausen, ignorieren die Warnsignale und fragen sich dann, warum Kreativität und Belastbarkeit leiden und letztlich ihre Leistungsfähigkeit sinkt.

Wie es besser laufen kann, zeigte Thomas Späth im Seminar „Leistungsfähigkeit durch Lebensbalance”. Angeboten vom Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz, konnten die interessierten Mitarbeiter aus den Mitgliedsunternehmen mehr über Selbstmanagement und das Abrufen ihrer persönlichen Bestleistung lernen. Am Ende stand für jeden ein individueller Fahrplan hin zu mehr Lebensbalance und damit zu mehr Leistungsfähigkeit.

Im Seminar ging Referent Thomas Späth auch auf die physischen und psychischen Grundlagen von Leistungsfähigkeit ein. Das festgehalten konzentriert sich dagegen auf jene Ansätze und Übungen, die man gut im Alltag umsetzen kann.

Was treibt Sie an?

Jeder hat etwas, das einen antreibt. Der Anspruch, immer die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern. Der Wunsch, allen Anforderungen im professionellen wie im persönlichen Umfeld gerecht zu werden. Das sind nur zwei Beispiele für die Triebfedern, die der Leistungsbereitschaft zugrunde liegen.

Was spornt Sie an?

Wer seine Antreiber kennt, lernt mit ihnen umzugehen. In jeder Einstellung liegt eine Stärke, aber auch ein Risiko. Unsere Einstellungen motivieren uns – können uns aber auch über das Ziel hinaus schießen lassen. Wenn die Lust an Leistung sich in Druck und Stress verwandelt, steht am Ende ein Leistungstief oder im schlimmsten Fall ein Burnout. Um das zu verhindern ist es sinnvoll, sich das Prinzip dauerhafter Leistungsfähigkeit einmal zu verdeutlichen.

Das Balance-Modell

Referent Thomas Späth erklärte dieses Prinzip mit dem Life-Balance-Modell. Die Kernaussage klingt simpel, wird aber doch immer wieder ignoriert: Phasen von (Hoch-)Leistung brauchen Phasen der Regeneration. Pausenlos Höchstleistungen zu erbringen, erschöpft. Effektive und nachhaltiger ist es, sich regelmäßige Erholungszeiten zu erlauben. Der Übergang in die Überlastungszone kommt nicht unangekündigt. Wer seine Stresssignale erkennt, kann gegensteuern:

Typische Stresssignale

  • Sie machen häufiger Fehler.
  • Sie können sich nicht oder nur schlecht konzentrieren.
  • Sie können Informationen nicht mehr so schnell und vollständig wie gewohnt aufnehmen.
  • Sie sind unzufrieden und/oder unruhig.
  • Sie haben ihre Kreativität verloren.

„Selbstbeobachtung ist der Schlüssel. Wenn ich mich selbst kenne, kann ich mich auch steuern. Man muss sein Leben nicht radikal umkrempeln. Veränderungen kosten Kraft. Das Unterbewusstsein überlegt sich: Lohnt sich das? Besser sind kleine Veränderungen, die für viele weitere kleine Veränderungen sorgen. Das geht am leichtesten auf Basis der Würdigung dessen, was da ist – und nicht auf Basis einer Abwertung. Diesen nichtwertenden inneren Beobachter kann jeder entwickeln. Man gewinnt Selbst-Bewusstheit im Wortsinne. Und das ist die Basis für Selbstmanagement. So lernt man, seine Balance zu bewahren und zu steuern.” (Thomas Späth)

Trainer Thomas Späth
Akkulader

Leistungsfähigkeit steigern

Es gibt verschiedene Wege, seine Leistung zu steigern – ohne dabei aus dem Gleichgewicht zu kommen. Thomas Späth bezeichnet diese als Balancestrategien. Damit macht er gleich deutlich, wie er diese Strategien verstanden wissen will. Nämlich als Methoden, in denen Leistung und Regeneration, Spannung und Entspannung, Fokussierung und Freiraum nur als Paar funktionieren.
Unter der Anleitung von Thomas Späth, der Verhaltensbiologie mit dem Schwerpunkt Neurobiologie studierte, arbeiteten die Teilnehmer auch mit „Mentaltraining” und „Priming”.

Energie tanken

Sie rücken schnell in den Hintergrund: die Phasen der Entspannung und der Muße. Es ist der persönliche Freiraum und das Verfolgen der eigenen Interessen, die einen Menschen zur Ruhe kommen lassen. Neben dem Bewusstsein für die Antreiber gibt es daher eine weitere grundlegende Frage, die sich jeder stellen sollte: Was sind meine Energiequellen? Hier sind einige Beispiele:

  • Sport, Bewegung und Fitness
  • In der Natur sein
  • Freunde sehen
  • Musik machen / hören
  • Lesen
  • Zeit in der eigenen Werkstatt
  • Engagement im Verein

Bewegung

Im Seminar wurde oft Bewegung – in Form von Sport, Tanzen, Wandern, an der frischen Luft sein usw. – als Energiequelle genannt. Und tatsächlich ist Bewegung eine wirksame Ausgleichstrategie für „Kopfarbeiter”. Viele machen die Beobachtung, dass sie nach Feierabend nicht mehr „abschalten” können.

„Das Gehirn macht das, was es am besten kann: Weiterdenken. Dabei ist es ihm gleich, ob Sie noch am Arbeitsplatz sind oder Feierabend haben”, erklärt Thomas Späth.

Ausdauersport ist eine Methode, das Gedankenkarussell anzuhalten. Bewegung entspannt den Körper. Da zwischen Kopf und Körper enge Verknüpfungen vorhanden sind, breitet sich diese Entspannung auf das Denkorgan aus. Regelmäßige Bewegung beugt nicht nur körperlichen Beschwerden vor, sondern schützt auch vor Schlafstörungen und Ängsten.

Daher: Dreimal in der Woche für 30 Minuten bewegen.

Atmen

Eine andere Methode ist die Atmung. Die Atmung ist ein Indikator für die momentane Stimmung. Angespannt oder entspannt? Ruhig oder aufgeregt? Die Tiefe und Frequenz der Atmung verändert sich. Geht es uns gut, zeigt der Atem ein tiefes, ruhiges und gleichmäßiges Muster.

Mit welchen Atemübungen man dieses Atemmuster auch unter Anspannung erreicht, trainierten die Teilnehmer immer wieder während des Seminars. Als Daumenregel kann man für den Alltag mitnehmen: Sich mehrfach am Tag eine kurze Zeit auf die tiefe, ruhige Atmung fokussieren. Die Atemübung im Seminar dauerte nur eine Minute.

„Brainfood”

Auch die Ernährung beeinflusst die Leistungsfähigkeit. Welche Effekte gute und weniger gute Nahrungsmittel auf das Gehirn haben, erläuterte Thomas Spät im Detail während des Seminars. Die Kernpunkte für „gehirngerechtes” Essen:

  • Mindestens 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen; idealerweise Wasser, aber auch Getränke wie Tee und Kaffee sind natürlich (in Maßen) in Ordnung.
  • Viel Salat, Gemüse und Obst zu sich nehmen. Möglichst Vollkorngetreideprodukte essen und möglichst kein Weißmehl.
  • Zucker und Fett sollten im Genussbereich bleiben. Fette bzw. Öle nur in Form von mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu sich nehmen. Quellen sind Lachs, Walnüsse, Mais, Soja, Weizen und Sonnenblumensamen.
  • Auch hochwertige Proteine (wie in Fleisch und Fisch, Milchprodukten und Eierspeisen) sind wichtig.

„Wer keine Pausen macht, schadet sich und dem Unternehmen.”

Auf diese einfache Formel brachte der Referent die Notwendigkeit, Pausen einzulegen. Nach ungefähr 30 Minuten lässt normalerweise die Konzentration nach; nach 45 Minuten bricht sie ein. Dann ist eine kurze Pause von zwei bis fünf Minuten notwendig. Warum ist der Verzicht auf Pausen schädlich? Mit nachlassender Konzentration steigt die Fehlerhäufigkeit an. Wer also auf die Qualität seiner Arbeit bedacht ist, kann sich ruhig regelmäßige Mini-Pausen erlauben.

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